Jansen soll Löws Suche beenden

Marcell Jansen

Rückkehr des Linksverteigers nach zweieinhalb Jahren

Jansen soll Löws Suche beenden

Von Christian Hornung

Der zuletzt gesetzte Dortmunder Marcel Schmelzer hat zum WM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan überraschende Konkurrenz bekommen. Joachim Löw nominierte den Hamburger Marcell Jansen nach - das kann durchaus mehr als eine Notlösung sein.

Am Selbstvertrauen des Rückkehrers wird der Plan des Bundestrainer auf der linken Abwehrseite nicht scheitern. Am vergangenen Samstag (23.03.13) teilte Marcell Jansen seinen Facebook-Freunden die Besetzung seiner ganz persönlichen Weltelf mit. Unter anderen haben dort Messi, Ronaldo, Falcao oder Thomas Müller einen Stammplatz, aber auch zwei Hamburger wurden von Marcell Jansen berufen: Im Tor steht René Adler, hinten links verteidigt: Marcell Jansen.

"Und, kann die Truppe was?", fragt er seine Fangemeinde, und einer breiten Mehrheit gefällt das: Weltelf-Trainer Jansen erhält knapp 600 erhobene Daumen. Dass er bei der Nachnominierung zum Rückspiel gegen Kasachstan einen erhobenen Daumen von Joachim Löw bekam, überraschte aber selbst Jansen. Der hatte bei seinem Familienbesuch am Wochenende in Mönchengladbach nicht mal Fußballschuhe dabei und musste deshalb vor der Anreise zur Nationalelf in Nürnberg noch einmal kurz in Hamburg vorbeifahren.

Ob sich der Reisestress lohnt, wird nicht nur die Partie gegen die Kasachen zeigen, in der zunächst wieder der in dieser Saison auch in der Champions League bewährte Schmelzer den Vorzug erhalten wird. Ob das allerdings mittelfristig so bleibt, wird die weitere Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zeigen. Löw gilt nicht gerade als ausgemachter Fan des Dortmunders, wie seine ungewohnt kritischen Worte im vergangenen Oktober ("Viele Alternativen gibt es jetzt aber auch nicht, also müssen wir mit Marcel Schmelzer die nächsten zwei, drei, vier, fünf Monate weiterarbeiten") bewiesen.

Tausendmal probiert

Dafür, dass Löw nicht viele Alternativen sah, hat er aber sowohl vorher als auch nachher eine Menge davon ausprobiert. Den meisten allerdings haftete von Beginn an der Stempel "Notlösung" an, denn sie waren nicht mal echte Linksverteiger: Jerome Boateng wirkte auf dieser Position meist ebenso fehl am Platz wie Benedikt Höwedes oder Heiko Westermann. Immerhin acht Einsätze zwischen 2008 und 2010 hatte Marcel Schäfer, doch der hat inzwischen sogar seinen Stammplatz in Wolfsburg verloren. Der immer mal wiederkehrende Versuch, Philipp Lahm wieder auf die linke Seite zu ziehen und einem neuen Rechtsverteidiger eine Chance zu geben, muss ebenfalls als gescheitert eingestuft werden: Andreas Beck ist ebenso wie Sascha Riether oder Christian Träsch längst durch Löws Raster gefallen, auch auf dieser Seite halfen Boateng und Höwedes schon aus, den bei der EM 2012 durchaus hoffnungsvollen Lars Bender sieht der Bundestrainer eher im Mittelfeld.

Zwei Wechsel für 20 Millionen

Von seinen Anlagen bringt Jansen alles mit, um Löws jahrelange Suche zu beenden. Er ist schnell, schussstark und schlägt von allen Rechts- und Linksverteidigern der Bundesliga die präzisesten Flanken aus dem Lauf heraus. Gerade diese Qualität fehlt der Nationalmannschaft seit Jahren in eklatanter Weise, und wohl auch deshalb schwärmt der Bundestrainer bei der Nachnominierung von den "offensiven Möglichkeiten" des mittlerweile 27-Jährigen, der zuletzt am 3. September 2010 beim DFB mitspielen durfte. Sein enormer Vorwärtsdrang hat schon seit langem seinen Marktwert hochschnellen lassen: Bayern München zahlte vor sechs Jahren über zwölf Millionen Euro für Jansen, der HSV ließ sich seine Dienste ein Jahr später auch noch einmal stolze acht Millionen Euro kosten.

"Konstant überragend"

Marcell Jansen

Der schlimmste Augenblick seiner Laufbahn: Marcell Jansen am Boden, Kroatiens Dario Srna jubelt nach dem Führungstor gegen Deutschland.

In der Rückwärtsbewegung hat der 36malige Nationalspieler allerdings Schwächen, die vor allem an seinem wohl schlimmsten Tag als Fußballer offenkundig wurden: Beim 1:2 gegen Kroatien im Vorrundenspiel der EM 2008 verschuldete er ein Gegentor und wurde zur Halbzeit ausgewechselt. Wenn man seinem Vereinstrainer Thorsten Fink glauben darf, hat sein Schützling aber viel dazugelernt: "Marcell spielt bei uns konstant in überragender Form und hat sich die Nominierung absolut verdient", sagt der Hamburger Coach. Ihn muss Jansen also nicht mehr überzeugen, wohl aber Löw und Teile seiner eigenen Fangemeinde. So flachst ihn Robin W. nach der Lektüre von Jansens Weltelf: "Alles top! Bis auf den Typen, der hinten links spielt..."

Stand: 25.03.2013, 16:57