Der Kaufrausch in Chinas Super League

Oscar in Chinas Super League

Saisonstart der nationalen Liga

Der Kaufrausch in Chinas Super League

Die Shoppingtour der finanzkräftigen chinesischen Fußball-Klubs ist beendet. An diesem Wochenende legt die Chinese Super League los und hofft auf mehr Spannung in der Meisterschaft als in den Jahren zuvor.

Jörg Schmadtke, dem Manager des 1. FC Köln, wurde es irgendwann zu bunt. Immer wieder hatten es die Klub-Verantwortlichen von Tianjin Quanjian versucht, Anthony Modeste noch in dieser Winter-Transferperiode zu einem Wechsel in die chinesische Super League zu überreden. Die Funktionäre riefen Summen auf, bei denen der Kölner Stürmer schwer ins Grübeln gekommen sein dürfte. 50 Millionen Euro wollten sie für den Torjäger bezahlen, verbunden mit einem üppigen Jahressalär im zweistelligen Millionen-Bereich. Schmadtke fand die Grenzen überschritten. "Wenn das vier, fünf oder sechs Mal mit dem großen Geld gewedelt wird, heißt das noch lange nicht, dass wir uns als 1. FC Köln in den Staub schmeißen", sagte Schmadtke und kontaktierte auch Tianjins Trainer, den Italiener Fabio Cannavaro: "Ich habe ihn mit Nachdruck gebeten, dass er mir die Leute vom Hals halten soll."

Auch Sandro Wagner sagte ab

Nicht nur bei Modeste auch bei Sandro Wagner probierte es der umstriebige Aufsteiger aus der Hafenstadt im Osten der Volksrepublik. Doch auch der Hoffenheimer Stürmer lehnte ab, wenn auch nach reiflicher Bedenkzeit. "Das hat mich schon ein paar Tage sehr intensiv beschäftigt. Da bin ich ehrlich. Da geht es um sehr, sehr viel Geld", sagte Wagner. Mehr Erfolg hatte Tianjin beim belgischen Nationalspieler Axel Witsel, der ein Angebot von Juventus Turin ausschlug und nun für 20 Millionen Euro von Zenit St. Petersburg nach Tianjin wechselt.

Tianjin Quanjian ist dabei nur ein Beispiel für den Transfer-Wahnsinn in der höchsten chinesischen Fußball-Liga. 388 Millionen Euro investierten die Vereine in den Wintermonaten in ihre Neuzugänge - keine Liga im Weltfußball gab mehr Geld aus. Zum Vergleich: In der englischen Premier League wurden 259 Millionen für neue Spieler bezahlt.

Aufsteiger eröffnet Saison

Weitere Rekordmarke: Als teuerster Wintertransfer überhaupt geht der Wechsel des Brasilianers Oscar in die Fußball-Geschichte ein. 60 Millionen Euro ließ sich der Vorjahres-Dritte Shanghai SIPG die Dienste des offensiven Mittelfeldspielers kosten, der beim FC Chelsea zuletzt nur eine Reservistenrolle inne hatte. Und auch der Argenitinier Carlos Tevez erlag dem Werben der finanzkräftigen Chinesen. Der 33-jährige Stürmer schloss sich Shanghai Greenland Shenhua an und streicht angeblich 104.000 Euro ein - pro Tag.

Guangzhou feiert die Meisterschaft im vergangenen November

Guangzhou feiert die Meisterschaft im vergangenen November

Von diesem Freitag (3. 3. 2017) an sind die neuen Top-Stars nun erstmals zu sehen. Die Liga startet in ihre neue Saison, die 14. seit ihrem Bestehen. Guizhou Zhicheng, der zweite Aufsteiger, empfängt den Vorjahres-Elften Liaoning Whowin zum Saisoneröffnungsspiel. Vorjahresmeister Guanghzou Evergrande greift am Sonntag ins Geschehen ein, mit einem Heimspiel gegen Beijung Guoan, dem Tabellenfünften der vergangenen Saison. Die letzten sechs Meistertitel gingen allesamt an das Team aus der 12-Millionen-Einwohner-Stadt im Süden der Volksrepublik, das vom brasilianischen Trainer Felipe Scolari gecoacht wird. Guangzhou Evergrande gilt auch in der neuen Serie als Favorit auf die Meisterschaft.

Magath hält sich zurück

Nicht alle der 16 Klubs machen bei der Transfer-Preistreiberei mit. So holte Shandong Luneng, der Klub von Felix Magath, dem einzigen deutschen Trainer in der Super League, lediglich zwei chinesische Spieler neu hinzu. Magath kündigte sogar an, verstärkt auf heimische Talente zu setzen. Es passt ins Konzept der verschärften Ausländerregelung für die Liga, die von dieser Saison an gilt. Fortan dürfen nur noch drei Ausländer statt bislang vier pro Mannschaft auf dem Feld stehen sowie nur insgesamt vier (plus ein Asiate) im gesamten Kader. Schließlich soll auch die Liga den eigenen Nachwuchs nicht außen vor lassen und die Ausbildung der Talente fördern. Eigene Nachwuchsakademien werden von den Klubs verlangt. Ohnehin sieht der Plan der chinesischen Regierung ein gewaltiges Fußball-Programm vor, das die Stellung des Milliarden-Volks im Weltfußball erheblich aufwerten soll.

Staatspräsident Xi Jinping, ein großer Fußballfan, will 10.000 neue Stadien bauen lassen, dazu 50.000 Fußballschulen und 100.000 neue Plätze. Der 50-Punkte-Plan soll laut einem Report des kicker-Sportmagazins bei vierjährigen Mini-Kickern beginnen und im WM-Triumph 2050 enden. Schon 2030 will China die Fußball-WM ausrichten. Ob auf dem Weg dahin der Kölner Anthony Modeste nicht doch mitwirkt? Kurz nach seinem jüngsten Bekenntnis zum FC teilte der Franzose mit: "Herr Schmadtke hat gesagt, dass wir im Sommer wieder reden." Die Reise des Fußballers ins Reich der Mitte scheint also nur vertagt.

mick | Stand: 02.03.2017, 14:50

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