Virgil van Dijk - der teuerste Verteidiger aller Zeiten

Virgil van Dijk im Trikot des FC Southampton

Klopps Wunschspieler

Virgil van Dijk - der teuerste Verteidiger aller Zeiten

Von Robin Tillenburg

Jürgen Klopp bekommt in Virgil van Dijk wohl seinen Wunschspieler für die Defensive. Laut Medienberichten überweist der FC Liverpool umgerechnet etwa 84,5 Millionen Euro an Ligakonkurrent FC Southampton, um sich die Dienste des niederländischen Innenverteidigers zu sichern.

Der 26 Jahre alte Nationalspieler wird ab dem 2. Januar das Trikot der "Reds" tragen und soll ab der Partie gegen den FC Everton im FA Cup dabei helfen, die Defensive des Tabellenvierten der Premier League zu stärken. Während der Angriff mit 46 Toren nur vom meilenweit enteilten Ligaprimus Manchester City übertroffen wird (61), genügt die Defensive den ganz großen Ansprüchen bisher noch nicht.

Im Zentrum hakt es

Gerade im Zentrum hakt es ein wenig. Während auf der Außenbahn in Trent Alexander-Arnold, Joe Gomez und Andrew Robertson talentierte, junge Alternativen heranwachsen, ist das Zentrum mit Joel Matip, Dejan Lovren und Ragnar Klavan im Vergleich zu den Konkurrenten im Kampf um die Plätze hinter Manchester City nicht breit, nicht zukunftsorientiert und wohl auch nicht hochklassig genug besetzt. Eine Neuverpflichtung erscheint also absolut sinnvoll.

Wäre es nach den Verantwortlichen der "Reds" gegangen, wäre van Dijk schon im Sommer an die Anfield Road gewechselt, doch man konnte sich mit Southampton nicht einigen. Eine Summe von umgerechnet um die 50 Millionen Euro stand damals angeblich im Raum, jetzt sind es eben gut 30 mehr. Bei Southampton saß van Dijk wohl auch wegen seiner öffentlich gewordenen Abwanderungsgedanken zu Saisonbeginn und in den jüngsten drei Spielen vor dem Wechsel nur auf der Bank oder der Tribüne. Bei seinen elf Startelf-Einsätzen kassierte der Tabellenvierzehnte allerdings im Schnitt sogar etwas mehr Gegentore als in den anderen Partien.

Starkes Stellungsspiel

Was sieht Klopp also in ihm und wie rechtfertigt sich die Transfersumme, die den Niederländer zum mit Abstand teuersten Verteidiger der Welt macht (vorher: Benjamin Mendy vom AS Monaco zu Manchester City, 57,5 Millionen Euro)? Van Dijk jedenfalls hat, klammert man die aktuelle Saison einmal aus, in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er zu den besseren Innenverteidigern Europas gehören kann.

Mit Celtic Glasgow gewann er nach seinem Wechsel vom FC Groningen zur Spielzeit 2013/14 zwei Meisterschaften, spielte in der Champions und der Europa League. 2015/16 ging er schließlich nach Southampton, spielte ebenfalls Europa League und war vor allem in seiner Premierensaison eine absolute Säule des Teams.

Auch in seinen bisher 16 Länderspielen für die "Elftal" überzeugte der kopfballstarke 1,93-m-Mann fast durchweg. Bei den beiden blamablen Niederlagen in der WM-Qualifikation gegen Bulgarien (0:2) und Frankreich (0:4) stand er aus Verletzungsgründen nicht im Aufgebot. Bei den jüngsten vier Partien der Niederländer spielte er immer über die volle Distanz, alle wurden gewonnen. Van Dijk ist trotz seiner Größe technisch durchaus beschlagen, dazu kopfballstark und sein Stellungsspiel ist wirklich gut: In seinen 67-Premier-League-Spielen wurde er nur fünfmal verwarnt, sah einmal die Ampelkarte.

Erfahrung auf Topniveau fehlt noch

Was van Dijk noch fehlt ist - trotz der inzwischen schon zweieinhalb Saisons in der Premier League - der dauerhafte Vergleich auf absolutem Spitzenniveau. Seine sechs Champions-League-Auftritte sind für einen 26-Jährigen noch nicht wirklich viele und als echtes "Talent" kann er in diesem Alter auch nicht mehr gelten. Sicherlich wird Klopp aus ihm noch einiges an schlummerndem Potenzial herauskitzeln können, doch bei einem Team mit den Ansprüchen, die man in Liverpool nun einmal hat, ist die Zeit zum "Lernen" begrenzt. Vor allem, wenn man 84,5 Millionen Euro gekostet hat.

Southamptons Einnahmequelle: Transfers nach Liverpool

Blickt man auf die jüngere Vergangenheit, passt der Transfer des Niederländers übrigens voll ins Bild. Seit der Saison 2014/15 wechselten insgesamt sechs Spieler aus Southampton zu den "Reds". Für Adam Lallana, Lovren, Rickie Lambert, Nathaniel Clyne, Sadio Mané und jetzt eben van Dijk überwies man umgerechnet über 200 Millionen Euro. Man könnte also behaupten, dass Liverpool durch die überwiesenen Millionen in den vergangenen Jahren überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass Southampton sich die Dienste des Niederländers damals sichern und der in der Premier League Fuß fassen konnte. Mit den jetzt zusätzlichen 84,5 ist das eine stolze Summe. Andererseits könnte man diese Transferpolitik auch beinahe mit einem Augenzwinkern als "vorausschauend" bezeichnen.

Wie auch immer: Liverpool wollte van Dijk, van Dijk wollte offensichtlich auch nach Liverpool und jetzt haben die beiden Parteien mit Verspätung zusammengefunden. Auf dem Papier scheint der Wechsel sinnvoll und der Neuzugang muss möglichst schnell "funktionieren", um das viele Geld und das hartnäckige Bohren des achtzehnfachen Meisters zu rechtfertigen. Die Chancen, dass das gelingt, sind gegeben. Es kann aber auch sein, dass er gerade nach seiner durchwachsenen Hinserie mit weniger Spielpraxis noch etwas Zeit braucht.

City macht es vor

Den Niederländer jetzt Woche für Woche an der immensen Ablösesumme zu messen, wäre jedoch grundlegend falsch. Inzwischen ist es gerade in der Premier League Realität, dass ein Spitzenklub für einen Wunschspieler, auch wenn sein Name noch keiner aus der ganz exklusiven Kategorie ist, solche Beträge aufbringen kann und wohl auch muss, will er dauerhaft um die vordersten Plätze spielen.

Manchester City, das angeblich auch an van Dijk interessiert war, gab vor dieser Spielzeit beispielsweise etwa schon 180 Millionen Euro für eine neue Defensive plus Torhüter aus und ist nun klarer Tabellenführer und hat in 20 Spielen erst 12 Gegentreffer hinnehmen müssen. Ähnliches wünscht man sich irgendwann auch in Liverpool.

Stand: 28.12.2017, 11:49

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