Ein 4:4, das unerklärlich bleibt
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Nationalelf betreibt Ursachenforschung
Ein 4:4, das unerklärlich bleibt
Nach dem 4:4 gegen Schweden betrieben Trainer, Manager und Spieler der deutschen Nationalmannschaft Ursachenforschung. Eine Erklärung fanden sie nicht.
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Noch nie in der 104-jährigen Länderspielgeschichte hat eine deutsche Nationalmannschaft einen Vier-Tore-Vorsprung verspielt. Noch nie ist ein DFB-Team in dieser Weise und Geschwindigkeit vom Himmel in die Hölle gestürzt. Noch lange nach dem 4:4 (3:0) gegen Schweden fragten sich die rund 13 Millionen TV-Zuschauer und die 72.369 Fans im Berliner Olympiastadion ungläubig: Was war denn das?
"Irgendwo im Kopf"
Alle Erklärungen nach den turbulenten 93 Minuten blieben hilflose Versuche. "Plötzlich war eine große Unruhe da bei uns. Da ist vieles schiefgelaufen, wir haben das Spiel nicht mehr in den Griff bekommen", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Franz Beckenbauer sprach am Tag danach ungläubig von einem "Leichtsinnsakt".
Hilflos sah Löw am Spielfeldrand mit an, wie sich der Zauber immer mehr in Erstarrung und am Ende sogar Angst verwandelte. "Wenn das Spiel mal in so eine Phase gerät, ist es schwierig, von außen richtig Einfluss zu haben", meinte Löw, der auf taktische Korrekturen und eine dritte Auswechslung verzichtet hatte. "Wahrscheinlich begann das Problem irgendwo im Kopf", mutmaßte er. Nach dem Anschluss durch Schwedens Topstürmer Zlatan Ibrahimovic (62.) lief das Spiel "irgendwie aus dem Ruder".
Auch die Schweden haben keine Erklärung
Nach der Partie, die viele Fragezeichen hinterlässt, schloss der Trainer eine Langzeit-Belastung auf dem Qualifikationsweg zur WM 2014 nach Brasilien schnell aus. "Ich denke nicht, dass da jetzt was hängenbleibt", bemerkte der 52-Jährige mit Hinweis auf die jüngsten Diskussionen über Teamgeist oder Führungsstärke. Damit wäre sein Personal auch "absolut professionell umgegangen". Natürlich müsse man das "außergewöhnliche Spiel" analysieren, ergänzte Löw.
"Das darf nicht sein. Die Bälle, die die Schweden aufs Tor gebracht haben, waren dann auch drin. Das ist unerklärlich", kommentierte Bastian Schweinsteiger die "historische" Fußballnacht, wie es Schwedens Trainer Erik Hamren ausdrückte: "Ich habe so etwas noch nie erlebt und kann es auch nicht erklären. So etwas passiert nicht jeden Tag."
Stecker nicht mehr reinbekommen
"Wir sind nicht in der Lage gewesen, in irgendeiner Weise den Stecker wieder reinzustecken", bemerkte Manager Oliver Bierhoff. Das nährt die Debatte um Hierarchien und Führungskräfte, auch wenn Bierhoff die Wende nicht an einzelnen Spielern festmachen wollte. "Das ist eine Kettenreaktion, ein psychologischer Aspekt. Jeder macht weniger, man wird oberflächlich, man gewinnt weniger Zweikämpfe, man geht weniger Meter."
"Das sind die Dinge, die ich auch nach der Europameisterschaft gesagt habe, dass wir häufig den Fehler haben, dass wir unsere Gegner dominieren und dann durch Nachlässigkeiten wieder ins Spiel bringen", betonte Bierhoff und führte als Beispiele die EM-Spiele gegen die Niederlande und Griechenland sowie das WM-Qualifikationsspiel kürzlich in Österreich an. "Das fehlt natürlich auch, um ganz nach oben zu kommen!" Der ehemalige Kapitän übernahm - zum wiederholten Male - die Rolle des eindringlichen Mahners: "Wichtig ist, den Finger in die Wunde zu stecken. Man darf nicht zur Tagesordnung übergehen. Man wird das knallhart analysieren."
"Phänomen nicht so überraschend"
Der Heidelberger Sportpsychologe Henning Plessner kann Bierhoffs Ärger nachvollziehen. "Das Phänomen ist nicht so überraschend, Leistung funktioniert oft in Wellen. Das kennen wir auch aus Hobbymannschaften. Da führt man deutlich, ist in Schwung, zufrieden und plötzlich kehrt sich der Prozess ins Gegenteil um und man kann ihn nicht mehr stoppen", sagte er.
dpa | Stand: 17.10.2012, 13:07