Garcias schwierige Aufgabe bei der FIFA
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Interview mit dem Chef-Ermittler
Garcias schwierige Aufgabe bei der FIFA
Michael Garcia ist der neue externe Chef-Ermittler der FIFA. Im weltweit ersten Interview spricht er über seinen schwierigen Job.
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Herr Garcia, was wollen Sie als Vorsitzender der ermittelnden Kammer der FIFA-Ethikkommission, also als externer Chef-Ermittler der FIFA, schaffen?
Michael Garcia: Die Aufgabe ist auf jeden Fall eine Herausforderung und nicht mit meinem Job in der Anwaltsfirma zu vergleichen. Hier hat die FIFA etwas Neues erschaffen, eine neue Position. Ich möchte eine Struktur und einen Prozess entwickeln, der am Ende Vertrauen schafft. Darum geht es viel mehr als um spezielle Fälle.
Wie wollen Sie Vertrauen in eine als korrupt wahrgenomme Organisation herstellen?
Garcia: Bisher war es für die Ethikkommission schwierig, überhaupt an Informationen zu kommen und vor allem die Kooperation von betroffenen Personen zu erzwingen. Jetzt gibt es in dem neuen Ethikcode klare Regeln. Und die werden Vertrauen bringen.
Aber mal ernsthaft: Was machen Sie, wenn ein FIFA-Offizieller angeklagt ist, Schmiergeld genommen zu haben, bei Ihnen aussagen soll und nicht kooperiert?
Garcia: Im neuen Code gibt es ja den Zwang zu kooperieren. Wenn du nicht kooperierst, gibt es eine Verwarnung, dann Geldstrafen, dann mögliche Sperren.
In Bankkonten können Sie deshalb trotzdem noch nicht schauen.
Garcia: Das ist richtig. Seien wir ehrlich, unsere Möglichkeiten, Informationen über Korruptionsvorgänge zu bekommen, sind begrenzt. Wir müssen realistisch sein. Haben wir perfekte Möglichkeiten? Nein. Bessere als vorher? Ja.
Es gab ja in den letzten Jahren mehr als genug Korruptionsfälle, die in Zusammenhang mit der FIFA gebracht wurden. Welche Fälle werden Sie angehen, beispielsweise die WM-Vergaben an Russland und Katar oder an Deutschland?
Garcia: Die Korruptionsaffäre um den Sportrechtevermarkter ISL werde ich untersuchen. Es gibt neue Anschuldigungen gegen den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Bin Hamann. Und dann gibt es viele öffentlich diskutierte Themen wie die WM-Vergaben – da muss man sicherlich zumindest Informationen sammeln.
Wie sieht es mit den Korruptionsvorwürfen gegen Joseph Blatter aus?
Garcia: Als ehemaliger US-Bundesstaatsanwalt kann ich Ihnen Folgendes sagen: Als Staatsanwalt musst du Prioritäten setzen. Keiner hat unlimitierte Möglichkeiten. Aber es gilt auch: Je wichtiger die involvierte Person ist, desto wichtiger ist es, diese Person auch zu untersuchen. Die Botschaft ist natürlich viel größer, wenn du jemanden erwischst, der korrupt ist und ein hohes Tier.
Sie werden für Ihre externe Tätigkeit von der FIFA bezahlt. Wieviel bekommen Sie?
Garcia: Dazu kann ich nichts sagen.
Warum nicht?
Garcia: Wir sprechen nicht über die Anwaltshonorare.
Aber wie unabhängig können Sie wirklich sein in Ihrer Arbeit, wenn Sie Ihr Geld dafür von der FIFA selbst bekommen?
Garcia: Es wird keine Einflussnahme auf mich als unabhängigen Ermittler geben. Dafür bin ich ja auch da, um Unabhängigkeit sicherzustellen. Dazu gibt es ja auch noch den unabhängigen externen Richter, der über meine Fälle entscheidet.
Es gibt also keine Einschränkungen Ihrer Ermittlungen?
Garcia: Keine.
Werden Sie beispielsweise versuchen, weitere Unterlagen im Fall des Sportrechtevermarkters ISL zu bekommen? Diese belasten neben weiteren FIFA-Offiziellen auch Blatter.
Garcia: Ich habe schon begonnen, Informationen zu sammeln. Das Gute ist, dass schon viel Arbeit von der Schweizer Justiz geleistet wurde. Schlecht ist, dass das Material alt ist.
Aber das hindert Sie ja nicht zu ermitteln. Korruption verjährt nach dem neuen Ethikcode der FIFA nicht.
Garcia: Das ist richtig.
Also werden Sie versuchen, mehr Unterlagen von der Schweizer Justiz zu bekommen?
Garcia: Wenn Sie sich das anschauen, dann ist doch klar, dass es da was zu untersuchen gibt, und das werde ich tun.
Das Gespräch führte Florian Bauer.
Stand: 28.08.2012, 08:00