Langweilige Nullnummer gegen Oranje

Marco Reus

Deutschland und Niederlande bleiben hinter Erwartungen zurück

Langweilige Nullnummer gegen Oranje

Langeweile statt Spektakel: Mit einer müden Nullnummer im Klassiker gegen die Niederlande hat sich die DFB-Elf in die Winterpause verabschiedet.

Der zweite Anzug des DFB-Teams sorgte vor 51.000 Zuschauern in Amsterdam vier Wochen nach dem historischen 4:4 gegen Schweden für einen halbwegs versöhnlichen Jahresabschluss und beendete damit auch vorerst die Diskussionen um die zuletzt wacklige Abwehr.

Matthias Opdenhövel mit dem Bundestrainer Play-Icon

Die Analyse mit Mehmet Scholl und Joachim Löw | 15:09 min | 14.11.2012 | Sportschau live | Das Erste

"Für mich war dieses Spiel positiv. Wir hatten eine veränderte Mannschaft, viele Stammkräfte haben gefehlt", sagte Bundestrainer Joachim Löw: "Wir haben sehr positionstreu und diszipliniert gespielt. Wir haben eine gute Defensivarbeit verrichtet. Das war nach den letzten Erlebnissen, auch gegen Schweden, das Wichtigste. In der ersten Halbzeit hatten wir den Mut, nach vorne zu spielen. In der zweiten Hälfte war es ausgeglichener, aber es war wichtig, dass wir auch von Holland wenig Chancen zugelassen haben."

"Beide Mannschaften haben ordentlich gespielt", sagte Kapitän Philipp Lahm: "Wir haben nicht viele Chancen zugelassen. Das war positiv, das Unentschieden war gerecht." Etwas kritischer sah es Torwart Manuel Neuer: "Keine der beiden Mannschaften wollte einen Fehler machen. Deshalb sah es vielleicht etwas zäh aus."

Bilder vom Spiel Niederlande gegen Deustchland

Zu Testzwecken gastiert die Deutsche Elf in der Hauptstadt der Niederlande und fordert dort die Elftal.

Ricardo van Rhijn im Zweikampf mit Marco Reus

Marco Reus wird gleich zu Spielbeginn vom Lokalmatador Ricardo van Rhijn in Amsterdam willkommen geheißen.

Marco Reus wird gleich zu Spielbeginn vom Lokalmatador Ricardo van Rhijn in Amsterdam willkommen geheißen.

Mario Götze verliert im Duell mit Nigel de Jong den Überblick.

Arjen Robben sorgt im deutschen Lager für eine Schrecksekunde. Der Stürmer von Bayern München umkurvt seinen Vereinskameraden Manuel Neuer.

Beim Torabschluss scheitert Robben dann aber am glitschigen Geläuf und seinem Standbein.

Auf der anderen Seite verfehlt ein Kopfball von Thomas Müller das Gehäuse des niederländischen Keepers Kenneth Vermeer.

Auch Mats Hummels treibt im niederländischen Strafraum sein Unwesen und beschäftigt die gegnerische Defensive.

Vor 51.000 Zuschauern schenken sich Lewis Holtby und Nigel de Jong nichts.

Neun Absagen für Löw

Trotz insgesamt neun Absagen zeigte die junge deutsche Mannschaft gegen die mit zahlreichen Bundesliga-Legionären gespickte Elftal die von Bundestrainer Joachim Löw geforderte Balance zwischen Angriff und Abwehr, verpasste aber nach dem 3:0 am 15. November 2011 in Hamburg und dem 2:1 im EM-Gruppenspiel am 13. Juni im ukrainischen Charkow den dritten Sieg gegen den Erzrivalen innerhalb eines Jahres.

Erstmals kein deutsches Tor seit zwei Jahren

Mit dem 0:0 endete auch die Serie von 26 Spielen in Folge, in denen die Adler-Träger mindestens einen Treffer erzielt hatte. Bei der letzten Nullnummer vor zwei Jahren am 17. November 2010 in Göteborg gegen Schweden hatte Rückkehrer Rene Adler sein letztes Länderspiel bestritten.

Für Löw war das 15. Remis im 40. Duell mit den Niederlanden auch ein Teilerfolg gegen Bondscoach Louis van Gaal. Der ehemalige Bayern-Coach hatte im Vorfeld einige Spitzen in Richtung Bundestrainer abgelassen und angemerkt, dass Löw zu einem großen Trainer ein Titel fehlen würde.

Querpässe an der Mittellinie

Mit dem Dortmunder Mittelfeldspieler Mario Götze in der Spitze reagierte Löw auf Ausfälle von Miroslav Klose und Mario Gomez. Die deutsche Mannschaft kopierte damit erstmals das Erfolgsrezept von Weltmeister Spanien, wenn auch ohne großen Erfolg. Die Iberer hatten mit der "falschen 9" im Sommer in Polen und der Ukraine erfolgreich ihren EM-Titel verteidigt.

Philipp Lahm Play-Icon

Stimmen zum 0:0 der DFB-Elf in Amsterdam | 07:29 min | 14.11.2012 | Sportschau live | Das Erste

Gegen die im ersten Durchgang sehr defensiv agierenden und tief stehenden Gastgeber tat sich die deutsche Mannschaft zunächst schwer im Spielaufbau. Mats Hummels versuchte es in der 4. Minute mit einem Steilpass auf Marco Reus, doch sein Dortmunder Vereinskamerad verstolperte den Ball. Anschließend prägten Querpässe an der Mittellinie das Spiel der deutschen Mannschaft, während weiter vorne Götze, Reus, Thomas Müller und der überraschend statt Lukas Podolski in der Startelf stehende Schalker Lewis Holtby fleißig, aber vergeblich rochierten. Bei den wenigen deutschen Möglichkeiten stand wie bei Götze (21.) und Ilkay Gündogan (45.+1) entweder Abwehrspieler John Heitinga oder wie bei Reus (39.) der Außenpfosten im Weg.

Debüt für Neustädter und Draxler

Auf der Gegenseite verstolperte Arjen Robben, nachdem er Manuel Neuer bereits umkurvt hatte (30.). Allerdings war der Bayern-Star klar aus dem Abseits gestartet. Löw musste insgesamt auf neun Spieler verzichten. Holger Badstuber, Sami Khedira und Mario Gomez standen verletzungsbedingt ohnehin nicht zur Verfügung.

In Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Marcel Schmelzer, Jerome Boateng, Mesut Özil und Miroslav Klose sagte dann auch noch ein halbes Dutzend Spieler ab, die am Wochenende noch für ihre Vereinsmannschaften im Einsatz gewesen waren. Als Neulinge Nummer 53 und 54 seiner sechsjährigen Amtszeit brachte Löw kurz vor Schluss die Schalker Roman Neustädter und Julian Draxler.

Die deutschen Spieler in der Einzelkritik

Niederlande gegen Deutschland.

Manuel Neuer

Manuel Neuer: Kaum geprüft bei diesem Langweiler. Und wenn er dann mal gefordert war, war Neuer zur Stelle. In der 76. Minute parierte er einen Flachschuss von Janmaat großartig. Glück für den Keeper in der ersten Halbzeit, als Robben einmal selbst über seine Beine stolperte. Ansonsten als deutscher "Libero" immer anspielbar.

Manuel Neuer: Kaum geprüft bei diesem Langweiler. Und wenn er dann mal gefordert war, war Neuer zur Stelle. In der 76. Minute parierte er einen Flachschuss von Janmaat großartig. Glück für den Keeper in der ersten Halbzeit, als Robben einmal selbst über seine Beine stolperte. Ansonsten als deutscher "Libero" immer anspielbar.

Benedikt Höwedes: Auffälligster Spieler der deutschen Mannschaft in der ersten Hälfte, weil Robben ihm viel Platz auf der linken holländischen Seite gestattete. Der Schalker lief mit dem Ball immer wieder in Richtung gegnerisches Tor, ohne mit seinen Flanken aber wirklich gefährlich zu werden.

Per Mertesacker: Der "Lange" spielte seine Lufthoheit im Abwehrzentrum öfters aus. War aber nicht wirklich gefordert. Mit 132 Ballkontakten an der Spitze der deutschen Mannschaft an diesem Abend.

Mats Hummels: Ebenfalls souveräne Partie des Dortmunder Innenverteidigers. Schob sich gemütlich die Bälle mit Mertesacker zu, und kam - so wie sein Partner vom FC Arsenal - auf die meisten Ballkontakte im deutschen Team, auf 124.

Philipp Lahm: Der Kapitän verbrachte einen gemütlichen Abend auf der linken Abwehrseite. Kaum geprüft, aber auch wenig Vorstöße in die Hälfte des Gegners.

Lars Bender: Solide Partie auf der "Sechser-Position" des Leverkuseners. Spielte unauffällig, machte aber auch keine Fehler. Zehn Minuten vor dem Ende machte er Platz für seinen Bruder Sven.

Ilkay Gündogan: Gut im Positionsspiel, ließ nach hinten nichts anbrennen. Der Dortmunder hatte in seinem vierten Länderspiel eine Riesenchance am Ende der ersten Halbzeit, traf allerdings nur ein Abwehrbein der Holländer anstatt das Tor.

Thomas Müller: Nicht so agil auf der rechten Seite. Machte zeitweise einen lustlosen Eindruck. Auf seine außergewöhnlichen Aktionen, die ihn sonst auszeichnen, wartete man vergeblich. Machte in den letzten Minuten für Andre Schürrle Platz.

Lewis Holtby: der Mann für die "Nullen". Es war das zweite Länderspiel von Beginn an für Holtby. Beim seinem Debüt in der Startelf vor zwei Jahren gegen Schweden fielen ebenfalls keine Tore, der bis dato letzten Nullnummer der Deutschen. Der Schalker vertrat Mesut Özil im zentralen Mittelfeld, hatte ein paar lichte Momente, aber die waren an einer Hand abzuzählen.

Marco Reus: Seine brilliante Schusstechnik, das vorzügliche Kombinationsspiel oder seine gefürchteten Dribblings - davon war nichts zu sehen an diesem Abend in Amsterdam. Der Dortmunder spielte etwas zu zurückhaltend und hatte dann auch noch bei ein, zwei Aktionen Pech im Abschluss.

Mario Götze: Als Sturmspitze nominiert, doch nicht immer dort zu finden. Der Dortmunder wechselte mal mit Müller, mal mit Reus die Position. Das sollte für Verwirrung bei den Niederländern sorgen, doch diese Taktik ging nicht auf.

Lukas Podolski: Kam in der 72. Minute für Mario Götze und das war auch schon das Nennenswerteste. Der "kölsche Jung" bringt es nun auf 106 Länderspieleinsätze und hat damit Jürgen Kohler überholt. War ein paar Mal am Ball, konnte aber keine Akzente mehr setzen. Nach Podolski wurden in den letzten Minuten eingewechselt: Sven Bender, Andre Schürrle, Roman Neustädter und Julian Draxler.

"Oranje" mit drei Bundesliga-Legionären

Van Gaal vertraute in der Startelf den Bundesliga-Legionären Rafael van der Vaart (Hamburger SV), Ibrahim Afellay (Schalke 04) und Robben (Bayern München), verzichtete aber auf Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar. Auch nach der Pause überzeugte vor allem die deutsche Viererkette, wobei der Schalker Benedikt Höwedes auf der rechten Seite deutlich mehr Impulse setzte als Kapitän Philipp Lahm, der auf links etwas abfiel. Dagegen überzeugte Per Mertesacker fast schon wieder wie zu besten Zeiten.

In der Offensive fehlten aber die zündenden Ideen, um die sehr vorsichtig agierenden Niederländer entscheidend durcheinander zu wirbeln. Viele Querpässe prägten den Spielaufbau der deutschen Mannschaft, die Außen hingen oft in der Luft und warteten vergeblich auf passende Anspiele. Stattdessen parierte auf der Gegenseite Neuer in der 77. Minute einen harten Schuss des eingewechselten Daryl Janmaat mit einem tollen Reflex.

Nächste Partie am 6. Februar

Die neue Länderspielsaison eröffnet das DFB-Team am 6. Februar mit dem Spiel in Paris gegen Ex-Weltmeister Frankreich. Ernst wird es in der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien erst wieder im März, wenn am 22. in Astana das Spiel gegen Kasachstan ansteht. Weitere Gegner auf dem Weg an den Zuckerhut sind Schweden, Österreich, Irland und die Färöer. Beste Spieler bei der deutschen Mannschaft waren Gündogan und Mertesacker, bei den Niederlanden überzeugten Afellay und Innenverteidiger Ron Vlaar.

dpa/sid | Stand: 14.11.2012, 22:19