Ronald Koeman soll es für "Oranje" richten

Ronald Koeman (r.)

Neuer Trainer der niederländischen Nationalmannschaft

Ronald Koeman soll es für "Oranje" richten

Ronald Koeman ist neuer Trainer der niederländischen Nationalmannschaft und trifft mit "Oranje" in der Nations League auf Deutschland. Da werden Erinnerungen wach.

Die Geste bleibt unvergessen. Weil sie höhnisch war und böse, und weil sie dem deutsch-niederländischen Verhältnis auf dem Fußballplatz nicht gerade gut getan hat.

Nach dem gewonnenen Halbfinale bei der EM 1988 gegen Gastgeber Deutschland (2:1) in Hamburg tauschte Ronald Koeman das Trikot mit Olaf Thon und wischte sich mit diesem symbolisch seinen Hintern ab. Das sorgte für große Empörung und sogar für Tumulte, und lange war Koeman für deutsche Fans deshalb das Feindbild schlechthin.

Ronald Koeman - "Eine große Ehre"

Sportschau | 07.02.2018 | 01:23 Min.

In der Nations League gegen Deutschland

Am 13. Oktober und am 19. November wird Koeman jetzt erneut auf die deutsche Nationalmannschaft treffen, und zwar in der neu geschaffenen Nations League. Denn der 54-Jährige wurde jetzt zum Trainer der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft ernannt.

Er soll die "Elftal" wieder zu alter Stärke führen. Für die WM in Russland hatte sich der dreimalige Vize-Weltmeister nicht qualifiziert, auch zuvor bei der EM 2016 in Frankreich waren die Niederlande nur Zuschauer gewesen. "Oranjes" neuer Sportdirektor ist der ehemalige Hamburger Profi Nico-Jan Hoogma.

Posten schon länger im Visier

Ronald Koeman

Ronald Koeman

Koeman folgt als Bondscoach auf Dick Advocaat, der mittlerweile bei Sparta Rotterdam angeheuert hat. Der war im vergangenen Winter nach dem Scheitern in der WM-Qualifikation von seinem Amt zurückgetreten.

Koeman hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er gerne einmal das Amt übernehmen würde und sagte am Dienstag (06.02.2018): "Ich hatte immer die Ambitionen, Bondscoach zu werden. Ich bin superglücklich und es ist für mich eine absolute Ehre, für die kommenden Jahre der Trainer der Elftal zu sein."

Koeman sieht eine Perspektive

Koeman betont: "Wenn ich keine Perspektive sehen würde, hätte ich den Job nicht angenommen. Wir haben vielleicht nicht mehr die allerbesten Spieler, aber das heißt nicht, dass wir kein gutes Team aufstellen können. Das wird eine Herausforderung."

Bei der WM 1998 war er Assistent von Guus Hiddink. 2014 zählte er zu den Kandidaten auf den Chefposten, doch dann wurde es erneut Hiddink. Jetzt hat es endlich geklappt, auch dank Eric Gudde, dem neuen Direktor des KNVB, der mit Koeman schon bei Feyenoord Rotterdam erfolgreich zusammengearbeitet hat.

Zwei Landesmeister-Titel und Europameister

Abgesehen von Rotterdam trainierte Koeman Vitesse Arnheim, Ajax Amsterdam, Benfica Lissabon, die PSV Einhoven, den FC Valencia, AZ Alkmaar, den FC Southampton und den FC Everton. Dort wurde er im Oktober vergangenen Jahres nach nur 15 Monaten im Amt entlassen. Seine größten Erfolge sind drei niederländische Meistertitel mit Amsterdam und Eindhoven.

Als Spieler war er erfolgreicher. 1988 holte er mit Eindhoven den Europapokal der Landesmeister, 1992 wiederholte er diesen Erfolg mit dem FC Barcelona. Zudem spielte er für Groningen, Ajax und Feyenoord.

Einer der besten seiner Zeit

Als Libero oder defensiver Mittelfeldmann war Koeman einer der besten seiner Zeit. Sein größter Erfolg als Spieler war der EM-Titel 1988. 78 Länderspiele hat er absolviert. Koeman hat einen Vertrag für zwei Jahre mit der Option einer Verlängerung bis zur WM 2022 unterschrieben. Seine Assistenten sind Kees van Wonderen und Patrick Lodewijks.

Sein neuer Job war zuletzt ein Schleudersitz, davon können seine Vorgänger Dick Advocaat, Danny Blind und Guus Hiddink ein Lied singen. Die Niederländer brauchen einen Neuanfang. Allerdings wird es nach dem Rücktritt von Bayern Münchens Arjen Robben nicht leicht, das Team wieder auf Weltklasse-Niveau anzuheben. Häufig wirkte der WM-Dritte von 2014 zuletzt zu hausbacken und leicht ausrechenbar. Längst haben die Konkurrenten Mittel und Wege gefunden, um das niederländische Offensivspiel, das unter "König Johan" Cruyff als "Voetball total" Weltgeltung erlangte, im Keim zu ersticken. Den Trainern fehlte vor allem ein Plan B oder C, um sich zu behaupten.

Die Duelle mit Deutschland und Frankreich in der Nations League haben es in sich. Denn als Gruppensieger könnte sich die Niederlande über die Play-offs für die EM 2020 qualifizieren, wenn sie es erneut nicht über die "normale" Qualifikation schaffen würde. Für seine Geste aus dem Jahr 1988 hat sich Koeman übrigens längst entschuldigt.

Thema in: Deutschlandfunk, Sport aktuell, Dienstag, 06.02.2018, ab 22.50 Uhr

vdv/sid/dpa | Stand: 06.02.2018, 17:38

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