Barcelonas letzte Chance beim Clasico

Neymar (r.) ist enttäuscht

Ausgerechnet Barças Offensive!

Barcelonas letzte Chance beim Clasico

Von Jo Herold

Der FC Barcelona steckt in einer Krise, deren Wesen und Tragweite man in Katalonien nicht kennt: Die magische Offensive um Messi, Neymar und Suarez scheint zu schwächeln. Für den immens wichtigen Clasico gegen Real Madrid denkbar schlechte Voraussetzungen.

Die Stimmen in Spanien nach der Pleite des FC Barcelona in der Champions League sprachen eine eindeutige Sprache: "Das ist ein sehr harter Schlag", sagte Barca-Abwehrchef Gerard Piqué zum Viertelfinal-Aus, die Zeitung "Marca" hatte beim Rückspiel gegen Juve ein "Begräbnis" gesehen und schrieb vom "Ende einer Goldenen Ära". In 180 Minuten hatten Lionel Messi, Neymar und Luis Suarez kein einziges Mal getroffen. Nach dem Achtelfinal-Feuerwerk (6:1) zuhause gegen Paris St. Germain, wo "MNS" zusammen vier Treffer erzielten, eine herbe Ernüchterung.

Die große Aufregung um Barças Angriff rührt wahrscheinlich daher, dass der bevorstehende Clasico am Sonntag (23.04.17) als letzte Chance angesehen wird, dass die Katalanen Meister in Spanien werden können. Real Madrid führt mit drei Punkten (75) die Tabelle an, Barça auf Platz zwei hat drei Zähler weniger, aber schon ein Spiel mehr absolviert. Mit einem Sieg bei Real zöge Barcelona dennoch an den "Königlichen" vorbei und wäre neuer Spitzenreiter. Der Tordifferenz wegen.

Katalanen rufen den CAS an

In dem Evergreen wird Barcelona allerdings nicht auf den Brasilianer Neymar zurückgreifen können, der für drei Spiele gesperrt wurde, nachdem er am 8. April bei der 0:2-Niederlage beim FC Malaga mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war und auf dem Weg in die Kabine dem vierten Offiziellen höhnisch applaudiert hatte. Gegen die Verbandsentscheidung ziehen die Katalanen nun sogar vor den internationalen Sportgerichtshof CAS. Neymar würde damit weiterhin auch im Clasico fehlen, teilte der Verein am Freitag mit. Der 25-Jährige verpasste bereits die Partie gegen Real Sociedad San Sebastian am vergangenen Samstag (3:2).

Damit fehlt aber nur einer der Torproduzenten: Messi (28 Tore), Suarez (24) und Co. haben in dieser Saison bereits 91 Mal in La Liga getroffen - zwölf Mal mehr als Real. Dass die 100er-Marke in dieser Spielzeit fällt, daran besteht in Spanien kein Zweifel. In allen Pflichtspielen haben "MNS" allein 82 Tore erzielt. Warum soll es also ein Angriffsproblem geben?

Wille? Ja! - Klasse? Nein!

Den Torreigen im CL-Achtelfinale führen die Experten auf den großen Willen zurück, die Schmach des 0:3 im Hinspiel in Frankreich wiedergutzumachen - nicht jedoch auf die große spielerische Leistung, die es eben gegen Paris nicht gab. Genau das wird dem Coach des FC Barcelona angelastet, Luis Enrique.

Er soll die Identität des FC Barcelona verraten haben - weil er sich vom berühmten "Tiki-Taka" abgewandt hat. Das Verhältnis zur Mannschaft gilt beschädigt, besonders Messi soll mit Enrique seine Schwierigkeiten haben. Der Trainer wird die Katalanen nach dieser Saison verlassen.

Alle Erfolge scheinen Enrique nicht zu helfen

Der Coach sagte zwar: "Nach einer solchen Niederlage wieder aufzustehen wird sehr schwer." Allerdings glaubt er auch: "Es gibt eigentlich keinen besseren Ort, wo wir jetzt spielen könnten als das Bernabeu. Es wird schwer, die Spieler aufzubauen, aber einfach, sie für dieses Spiel zu motivieren."

Skeptischer Blick: Luis Enrique

Skeptischer Blick: Luis Enrique

Doch nach seinem Einstands Triumph 2015, als der FC Barcelona mit ihm als Trainer die Champions League gewann, scheiterten die Katalanen nacheinander zweimal im Viertelfinale der Königsklasse. Dass Enrique 2015 das Triple holte, 2016 Meister, Pokalsieger, Klub-Weltmeister und Supercup-Sieger wurde, scheint fast schon wieder vergessen zu sein.  

Reals Defensive ist nicht unverwundbar

Jetzt muss also der Sieg im Clasico her. Im Estadio Santiago Bernabéu, wo Real in seiner derzeitigen Verfassung - besonders wegen des überragenden Cristiano Ronaldo - unbezwingbar erscheint. In 16 Heimspielen gab es bei zwölf Siegen und vier Unentschieden keine Niederlage. Das "MNS" dennoch dort treffen, ist absolut nicht unwahrscheinlich - Real hat in der aktuellen Saison bereits 33 Gegentore zugelassen.

Womöglich rührt Barcas Angriffsschwäche also nur aus der Tatsache her, dass die Verteidigung von Juventus Turin in zwei Champions League-Partien hervorragende Arbeit geleistet hat. Und daraus, dass man als spanische Mannschaft womöglich einfach nicht im Viertelfinale der Champions League ausscheidet.

red | Stand: 21.04.2017, 09:16

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