Marcus Rashford lässt Manchester United träumen

Uniteds Marcus Rashford

Premier League

Marcus Rashford lässt Manchester United träumen

Von Marco Schyns

Ein 18-jähriger Spieler aus der eigenen Jugend lässt Manchester United für den Moment die bislang verkorkste Saison vergessen. Seinem Trainer Louis van Gaal könnte er sogar den Job retten.

Es läuft nicht rund für Manchester United in dieser Saison. Die Meisterschaft war nie ernsthaft ein Thema, in der Champions League gab es das Vorrunden-Aus nach einer Niederlage beim VfL Wolfsburg und Trainer Louis van Gaal steht seit Dezember unter Dauerbeschuss des englisches Boulevards.

Seit einigen Tagen aber spricht niemand mehr über den Trainer. Der Mann der Stunde in Manchester heißt Marcus Rashford. Nach seinem Doppelpack beim Pflichtspiel-Debüt in der Europa League am vergangenen Donnerstag gegen den FC Midtjylland machte Rashford am Sonntagnachmittag direkt da weiter, wo er aufgehört hatte. Beim 3:2-Sieg über den FC Arsenal trug sich der 18-Jährige erneut doppelt in die Torschützenliste ein und fügte dem Team um den deutschen Superstar Mesut Özil eine empfindliche Niederlage im Kampf um die Meisterschaft zu.

In Manchester geboren

Die Geschichte von Rashford hört sich an wie ein kitschiges Märchen. Er ist in Manchester geboren, seit 2006 im Verein und traf in dieser Saison schon für die U18, U19, und U21. Jetzt gibt er den Fans im Old Trafford den Glauben daran zurück, dass die Tugenden von Manchester United - junge Spieler zu formen - noch immer bestehen. "Das ist die Philosophie des Klubs, ich glaube, deswegen haben sie mich geholt", antwortete Louis van Gaal vor dem Spiel gegen Arsenal auf die Frage nach seinen letzten Personalentscheidungen.

Schließlich ist Rashford nicht der einzige, der im Laufe dieser Saison - und speziell in den vergangenen Wochen - sein Pflichtspiel-Debüt absolvieren durfte. Die Außenverteidiger Cameron Borthwick-Jackson (19) und Guillermo Varela (22) gehören mittlerweile fest zum Profi-Kader, Joe Riley (18) und Regan Poole (17) kamen in den Pokalwettbewerben zum Einsatz. Gegen Arsenal wurden zudem Timothy Fosu-Mensah (18) und James Weir (20) erstmals eingewechselt.

"Ein ganz spezielles Talent"

Das alles ist natürlich auch der enormen Verletzungsmisere geschuldet, schließlich fehlen van Gaal aktuell 14 Profis. Doch der Niederländer ist bekannt dafür, jungen Spielern ihre Chance zu geben. So verhalf er beim FC Bayern unter anderem Thomas Müller und Toni Kroos zu ihren ersten Pflichtspielen. "Es geht nicht um das Alter, es geht nur darum, ob ein Spieler die Qualität hat", ergänzte er nach dem berauschenden Auftritt seiner Mannschaft gegen Arsenal. Marcus Rashford hat die Qualität. Für seinen Coach ist er ein "ganz spezielles Talent."

Dabei mussten für einen Einsatz auf seiner Position besonders viele unglückliche Umstände zusammenkommen. Superstar Wayne Rooney wird mit Knieproblemen vermutlich noch mindestens zwei Monate fehlen. Will Keane, ebenfalls ein Eigengewächs und erst im Januar von einer Leihe zurück beordert, musste vergangene Woche im FA Cup bei Shrewsbury Town ebenfalls verletzt ausgewechselt werden. Den einzig verbliebenen Stürmer, Anthony Martial, erwischte es dann beim Aufwärmen vor der Euro-League-Partie gegen Midtjylland. Rashford, nur wegen Keanes Verletzung im Kader, rückte plötzlich in die Startelf und hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Vier Mal stand Rashford in den Partien gegen Midtjylland und Arsenal goldrichtig, war drei Mal mit dem rechten Fuß und einmal mit dem Kopf zu Stelle. Der 18-Jährige erinnert mit seiner Spielweise stark an seinen 20-jährigen Teamkollegen Martial, für den United im Sommer mal eben 50 Millionen Euro plus Bonuszahlungen springen ließ. Rashford ist dank seiner schmalen Statur und einer Körpergröße von 1,82 Meter extrem wendig und weiß, seine Gegenspieler zu beschäftigen. Dazu hat er das Auge für den freien Raum, ist schnell, trickreich vor allem eiskalt vor dem Tor.

Wieder ein echter "Mancunian"

"Er ist explosiv, ein sehr talentierter Junge, aber auch ein harter Arbeiter", sagt United-Legende Nicky Butt über Rashford. Butt ist seit kurzem Leiter der Nachwuchsakademie im Klub, und weiß so gut wie kein anderer, dass es zum Selbstverständnis von United gehört, seine Stars nicht nur einzukaufen, sondern auch selbst zu formen. Schließlich war Butt Teil der legendären "Class of 92", um Stars wie Paul Scholes, Ryan Giggs, Gary Neville und David Beckham, die mit dem Triple-Sieg 1999 ihren Höhepunkt feierte. Seither lächzt man im Old Trafford nach solchen Spielern. Echte "Mancunians", die im Verein aufgebaut werden und später zu Superstars aufsteigen. Die letzten Generationen, mit Spielern wie Tom Cleverley, Darron Gibson und Danny Welbeck, haben enttäuscht.

Marcus Rashford und sein Trainer Louis van Gaal

Marcus Rashford wird von seinem Trainer Louis van Gaal abgeklatscht

Marcus Rashford und Co. lassen die Fans nun von einer neuen "Ära träumen" und ihrem viel kritisierten Trainer Louis van Gaal (Vertrag bis 2017) verschaffen sie mit den jüngsten Leistungen gute Argumente, seinen Job über den Sommer hinaus zu behalten.

Für den Moment jedenfalls dürfte van Gaals Laune - trotz immer noch sieben Punkten Rückstands auf einen direkten Champions-League-Platz - so gut sein wie schon lange nicht mehr. Schließlich hat er es Marcus Rashford zu verdanken, dass er zumindest in diesen Tagen mal nicht Thema Nummer eins ist auf der Insel.

Stand: 29.02.2016, 10:00

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