Salzburg ohne Israeli in Dubai - Kritik perlt ab

Munas Dabbur

Einreise verweigert

Salzburg ohne Israeli in Dubai - Kritik perlt ab

Von Marcus Bark

Der österreichische Klub RB Salzburg ist ohne seinen israelischen Nationalspieler Munas Dabbur, dem die Einreise bislang verweigert wurde, ins Trainingslager nach Dubai geflogen. Es gibt Kritik - wie so oft. Sie perlt ab - wie so oft.

Am 11. Februar geht es für RB Salzburg in der österreichischen Liga weiter. Zwei Punkte müssen auf den SCR Altach aufgeholt werden, um Tabellenführer zu werden. Die vierte Meisterschaft hintereinander, die elfte insgesamt seit 1994 ist das Ziel des Klubs, der von einem bekannten, auch in der deutschen Bundesliga bestens bekannten Getränkehersteller unterstützt wird.

Die Leipziger hatten in der Winterpause im portugiesischen Lagos trainiert, die Salzburger Filiale flog am Sonntag (22.01.17) in die Vereinigten Arabischen Emirate. "Die Roten Bullen sind gut gelaunt, gesund und munter mit 'Sack und Pack' in Dubai angekommen", schrieb der Klub nach der Landung auf seiner Internetseite.

Fristgerechter Antrag

In der Meldung zuvor war den Usern mitgeteilt worden, dass ein Spieler fehlen wird. Nicht dass er verletzt sei oder Vater werde oder einen sonstigen wichtigen privaten Termin habe. Munas Dabbur, 24 Jahre alt, in dieser Saison mit zwei Toren in 15 Ligaspielen, ist Israeli. "Fristgerecht", so RB, sei das Visum beantragt worden. Es habe aber bis zum Abflug weder eine Antwort noch eine Einreiseerlaubnis gegeben.

Dabbur reiste daher mit dem Farmteam FC Liefering aus der zweithöchsten österreichischen Liga ins Trainingslager nach Andalusien. "Wir warten weiterhin auf die Rückmeldung zu unserem Antrag. Bei einer nachträglichen positiven Erledigung des Visumantrags wird er dann der Mannschaft nach Dubai folgen", wird Christoph Freund in der Meldung zitiert, der Sportliche Leiter der Salzburger.

"Keine News"

Am Dienstag (24.01.17) fragte sportschau.de nach. "Keine News", sagte RB-Sprecher Christian Kircher. Der Verein habe "keinen Tag definiert", bis zu dem es sich lohne, Dabbur nachreisen zu lassen. Die Salzburger bleiben bis zum 31. Januar in Dubai.

Bayern "aus Aberglauben" nach Katar

Immer, wenn europäische Fußballklubs ihr Trainingsquartier am Persischen Golf beziehen, gibt es auch Kritik daran. Die Bedingungen für Arbeiter, die Einhaltung der Menschenrechte, der Umgang mit Homosexuellen – der Vorwurf lautet, dass die Europäer wichtige Werte zeitweise ausblenden, um bei angenehmen Temperaturen auf feinsten Rasenplätzen zu üben. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge begründete es vor einigen Wochen gar mit "Aberglauben", wieder nach Katar gereist zu sein. Sein Verein habe anschließend meistens erfolgreiche Rückrunden gespielt.

Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Abu Dhabi

Eintracht Frankfurt trainierte im Januar 2017 in Abu Dhabi, Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Zunächst gab es Probleme mit dem Visum für den israelischen Nationalspieler Taleb Tawatha. Der Klub drohte, nicht nach Abu Dhabi zu kommen. Tawatha, auch Staatsbürger Sudans und muslimischen Glaubens, wurde schließlich die Einreise genehmigt.

"Wir kennen Dubai, wir kennen Katar. Der Service, die Wettersicherheit und die sportliche Komponente haben uns bewogen, in die Emirate zu fliegen", sagte Kircher zur Salzburger Entscheidung.

"Das Trainingslager hätte abgesagt gehört"

Kritik aus der Heimat perlt ab. Paul Haber ist Präsident des SC Hakoah Wien. Der jüdische Sportverein war äußerst erfolgreich, bis er von den Nazis zerschlagen und viele Mitglieder ermordet wurden. "Das Trainingslager hätte abgesagt gehört. Die ganze Mannschaft hätte nach Spanien fliegen sollen", nachdem Dabbur nicht rechtzeitig ein Visum erteilt worden sei, sagte Haber der österreichischen Zeitung Standard. Es sei auch "keine extreme Überraschung, dass ein israelischer Sportler nicht in ein arabisches Land einreisen darf". Salzburgs Sprecher Christian Kircher entgegnet: "Der Herr ist uns nicht bekannt. Wir haben das zur Kenntnis genommen."

Boykottforderungen ins Leere

Paul Haber, dessen Vater Karl Hakoah Wien nach dem Zweiten Weltkrieg wiedergründete, fordert im Standard, dass "Länder, die Sportlern die Einreise verweigern, vom internationalen Sport boykottiert werden". So etwas war schon häufiger zu hören.

Etwa im Jahr 2014, als Vitesse Arnheim in die Emirate flog, obwohl ihrem israelischen Spieler Dan Mori die Einreise verweigert worden war. Der Vereinigung der professionellen Tennisspielerinnen drohte Dubai 2009 mit dem Entzug des Turniers, weil die Israelin Shahar Peer nicht teilnehmen durfte. Sowohl die Frauen wie die Männer werden im Jahr 2017 wieder in Dubai wie auch in Doha Tennis spielen. Zahlreiche sportliche Großereignisse haben seitdem oder werden noch am Persischen Golf ausgetragen, allen voran die Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar, an der auch Israel gerne teilnehmen würde.

Stand: 24.01.2017, 13:00

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