Kapverden - mit prominenter Hilfe zur Sensation
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Kleine Inselgruppe überrascht die Experten
Kapverden - mit prominenter Hilfe zur Sensation
Von Olaf Jansen
Sie sind das kleinste Land, das es jemals zur Endrunde des Afrika-Cups geschafft hat: Die Kapverden können in Südafrika nur gewinnen. Geleitet wird das Team von einem Freund José Mourinhos.
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Die Experten hatten es schon kommen sehen und wurden dann auch bestätigt: Der krasse Außenseiter Kapverden sorgte zum Auftakt des 29. Afrika-Cups für die große Überraschung und rang Gastgeber Südafrika ein 0:0 ab. Und hätte ein gewisser Platini - so nennt sich Kapverdens Angreifer Luis Soaraes ungeniert - in der ersten Hälfte nicht freistehend vor dem Tor vorbei gezielt - die Inselkicker wären sogar als Sieger vom Platz gegangen.
Aber es hatte sich ja angedeutet: Schon als die Kapverden Ende Oktober das große Kamerun in zwei Qualifikationsspielen (2:0 und 1:2) ausgeschaltet hatten, klingelte abends das Telefon von Lucio Antunes. Am Apparat war José Mourinho, der seinem kapverdischen Trainerkollegen persönlich zu dem größten Erfolg in der Fußballgeschichte des kleinen Inselvolkes gratulieren wollte.
Mourinho - Freund der Kapverden
Mourinho ist ein persönlicher Freund des kapverdischen Staatspräsidenten Jose Carlos Fonseca und verfolgt den Fußball der Inselgruppe, einer einstigen portugiesischen Kolonie, ganz genau. "Es ist eine Ehre für uns, dass sich der beste Trainer der Welt so für uns interessiert", meinte Lucio Antunes nach dem Anruf und bekam das Lob postwendend zurück. "Antunes ist ein sehr intelligenter Trainer. Er ist gut organisiert und hat klare Vorstellungen. Sehr talentiert", meinte Mourinho, nachdem Antunes eine Trainingswoche bei ihm verbracht hatte.
Tatsächlich wird der große Erfolg der Kapverden in erster Linie dem 46-jährigen Trainer gutgeschrieben. In der Hauptstadt Praia geboren, blieb er dem Inselfußball stets verbunden, bis er 2010 die Leitung der damals kaum bekannten Nationalmannschaft übernahm. Antunes tat aber, was in der jüngeren Vergangenheit viele Nationaltrainer im afrikanischen Fußball taten: Er schaute sich in der Fußballwelt nach höherklassigen Spielern mit kapverdischen Wurzeln um. Und er war erfolgreich. Er stellte mit Spielern aus Portugal, Frankreich und vielen in Osteuropa tätigen Profis ein neues Team zusammen, das eine neue Qualität auf den Rasen brachte.
Eto’o beeindruckt
Zuversichtlich: Odair Fortes
Scheiterten die Kapverden in der Qualifikation für das afrikanische Endturnier 2012 noch wegen der schlechteren Tordifferenz an Mali, klappte es ein Jahr später besser. Als zunächst Madagaskar ausgeschaltet war, erwischte es in der letzten Quali-Runde Kamerun. Nach einem 0:2 auf den Inseln reichten Samuel Eto’o und seinen Kollegen ein 2:1-Heimsieg in Yaounde nicht mehr. "Dieses Team sollte man auch bei der Endrunde nicht unterschätzen", meinte daraufhin ein beeindruckter Eto’o.
Der Fußball der Kapverden ist dabei kein geheimnisvoller: Fußend auf einer soliden Abwehr verfügt das Team über eine Handvoll sehr schneller und flexibel agierender Angreifer. Jung-Stürmer Ryan Mendes vom französischen Erstligisten OSC Lille ist dabei der Vorzeigemann. Entscheidend aber ist wohl das Zusammengehörigkeitsgefühl der Spieler, von denen nicht einmal die Hälfte auf den Kapverden geboren wurde. "Wir Spieler kennen uns nicht sehr gut. Dennoch funktionieren wir als Mannschaft. Das ist ein Verdienst des Trainers", findet Mittelfeldmann Odair Fortes, der sein Geld im französischen Reims verdient.
Kein Geld für die Fahrt
Die Finanzen sind bei aller fußballerischen Qualität das große Problem der Kapverden. Das Land mit knapp 500.000 Einwohnern hat keine Bodenschätze, Landwirtschaft ist auf den regenarmen Inseln kaum möglich. Exportiert werden Fische und ein paar Bananen. Geld für die Fußballer ist da knapp. Gerade einmal umgerechnet 1.800 Euro pro Mann bekamen die Spieler nach der geschafften Qualifikation für die Endrunde der Afrikameisterschaft. Zum Vergleich: Joachim Löws Spieler bekamen 100.000 Euro pro Mann für das Erreichen des Halbfinals bei der Euro 2012.
Um die Reise nach Südafrika überhaupt finanzieren zu können, mussten daher Sonderaktionen her. "Wir haben etwas Unterstützung von der Regierung bekommen, das reicht aber nicht, um die Endrunde finanzieren zu können", sagt Fußballpräsident Mario Semedo. In den Wochen vor dem Turnier wurde daher eine Stiftung mit dem Namen "Operation Afrika-Cup" gegründet, in die alle Bürger der Inselgruppe einzahlen sollten. Zusätzlich gingen die Einnahmen aus einem Benefiz-Konzert und zehn Prozent aus dem Verkauf einer Sonder-Briefmarke in diesen Fonds. Das Geld reichte am Ende, die Kapverden sind in Südafrika angekommen. Und sie sind sicher, dass es sich gelohnt hat: "Der Fußballerfolg wird die ganze Nation einen wie noch nie zuvor", glaubt Staatspräsident Fonseca. Und José Mourinho ist ja schließlich auch schon dabei.
Stand: 23.01.2013, 08:00