Klopp fordert Guardiola im Spitzenspiel

Pep Guardiola (l.) und Jürgen Klopp

Premier League

Klopp fordert Guardiola im Spitzenspiel

Liverpool gegen Manchester City. Zweiter gegen Dritter. Klopp gegen Guardiola. England freut sich auf das Spitzenspiel der Premier League. Trotz nur eines Punkts Unterschied könnte die Stimmung bei den Klubs kaum gegensätzlicher sein.

Jürgen Klopp hatte durchaus Verständnis für Pep Guardiolas Besuch beim letzten Heimspiel des FC Liverpool. "Vielleicht ist er einfach gekommen, um guten Fußball zu sehen", scherzte Klopp auf der Pressekonferenz nach dem 4:1-Sieg gegen Stoke City. Doch der deutsche Fußball-Lehrer wäre bei den englischen Journalisten nicht so beliebt, würde er einer solchen Thematik nicht auch mit Ernsthaftigkeit begegnen. "Ich glaube nicht, dass er in den vergangenen Wochen bei vielen Spielen in fremden Stadion war", so Klopp: "Das ist ein Zeichen, dass es ein besonderes Spiel ist.".

Damit dürfte der 49-Jährige Recht haben. Wenn seine Liverpooler am Samstag (31.12.16) Manchester City empfangen, treffen zwei Titelanwärter der Premier League aufeinander. Aufgrund der phänomenalen Serie des FC Chelsea, die zuletzt zwölf Ligaspiele in Serie gewannen, geht es für beide aber auch darum, den Anschluss an die "Blues" vor Jahresbeginn nicht zu verlieren. Liverpool, aktuell mit 40 Punkten Tabellenzweiter, hat vor dem letzten Spieltag der Hinrunde sechs Zähler Rückstand auf den Tabellenführer aus London. Für City, aktuell Tabellendritter, sind es sogar schon deren sieben.

Gute Stimmung in Liverpool

Überhaupt könnte die Stimmung bei den beiden Klubs kaum gegensätzlicher sein. Denn während City den eigenen Ansprüchen – die mit der Ankunft von Guardiola im Sommer noch einmal eine vollkommen neue Dimension erreicht haben – hinterherhinkt, steht Liverpool nach Weihnachten so gut da, wie seit acht Jahren nicht mehr.

Klopp (l.) mit Schützling Firmino

Klopp (l.) mit Schützling Firmino

Jürgen Klopp hat als Trainer großen Anteil an diesem Erfolg. Nach Problemen in der Liga in seiner Debütsaison im letzten Jahr, zeigt sich in dieser Saison, wie wertvoll es für den ehemaligen BVB-Trainer war, eine komplette Vorbereitung mit seiner Mannschaft absolviert zu haben. Erst zwei Saisonniederlagen haben die "Reds" bislang kassiert, beide sehr überraschend – gegen Burnley und Bournemouth.

Die Duelle mit den „Großen“ konnte Klopp bislang fast alle gewinnen. Sieg gegen Arsenal, Sieg bei Chelsea, Sieg gegen Tottenham, Unentschieden gegen Manchester United. Jetzt also steht das Duell mit Manchester City an – und Liverpool geht als Favorit in das Spiel. Auch weil man an der heimischen Anfield Road antritt. Seit saisonübergreifend 23 Spielen ist Liverpool dort unbesiegt. "Anfield ist eine Festung", behauptet Liverpools Mittelfeldspieler Georginio Wijnaldum. Der Niederländer schickt auch gleich eine Warnung an den Gegner: "So, wie wir spielen, so, wie wir in Heimspielen Tore schießen, macht das jedem Gegner Angst."

Probleme bei Manchester City

Angst ist ein Wort, dass in Pep Guardiolas Wortschatz wohl keinen Platz findet. Respekt träfe es da schon eher. Dass der Spanier jedem Gegner vor einer Partie seinen "allergrößten Respekt" ausspricht, ist aus seiner Bundesliga-Zeit bekannt. Auf Liverpool wird das definitiv zutreffen. Denn die Spielweise der "Reds" könnte Manchester City vor große Probleme stellen.

Vor allem die überfallartigen Angriffe, die Liverpool in dieser Saison mehr denn je auszeichnen, hatten vor wenigen Wochen zu einer empfindlichen Heimniederlage der "Citizens" gegen den FC Chelsea geführt. Jene Pleite vom 3. Dezember hängt Guardiola noch heute nach. Denn weil sich sein Team von diesem 1:3 nicht so schnell erholen konnte, wie erhofft, setzt es nur eine Woche später eine peinliche 2:4-Niederlage bei Meister Leicester City.

Immerhin: Danach haben die "Skyblues" wieder in die Spur gefunden. Zuletzt gab es drei Siege in Serie – und doch wird man den Eindruck nicht los, als wäre Guardiola auf dem besten Weg, schon früh an der Aufgabe Manchester City zu scheitern.

Guardiola fordert Geduld

Warum? Zunächst mal ist – und das unterscheidet Guardiola im Wesentlichen von Trainer-Kollege Klopp – die englische Presse nicht gut auf den Spanier zu sprechen. Erst kürzlich, nach der Pleite gegen Leicester, wurde Guardiola auf seine Spielweise angesprochen – und ob er angesichts seines "Kamikazefußballs" nicht etwas ändern müsse. Guardiola reagierte genervt und klärte die anwesenden Journalisten im Stile eines Lehrers darüber auf, dass er seine "Spielweise unter keinen Umständen verändern" werde.

In versöhnlicheren Tönen forderte er dann Geduld: "Gebt mir Zeit. Mein Idol Sir Alex Ferguson hat sieben Jahre gebraucht, um die Premier Legue zu gewinnen." Da hat er Recht, allerdings waren die Voraussetzungen bei Fergusons Amtsantritt 1986 ganz andere. Während Ferguson ein Team aus der Abstiegszone übernahm, bekam Guardiola im Sommer eine mit Scheich-Millionen zusammengekaufte Star-Truppe vor die Nase gestellt – und ging selbst noch einmal für rund 200 Millionen Euro auf Shoppingtour.

Ein Katalane auf Reformmission

Entsprechend hoch sind die Erwartungen – bei Verantwortlichen und Fans gleichermaßen. Selbstverständlich sind die Erwartungen Guardiolas an sich selbst keineswegs kleiner, doch das erste halbe Jahr auf der Insel zeigt deutlich: Im Vorbeigehen die Meisterschaft gewinnen, so wie in den letzten drei Jahren mit dem FC Bayern München, das ist in England nicht möglich.

Pep Guardiola (M.) sucht noch nach seiner perfekten Formation

Pep Guardiola (M.) sucht noch nach seiner perfekten Formation

Der Guardian nennt Guardiola den "unenglischsten Trainer aller Zeiten". Der Katalane steht mit seinem Ballbesitz-orientierten Fußball allem entgegen, woran die Briten glauben. Auch wenn "Kick and Rush" meist nur noch in den Tiefen der unteren britischen Ligen auf dem Taktikzettel steht: Es wirkt so, als sei der Fußball auf der Insel noch nicht bereit, für den Stil des, auf seiner Reformmission befindlichen, Pep Guardiola.

Klopp: "Würde mir ein Ticket kaufen"

Sein Konkurrent am kommenden Samstag, Jürgen Klopp, gibt sich seit seiner Ankunft in England deutlich anpassungsfähiger. Das liegt sicherlich auch daran, dass Klopps Idee vom Fußball eine ganz andere ist. Schon Klopps Ex-Team Borussia Dortmund fühlte sich am wohlsten, wenn sie dem Gegner den Ball überlassen konnten.

Gegen Manchester City dürfte das für den FC Liverpool der Fall sein. Gut möglich also, dass die "Reds" ihrer Favoritenrolle gerecht werden und dem FC Chelsea auf den Fersen bleiben. Dass das Spitzenspiel des 19. Spieltags auch das hält, was es verspricht, daran hat einer jedenfalls keinen Zweifel. "Wenn ich nicht auf der Bank sitzen würde, würde ich in jedem Fall ein Ticket für das Spiel kaufen", freut sich Klopp auf die Begegnung.

Stand: 30.12.2016, 08:30

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