Das Motto heißt "Vertrauen zurückgewinnen"

Joachim Löw

DFB-Team testet gegen Argentinien

Das Motto heißt "Vertrauen zurückgewinnen"

Sportlich mag der Test gegen Argentinien für das DFB-Team von untergeordneter Bedeutung sein. Wichtig ist er dennoch: Der Bundestrainer und sein Team müssen nach dem verpassten EM-Titel verspieltes Vertrauen zurückgewinnen.

Bundestrainer Joachim Löw hatte zu Wochenbeginn in einer Grundsatzrede seine Spieler gegen viele Vorwürfe verteidigt. Im Länderspiel gegen Argentinien steht seine Mannschaft auch deshalb besonders in der Pflicht. Den markigen Worten ihres Trainers muss das DFB-Team Taten folgen lassen. Der 500. Länderspielsieg soll Trainer, Nationalspieler und Fans nach dem EM-Frust wieder vereinen.

Deutschland vor dem Testspiel gegen Argentinien Play-Icon Audio-Icon

Vorfreude auf Argentinien | 02:02 min | 15.08.2012 | WDR 5 Morgenecho | WDR 5

Khedira: "Fans begeistern"

Gegen Weltfußballer Lionel Messi und Co. wollen der Bundestrainer und sein personell geschwächtes Team in der fast ausverkauften Frankfurter Arena verspieltes Vertrauen auf Anhieb zurückgewinnen. "Wir haben Lust auf dieses Spiel. Wir wollen nicht nur gewinnen, sondern guten Fußball spielen, die Fans begeistern und wieder auf unsere Seite bekommen", kündigte Sami Khedira an. "Ein Spiel gegen eine Klasse-Mannschaft wie Argentinien ist ein guter Maßstab für die WM-Qualifikationsspiele im September und Oktober", betonte auch Löw.

"Geiler auf ein Tor, geiler auf einen Sieg"

Der EM-Frust soll in Vorfreude auf den Quali-Marathon gegen Schweden, Irland, Österreich, Kasachstan und Auftaktgegner Färöer verwandelt werden - auch bei den Spielern selbst. Denn der Halbfinal-K.o. gegen Italien steckt auch ihnen noch in den Knochen. "Wir haben uns am meisten über uns selbst ärgern müssen, dass wir die Leistung nicht abgerufen haben", berichtete Khedira. Auch Marco Reus ist sich dieser brisanten Situation bewusst, will aber nicht groß nachkarten: "Die Sache ist gegessen. Wir wollen einen richtigen Neustart machen und damit gegen Argentinien anfangen", sagte der Neu-Dortmunder, der vor dem Anpfiff als Deutschlands Fußballer des Jahres ausgezeichnet wird. Reus und Khedira betonten unisono, dass die Nationalmannschaft wieder "geiler auf ein Tor, geiler auf einen Sieg" werden müsse. Auch wenn der Zeitpunkt des Testspiels gegen Argentinien während der Saison-Vorbereitung eher ungünstig ist, sollen Einsatz und Ehrgeiz stimmen.

Reus im Fokus

Mario Götze (l.), Marco Reus

Besondere Aufmerksamkeit wird Reus genießen. Auf ihm ruhen viele Hoffnungen. Der Dortmunder Neuzugang wird wohl auf einer der beiden Außenbahnen beginnen - und könnte sich so bei Löw nachhaltig für die Stammformation für die WM-Qualifikation empfehlen. Vor nicht einmal einem Jahr debütierte Reus in der DFB-Elf. Die überragenden Leistungen im Trikot von Borussia Mönchengladbach sicherten ihm das Ticket für die EM.

Viele Probleme, viele Baustellen

Mit Blick auf die WM 2014 in Brasilien sieht sich der Bundestrainer mit einem ganzen Haufen an Problemen konfrontiert. Eines der größten ist und bleibt die Dauerbaustelle Abwehr. Löw hat in der Viererkette viel probiert, aber in all den Jahren seiner Amtszeit keine wirklich überzeugende Lösung gefunden. Vielleicht kann Leverkusens Lars Bender, der heute vielleicht auf der rechten Seite beginnt, Abhilfe schaffen. Sorgen macht dem Bundestrainer auch Lieblingsschüler Lukas Podolski, der in entscheidenden Spielen zu oft nicht sein Leistungspotenzial abrief. Der Neuzugang vom FC Arsenal ist heute wegen des bevorstehenden Starts der Premier League nicht dabei und muss aufpassen, dass ihm im DFB-Team nicht die Felle davonschwimmen. Bayers André Schürrle etwa sitzt ihm schon im Nacken.

Der ewige Klose?

Miroslav Klose

Gedanken muss sich Löw auch um den Angriff machen. Mario Gomez fehlt gegen die Argentinier verletzungsbedingt, Miroslav Klose heißt wieder einmal die Alternative als zentraler Stürmer. Der inzwischen 34-Jährige hat sich zwar die Teilnahme an der WM in zwei Jahren als Ziel gesetzt. Doch ob Fitness und Gesundheit da mitspielen, ob einer mit dann 36 Jahren tatsächlich noch den Ansprüchen eines solchen Weltturniers genügt, steht in den Sternen. Gut immerhin, dass diese Position auch von Reus besetzt werden könnte. Eine Ideallösung sieht freilich anders aus.

Argentiniens Trainer hat viel Respekt

Trotz aller deutschen Probleme singt Argentiniens Nationaltrainer Alejandro Sabella ein Hohelied aufs DFB-Team, das in bislang 19 Partien gegen Argentinien sechsmal gewann, fünfmal remis spielte und achtmal verlor. Die Löw-Truppe ist für ihn "ohne Zweifel eine der besten Nationalmannschaften der Welt. Sie haben sehr gute Spieler und ein sehr eingespieltes Team", sagte der frühere Vereinstrainer von Estudiantes de la Plata am Dienstagabend (14.08.2012) in Frankfurt. Darüber hinaus lobte er das "sehr etablierte System", "ganz unabhängig davon, dass Schweinsteiger und Lahm fehlen." Deutschland könne damit jeden Gegner beherrschen und habe auch bei der EM in vielen Spielen Dominanz ausgeübt: "Das bereitet mir Sorgen."

Argentinien - zwei Jahre Ärger

Zwei Jahre sind seit dem 0:4 Argentiniens gegen Deutschland bei der WM in Südafrika vergangen. Für Argentinien war es eine Zeit voller Ärger, doch nun gibt es Hoffnung.

Maxi Rodriguez

Gut zwei Jahre sind vergangen, seit Deutschland bei der WM 2010 Argentinien mit einem famosen 4:0 aus dem Turnier schoss (im Foto trauert damals Maxi Rodriguez). Am Mittwoch (13.08.12, 20.45 Uhr) gibt es in Frankfurt bei einem Freundschaftsspiel ein Wiedersehen. Seither hat sich bei den Argentiniern viel getan – und zwar wenig Gutes. sportschau.de blickt auf zwei durchwachsene Jahre der Himmelblau-Weißen zurück.

Gut zwei Jahre sind vergangen, seit Deutschland bei der WM 2010 Argentinien mit einem famosen 4:0 aus dem Turnier schoss (im Foto trauert damals Maxi Rodriguez). Am Mittwoch (13.08.12, 20.45 Uhr) gibt es in Frankfurt bei einem Freundschaftsspiel ein Wiedersehen. Seither hat sich bei den Argentiniern viel getan – und zwar wenig Gutes. sportschau.de blickt auf zwei durchwachsene Jahre der Himmelblau-Weißen zurück.

Im Anschluss an das Turnier in Südafrika wurde Diego Maradona auf den Straßen Buenos Aires' zwar wie gewohnt als Held gefeiert, doch beim Verband senkten die Verantwortlichen den Daumen über dem Landesheiligen. Denn der wollte unbedingt mit seinen bisherigen Assistenten weiterarbeiten, die an oberer Stelle jedoch nicht mehr erwünscht waren. "Wenn sie an meine Mitarbeiter wollen, bin ich weg", sagte Maradona. Der Verband nahm dieses Angebot an, der auslaufende Vertrag wurde nicht verlängert – auch wenn einige Fans dagegen protestierten.

Sergio Batista, der mit Diego Maradona 1986 in Mexiko gemeinsam Weltmeister wurde, wurde sein Nachfolger. Er hatte bis dahin die argentinische U 20 trainiert und außerdem die Olympia-Mannschaft zur Goldmedaille in Peking 2008 geführt. "Das einzige Ziel für 2014 ist, die Weltmeisterschaft zu gewinnen", sagte "Checho" bei seinem Amtsantritt.

Doch selbst wenn es dazu kommen sollte, wird Sergio Batista nicht als Trainer dabei sein. Seine Amtszeit dauerte nur ein gutes Jahr. Die Copa América 2011 in Argentinien endete für den großen Favoriten in einem Fiasko: Mit zwei Unentschieden und nur einem Sieg quälte sich die Mannschaft durch die Vorrunde und scheiterte anschließend in einem spektakulären Viertelfinale am alten Rivalen Uruguay.

"Argentinien, wir sehen Dich nicht, wo bist Du?", sangen die Fans von Paraguay und Uruguay wenige Tage später, als ihre Mannschaften das Finale in Buenos Aires bestritten. Uruguay feierte den Sieg in der Hauptstadt des Erzfeindes – eine Demütigung für die argentinischen Fans.

Der zu diesem Zeitpunkt 48-Jährige Batista überstand diese Demütigung erwartungsgemäß nicht und musste seinen Platz als Trainer räumen.

Immer offensichtlicher wurde jedoch, dass Argentiniens Probleme auf dem Platz größer als auf der Trainerbank waren. Das gesamte Spiel war auf Lionel Messi ausgerichtet. Auf dem Superstar lasteten alle Hoffnungen, alle Erwartungen – und damit auch großer Druck, mit dem Messi wohl nicht immer fertig wurde. "Komm mal in die Gänge, du Idiot", sagte sein Mannschaftskollege Nicolas Burdisso (im Foto links neben Messi) nach Darstellung verschiedener Medien in der Halbzeit des Traumas gegen Uruguay zu ihm – was wiederum eine Menge über das Mannschaftsgefüge aussagt.

Messi bleibt aber für die argentinische Mannschaft Hoffnungsträger und Sorgenkind zugleich. Während er im Trikot des FC Barcelona schon in jungen Jahren jeden Pokal in der Hand gehalten hat, den es zu gewinnen gibt, bleibt seine Bilanz in der Nationalmannschaft mager. Darüber kann auch der Olympiasieg von 2008 nicht hinwegtäuschen. Bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 war jeweils im Viertelfinale gegen Deutschland Schluss, bei der Copa 2007 reichte es wenigstens zu einem zweiten Platz, bei der Copa 2011 gelang ihm nicht ein einziges Tor.

Auf Batista folgt Alejandro Sabella im Juli 2011 als neuer Trainer der Mannschaft. Er merkte, wie Messi die Vergleiche mit Maradona und seinen eigenen Leistungen in Barcelona belasteten. Maradona sagte: "Mit mir als Trainer war Messi glücklich. Ich habe ihn verstanden wie kein anderer." Batista sagte: "Bei mir fühlt sich Messi so wohl wie beim FC Barcelona." Aber nur unter Sabella blühte "La Pulga" ("Der Floh") richtig auf. In seinen jüngsten neun Spielen gelangen dem 25-Jährigen neun Tore. "Ich hoffe, dass ich Spielraum habe, um noch besser zu werden", sagte der Star selbst.

Doch damit wären die Probleme der Mannschaft längst nicht gelöst "Ohne Frage sind wir offensiv weit besser bestückt als defensiv. Wenn ich dies sage, will ich gar keinem in meiner Mannschaft weh tun, aber es ist nun mal so", sagte der 57 Jahre alte Trainer im "kicker". Zwar stehen in der Abwehr Spieler wie Javier Mascherano (im Foto rechts mit Brasiliens Neymar) vom FC Barcelona oder Pablo Zabaleta von Manchester City, doch die Defensive bleibt die Problemzone. Es gibt mittlerweile echte Nachwuchsprobleme in der Abwehr. Früher war die argentinische Mannschaft für ihre beinharten Verteidiger gefürchtet – heute eifern die Jugendlichen lieber Messi nach.

Was wiederum zur guten Nachricht führt: Gonzalo Higuain, Angel di Maria, Sergio Agüero – an Weltklassespielern mangelt es Trainer Sabella zumindest vorne nicht. Mit Messi in seiner verbesserten Form muss er es nur noch schaffen, aus dem Team eine Einheit zu formen. Das Spiel bleibt wie im Test gegen Deutschland auch für die WM 2014 klar nach vorne orientiert, sagt Sabella: "Es wäre fahrlässig, Spieler solcher Klasse zu haben und das System dann nicht offensiv auszurichten." Dann muss das Turnier in Brasilien für Argentinien nur noch einen glücklicheren Ausgang nehmen als das in Südafrika.

Bloß nicht Messi ansprechen

Einen speziellen Umgang pflegt Sabella mit seinem Superstar Lionel Messi: "Er ist ein Spieler, den man in Ruhe lassen und so wenig wie möglich ansprechen sollte. Wenn er zufrieden und glücklich ist, dann kommt das der ganzen Mannschaft zugute." Unter Sabella hat Messi zuletzt auch im Nationalteam ähnlich stark gespielt wie bei seinem Verein FC Barcelona. Offen ließ Sabella, ob er gegen Deutschland mit zwei oder drei Stürmern spielen lassen wird. Sollte er sich für ein System mit nur zwei Angreifern entscheiden, müsste entweder Gonzalo Higuain von Real Madrid oder Sergio Aguero von Manchester City auf die Bank.

Lionel Messi Play-Icon

Deutschland freut sich auf Messi | 01:41 min | 15.08.2012 | ARD Morgenmagazin | Das Erste

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Deutschland: Zieler (Hannover 96/23 Jahre/1 Länderspiel) - Bender/Bayer Leverkusen (23/9), Hummels (Borussia Dortmund/23/19), Badstuber (FC Bayern München/23/25), Schmelzer (Borussia Dortmund/24/6) - Khedira (Real Madrid/25/32), Kroos (FC Bayern München/22/30) - Müller (FC Bayern München/22/32), Özil (Real Madrid/23/38), Reus (Borussia Dortmund/23/8) - Klose (Lazio Rom/34/121)

Argentinien: Romero (Sampdoria Genua/25/28) - Zabaleta (Manchester City/27/24), Campagnaro (SSC Neapel/32/2), Garay (Benfica Lissabon (25/6), Clemente Rodriguez (Boca Juniors/31/17) - Sosa (Metalist Charkow/27/16), Mascherano (FC Barcelona/28/81), Gago (FC Valencia (26/38), di Maria (Real Madrid/24/29) - Messi (FC Barcelona/25/70), Aguero (Manchester City/24/37)

Schiedsrichter: Eriksson (Schweden)

sid/dpa/red | Stand: 15.08.2012, 09:58