Vorfreude statt Empörung - Gedanken zur "Mega-WM"

Der WM-Pokal

48 Teilnehmer bei WM-Endrunden ab 2026

Vorfreude statt Empörung - Gedanken zur "Mega-WM"

Von Frank van der Velden

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 findet mit 48 Teams und nicht wie bisher mit 32 statt. Die Kritik ist auch hierzulande groß. Doch ist das wirklich so schlimm?

Der Fußball gehört der ganzen Welt. 211 Mitgliedsverbände hat die FIFA, warum sollen da nur 32 Teams zur WM fahren dürfen? Warum soll eine solche Großveranstaltung einem elitären Kreis vorbehalten sein? Ist es nicht ein Unding, dass Ozeanien keinen festen Startplatz hat? Und findet es niemand verwunderlich, dass sich nur die Europäer über die WM-Aufstockung aufregen?

Wer sich jetzt empört, dem geht es um Macht. Schon jetzt ist das Gerangel um die Plätze unerträglich. Die Europäer werden versuchen, mehr Startplätze zu bekommen. Dabei sind die jetzt schon ungerecht verteilt. Bei der WM 2014 kamen 13 von 32 Starten aus Europa und nur vier aus Asien, das den Großteil der Weltbevölkerung stellt. Fakt ist, dass die ohnehin schon privilegierten Europäer nichts abgeben wollen vom Kuchen - und vor allem nichts vom Geld.

Die EM 2016 mit 24 statt 16 Teams war spielerisch nicht die beste. Das bestreitet auch niemand. An den vermeintlich kleinen Nationen lag das aber nicht. Es waren die Isländer, die Nordiren und die Waliser, die spielerisch teils begeisterten und das Turnier bereicherten - durch ihre sympathischen Fans übrigens auch abseits des Platzes. Wales kam sogar ins Halbfinale. Enttäuschend dagegen die Leistungen so manch einer angeblich großen Fußball-Nation: England scheiterte an Island, für Titelverteidiger Spanien war das Turnier früh vorbei. Weniger Teilnehmer versprechen nicht mehr Qualität. Erinnert sei an die WM 1982 in Spanien, die mit 24 Teams über die Bühne ging und als die schlechteste aller Zeiten gilt.

Scheinheilige Kritik

Die Belastung der hoch dotierten Profis sei ohnehin schon hoch, und durch eine "Mammut-WM" werde das alles nur noch schlimmer, sagen die Kritiker. Fakt ist, dass es bei sieben Spielen bis zum Turniersieg bleiben soll, egal in welchem Modus gespielt wird. Verwunderlich ist auch, dass viele der Klub-Verantwortlichen, die jetzt ganz empört tun, keine Scheu haben, ihre Teams zu Marketing-Zwecken rund um den Globus zu schicken. Und eine Weltmeisterschaft findet ja auch nicht jedes Jahr statt - sondern nur alle vier. Die Kritik ist scheinheilig. Man denke an die aufgeblähte Champions- und Europa League oder die geplante Weltliga der Topklubs.

Niemand wolle sich Venezuela gegen Litauen ansehen, so heißt es. Die Menschen in Venezuela und Litauen aber schon. Verwöhnte Fans aus Europa erwarten von jeder WM-Partie hohes Niveau. Das ist die pure Arroganz. Vielleicht sollte ein jeder einmal seine Erwartungshaltung herab schrauben.

Vielleicht auch mehr Spektakel und mehr Tore

Mehr Spiele bedeutet nicht gleichzeitig größere Langeweile. Es kann auch bedeuten: mehr Spektakel, mehr Tore, mehr Überraschungen. Und wer sich übersättigt fühlt, der braucht sich ja nicht alles anzuschauen. Warum nur schon vorher diese Schwarzmalerei?

Mehr WM-Teilnehmer werden den Fußball auf der Welt am Ende bereichern. Afrikanische und asiatische Teams werden sich taktisch und technisch verbessern. Dem Sport wird das in diesen Ländern einen Schub bescheren, das Interesse der Menschen wird noch größer sein. So ist die WM-Aufstockung die beste Fußball-Entwicklungshilfe, die es geben kann. Eine "aufgeblähte" WM schadet dem Fußball? Sie wird ihm wohl eher nutzen.

Um 600 Millionen Euro werden die Einnahmen der FIFA steigen, es geht ums Marketing, und die Sponsoren reiben sich die Hände. Wer das Profitgier nennt, der vergisst, dass die FIFA ein Wirtschaftsunternehmen ist, das auch so handelt und so denkt. Dass der Fußball dabei auf der Strecke bleibt, ist aber falsch. 2026 werden wir enthusiastische und bunt-schillernde Fans aus 48 Nationen sehen, zig Länder werden zum ersten Mal bei einem solchen Turnier dabei sein. Die WM mit 48 Teams wird ein Fußball-Fest werden.

red | Stand: 10.01.2017, 14:19

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