Barças heikles Spiel mit Kataloniens Unabhängigkeit

Folgen des Referendums

Barças heikles Spiel mit Kataloniens Unabhängigkeit

Von Michael Ostermann

Der FC Barcelona gilt von jeher als ein Symbol für die eigenständige Identität Kataloniens. Jetzt, wo der Konflikt um eine Loslösung der Region von Spanien eskaliert, stellt sich auch die Frage nach der sportlichen Zukunft des Klubs.

Sport und Politik sollten strikt getrennt werden. Dieses Postulat gehört bei Sportfunktionären zum festen Repertoire an Standardsätzen. Dass das großer Unsinn ist, lässt sich gerade wieder beobachten. In Spanien ist der Konflikt um eine mögliche Loslösung Kataloniens am vergangenen Wochenende eskaliert. Die spanische Polizei ging brutal gegen die Durchführung eines Referendums zur katalanischen Unabhänigkeit vor. Es gab mehr als 800 Verletzte. Der Konflikt hat längst auch den Sport erreicht. Im Zentrum steht dabei der FC Barcelona, das größte Aushängeschild Kataloniens.

"Unbewaffnetes Heer Kataloniens"

Der Klub, der sein Heimspiel gegen UD Las Palmas am Sonntag (1.10.2017), dem Tag des Referendums, aus Sicherheitsgründen vor leeren Rängen abhielt, kann sich angesichts der angespannten Lage gar nicht der Politik entziehen. Und will das auch nicht. Im Mai erklärte der FC Barcelona den Beitritt zu einem "Nationalen Pakt für das Referendum" und verurteilte im September die Festnahme hoher Beamter der Regionalregierung, die das Referendum weiter vorbereitet hatten, obwohl das spanische Verfassungsgericht dessen Durchführung zuvor verboten hatte.

Der FC Barcelona gilt von jeher als Symbol der katalanischen Eigenständigkeit. Als "das unbewaffnete Heer Kataloniens" hat der Schriftsteller Manuel Vazques Montalban den Klub einst bezeichnet. Bei jedem Heimspiel skandieren die Fans nach 17 Minuten und 14 Sekunden "independencia". Der Zeitpunkt bezieht sich auf das Jahr 1714, als die katalanischen Truppen die entscheidende Schlacht im spanischen Erbfolgekrieg gegen die Bourbonen verloren. Diese Niederlage gilt katalanischen Nationalisten als der Tag, an dem die staatliche Unabhängigkeit Kataloniens verloren ging.

Hort der katalanischen Identität

Schon seit seiner Gründung ist der FC Barcelona eng mit dem katalanischen Nationalismus verbunden. Der Klubgründer Hans Gamper, ein Schweizer, betonte die katalanische Identität seines Vereins. In einer Prinzipiendeklaration von 1920 heißt es: "Wir gehören zum FC Barcelona, weil wir Katalanen sind. Wir treiben Sport, um der Heimat zu dienen." Vor allem in den Jahren der Franco-Diktatur, als katalanische Bücher, Musik und Symbole verboten waren, war der Klub ein wichtiger Hort der katalanischen Identität. Es galt als Akt der Rebellion, im Stadion katalanisch zu sprechen. Auch der Verein selbst wurde schikaniert und errang dennoch seine Titel, was die Symbolkraft des Klubs weiter nährte.

Erst in den Jahren des demokratischen Aufbruchs nach dem Tod Francos entpolitisierte sich der Verein. Zumal Katalonien als autonome Region Spaniens zahlreiche Rechte erhielt. Doch schon unter der Ägide des Vereins-Präsidenten Joan Laporta, in dessen Ära von 2003 bis 2010 der Klub seine erfolgreichste Zeit erlebte und der ein offener Befürworter der Unabhängigkeitsbestrebungen ist, rückte das Katalanische wieder ins Zentrum des Klubbewusstseins.

In welcher Liga?

Das aktuelle Präsidium unter Josep Maria Bartomeu argumentiert beim FC Barcelona offiziell, dass man sich bei der Frage, ob Katalonien unabhängig sein sollte, neutral verhalte, aber die "freie Meinungsäußerung" unterstütze. Genau deshalb hat man stets auch das Recht der Fans verteidigt, die "Estelada", die rot-gelb gestreifte und mit einem weißen Stern auf blauem Dreieck versehene, katalanische Flagge zu schwenken. Auch dann, als der europäische Fußballverband UEFA deswegen Strafen wegen der "Verbreitung sportfremder Botschaften" gegen den Klub verhängte.

Der UEFA käme auch eine Schlüsselrolle zu, wenn sich Katalonien tatsächlich von Spanien loslösen sollte. Denn dann stünde auch die Frage nach der sportlichen Zunkunft des FC Barcelona im Raum. Javier Tebas, Chef der spanischen Fußballliga, hat bereits erklärt, dass in diesem Fall alle katalanischen Klubs aus der spanischen Liga ausgeschlossen würden. Eine katalanische Liga, in der dann neben Barça und den beiden Erstligisten Espanyol Barcelona und FC Girona vor allem Provinzklubs wie die Zweitligisten Gimnastic Tarragona und FC Reus mitspielen würden, dürfte für internationale Topstars wie Lionel Messi nur mäßig attraktiv sein.

Nicht mehr in der Champions League?

Zumal auch die Teilnahme an der Champions League dann vorerst nicht mehr möglich wäre. Denn dafür müsste die UEFA einen katalanischen Fußballverband anerkennen, und das würde bei einer Loslösung Kataloniens gegen den Willen der spanischen Zentralregierung sicher nicht sofort geschehen. Auch die Idee, der FC Barcelona könne sich dann ja der französischen Ligue 1 anschließen, erscheint kaum realisierbar. Ein solches Gastrecht akzeptieren der Weltverband FIFA und die UEFA nur in historisch gewachsenen Konstellationen wie bei den walisischen Vereinen in der englischen Premier League, Monaco in Frankreich und Liechtenstein in der Schweiz.

Die Frage ist allerdings, ob der Fußball den Abgang des global attraktiven Klubs von der großen Bühne einfach so hinnehmen könnte und wollte. Selbst in Spanien erscheint eine Liga ohne "clasico", also dem Duell zwischen Real Madrid und Barça, undenkbar. "Ich kann mir eine spanische Liga ohne Barcelona nicht vorstellen", sagt Reals Trainer Zinédine Zidane. So bleibt der FC Barcelona eng verwoben in den Konflikt. Sowohl als Symbol für die Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens, als auch als ein Beispiel für die Probleme, die ein solcher Schritt mit sich bringen würde.

Stand: 04.10.2017, 13:15

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