Liverpool gegen United - die große Rivalität

Liverpool gegen United - die große Rivalität

Der eine Klub ist Rekordmeister - der andere war es. Und das ist nur ein Aspekt in der großen Rivalität zwischen Liverpool und Manchester United, die am Sonntag in der Premier League aufeinandertreffen.

Aufgebrachte Gemüter beim Duell zwischen Manchester United und dem FC Liverpool 2010

Eigentlich haben Manchester United und der FC Liverpool wichtigere Feinde. United muss sich mit dem von Alex Ferguson als "lauten Nachbarn" verhöhnten Manchester City herumplagen, früher war Leeds United ein weiterer großer Rivale. Und Liverpool hat Everton vor der Haustür. Doch die Rivalität zwischen Liverpool und Manchester United hat neben der räumlichen Nähe - zwischen beiden Stadien liegen nur rund 50 Kilometer - viele Geschichten zu bieten und macht sie zu einer der leidenschaftlichsten Feindschaften in England.

Eigentlich haben Manchester United und der FC Liverpool wichtigere Feinde. United muss sich mit dem von Alex Ferguson als "lauten Nachbarn" verhöhnten Manchester City herumplagen, früher war Leeds United ein weiterer großer Rivale. Und Liverpool hat Everton vor der Haustür. Doch die Rivalität zwischen Liverpool und Manchester United hat neben der räumlichen Nähe - zwischen beiden Stadien liegen nur rund 50 Kilometer - viele Geschichten zu bieten und macht sie zu einer der leidenschaftlichsten Feindschaften in England.

Beide Teams spielen seit vielen Jahren in der Spitze des englischen und des internationalen Fußballs. Liverpool war lange das Maß der Dinge in England, 18 Meistertitel gewann der Klub in der First Division, die 1992 durch die Premier League als höchste Spielklasse abgelöst wurde. Seinen bislang letzten Meistertitel feierte Liverpool allerdings 1990 (Foto), als der Titelzähler von Manchester United noch bei sieben stand.

Alex Ferguson, der Manchester 1986 übernommen hatte, verkürzte den Rückstand bis 2002 auf vier Titel und sagte damals, es sei seine größte Herausforderung, Liverpool von seinem Thron zu stoßen. Etwas vitaler klingt das Zitat im englischen Original: "My greatest challenge was knocking Liverpool right off their fucking perch." 2011 war es mit Manchesters Titel Nummer 19 soweit.

Die Abneigung ist groß. Gary Neville, früher Kapitän von Manchester United, sagte einst: "Ich kann Liverpool nicht leiden, ich kann Leute aus Liverpool nicht leiden, ich kann überhaupt nichts leiden, was mit Liverpool zu tun hat." Als Neville (im Foto gegen Liverpools Rodriguez) sich bei anderer Gelegenheit erneut herablassend über Liverpool geäußert hatte, soll sein Vater das Mikrofon des Fragenstellers ausgeschaltet haben. Neville Antwort: "Aber versteh doch, Papa, ich hasse sie wirklich."

Eine Verbindung zwischen beiden Klubs hätten zwei der größten Katastrophen des europäischen Fußballs sein können. Manchester United verlor am 6. Februar 1958 einen Großteil seiner legendären "Busby Babes" bei einem Flugzeugunglück in München. Liverpool musste 1989 um fast hundert Fans trauern, die bei der Katastrophe in Hillsborough/Sheffield starben, im Bild sind die beiden Gedenkstätten an den Stadien zu sehen. Doch bis heute gibt es gegenseitig hämische Gesänge über beide Ereignisse.

Immerhin war Gewalt durch beide Fangruppen eher selten ein größeres Thema. Ein bekannter Zwischenfall ereignete sich beim Endspiel um den FA-Cup 1996, das Manchester für sich entschied. Uniteds Kapitän Eric Cantona wurde auf den Stufen der Tribüne vor dem Empfang der Trophäe von einem Liverpool-Fan bespuckt, Trainer Ferguson musste einem Schlag ausweichen - die Feierlichkeiten störte das nicht (Foto).

Unschöne Szenen gab es auch auf dem Platz: Liverpools damaliger Stürmer Luis Suárez beschimpfte Manchesters Verteidiger Patrice Evra während eines Spiels (Foto) rassistisch, der Verband sperrte ihn für acht Spiele. Kurz nach Ablauf der Sperre stand das Rückspiel an, Suárez verweigerte vor dem Anpfiff den Handschlag mit Evra, was für einen zweiten Skandal sorgte. United-Trainer Ferguson nannte Suárez "eine Schande für Liverpool". Suárez entschuldigte sich halbherzig, in einem Buch bestritt er später erneut die Vorwürfe.

Es geht aber auch heiter: Manchester United gewann 1999 das Triple aus Champions League, Meisterschaft und FA-Cup - besser geht es für einen englischen Klub kaum. Als Liverpool 2001 den Gewinn von UEFA-Cup, Ligapokal und FA-Cup ebenfalls als "Triple" etikettierte, war in Manchester nur spöttisch vom Liverpooler "Micky-Maus-Triple" die Rede, da die beiden wichtigsten Trophäen fehlten.

Sportlich hat Manchester die Argumente auf seiner Seite, da der Klub in der Neuzeit deutlich erfolgreicher war. Die Scherze sind erwartbar: Ryan Giggs hat zwölf Meistertitel, schrieben Uniteds Fans in einem Spiel auf ein Transparent - zwölf mehr als Steven Gerrard, der bei Liverpools bislang letzter Meisterschaft zehn Jahre alt war.

Andreas Möller wechselte von Dortmund zu Schalke, Patrick Helmes von Köln nach Leverkusen und Jens Jeremies von 1860 zum FC Bayern. Zwar haben Spieler wie beispielsweise Michael Owen sowohl für Liverpool als auch für Manchester United gespielt - einen direkten Wechsel zwischen beiden Klubs gab es jedoch zuletzt 1964, der mutige Mann hieß Phil Chisnall (Foto).

Das sind nur einige von vielen Geschichten - die beiden Rivalen treffen am Sonntag (17.01.2016/15:05 Uhr, Spielbericht in der Sportschau ab 18 Uhr) zum 194. Mal aufeinander, um neue zu schreiben. Von den 193 bisherigen Spielen gewann Manchester wettbewerbsübergreifend 78, Liverpool 64, 51 endeten unentschieden. Vor allem in Pokalspielen blieb United meist überlegen so in den Endspielen des FA-Cups 1977 (2:1) und 1996 (1:0). United liegt also klar vorne und hat auch das Hinspiel mit 3:1 gewonnen - im Foto feiert Anthony Martial.

Für Jürgen Klopp ist es das erste Spiel mit Liverpool gegen Man United. Vor dem Spiel lobte er - warum auch immer - Uniteds Ex-Trainer Ferguson, indem er ihn als den "John Lennon des Fußballs" bezeichnete. Das dürfte Uniteds aktuellem und dauerhaft kritisierten Trainer Louis van Gaal nicht so gefallen haben und Ferguson selbst vielleicht auch nicht. Schließlich lässt sich John Lennon als einer der Beatles vor allem mit einer Stadt verbinden: Liverpool.

Stand: 16.01.2016, 16:40 Uhr

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