Zidanes erster Tag in Madrid

Zinedine Zidane und Cristiano Ronaldo im Training

Amtsantritt

Zidanes erster Tag in Madrid

Zinédine Zidane hat bei Real Madrid ein erstes öffentliches Training geleitet. Der ehemalige Weltfußballer bekommt von früheren Weggefährten viel Zuspruch, seine Bilanz und seine Trainer-Erfahrung stehen jedoch in der Kritik.

Kaum hatte Zinédine Zidane den Rasen betreten, waren alle Augen der rund 6000 Real-Fans auf den früheren Weltstar gerichtet. Und auch die Stars um Cristiano Ronaldo und Weltmeister Toni Kroos hörten bei den ersten Anweisungen des 43-jährigen Franzosen am Dienstag ganz genau hin. Der einst beste Fußballer der Welt wurde bei seinem Einstand als neuer Trainer des kriselnden spanischen Rekordmeisters Real Madrid aber auch mit der Wirklichkeit konfrontiert. Bei der nur rund einstündigen Einheit in Valdebebas im Nordosten Madrids gab es kaum Begrüßungsgesänge für den Nachfolger des am Montag gefeuerten Rafa Benítez. Zu groß ist bei den Anhängern der Königlichen noch der Frust nach einer Saison mit bislang vielen Enttäuschungen und Pannen. Allerdings ist das Real-Publikum auch nicht unbedingt für seine Sangeslust bekannt.

"Legende ohne Erfahrung"

Spaniens Rekordmeister - zur Zeit in der Primera División nur Dritter - verlässt sich in schweren Zeiten auf eine "Legende ohne Erfahrung", wie die Zeitung "El País" skeptisch schrieb. Bei Real, wo er den Club unter anderem 2002 mit einem Volley-Traumtor im Glasgower Finale gegen Bayer Leverkusen zum neunten Champions-League-Sieg schoss, war "Zizou" seit 2011 Gehilfe von José Mourinho und Carlo Ancelotti und seit dem Sommer 2014 Trainer des Reserveteams Real Madrid Castilla.

Wie Präsident Florentino Pérez am Montag sagte, hat Zidane auf der "Haben-Seite" die Tatsache, dass er viele der aktuellen Real-Profis aus seiner Zeit als Co-Trainer sehr gut kennt. Mit Kapitän Sergio Ramos hat er sogar noch zusammen gespielt. Der Mann aus Marseille werde zudem von den Profis - anders als der ungeliebte Benítez - respektiert, hoben Medien hervor.

Bilanz eher durchwachsen

Doch was genau hat Zidane bisher als Trainer geleistet? Vorige Saison verpasste er das Ziel des Wiederaufstiegs von Real Castilla in die Zweite Liga mit einem sechsten Platz relativ deutlich, bekam die Mannschaft aber nach einer herben Pleitenserie zum Start zumindest wieder auf Kurs. Derzeit liegt das Team auf Platz zwei. Das norwegische Talent Martin Ødegaard (17), laut einiger Medien "sehr unzufrieden", konnte er aber nicht richtig in die Mannschaft integrieren. Weitere Kritik erntete Zidane auch, als er seinen Sohn Enzo (20) gleich in dessen erster Saison zum Kapitän ernannte.

Ex-Kollegen wünschen Glück

Nach seiner Vertragsunterzeichnung bis 2018 bekam der erste französische Trainer in der Geschichte Reals (und der jüngste seit Jorge Valdano 1994) derweil viel Zuspruch. Ex-Kollege David Beckham schrieb auf Instagram: "Kann es besser werden als das?? Ein Mann, der der beste in einem Spiel war, das wir alle lieben, übernimmt einen Club, den ich und viele andere Leute lieben (...) DER BESTE FÜR DIESEN JOB!" "Zidane und Real Madrid könnten die perfekte Kombination werden!", twitterte Ex-Real-Profi Christoph Metzelder. Und Bayern-Spieler Xabi Alonso - ebenfalls ein Ex-Madrilene, wünschte auf Spanisch "Suerte (Glück), Zizou!"

Der Ex-Profi von Cannes, Bordeaux und Juventus, der nach einem Kopfstoß im WM-Finale gegen Italiens Marco Materazzi seine Karriere 2006 beendete, sagte, er wolle "mit ganzem Herzen" für den Club arbeiten. Aber selbst als Idol und Sympathie-Träger wird er auch mit enormem Druck und Skepsis leben müssen. Zidane selbst hatte erst vor eineinhalb Monaten selbst eine Beförderung zum Real-Chefcoach ausgeschlossen. "Ich bin noch nicht so weit, muss noch viel lernen". Nun muss doch ein Crashkurs reichen.

dpa/red | Stand: 05.01.2016, 13:45

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