Menschenrechte statt Korruption? 2026 soll alles besser werden

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Menschenrechte statt Korruption? 2026 soll alles besser werden

Von Chaled Nahar

Nichts war so desaströs für das Image der FIFA wie die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022. Nun hat der Weltverband Regularien für die Vergabe des Turniers 2026 herausgegeben, die angeblich mehr Transparenz bringen sollen. Doch die sind Kosmetik.

Russland! Katar! Als sich diese beiden Länder am 2. Dezember 2010 bei der Vergabe der Turniere 2018 und 2022 gegen vermeintliche Favoriten wie England, Portugal/Spanien und die USA durchgesetzt hatten, begannen für die FIFA wilde Jahre. Verhaftungen von Funktionären nach der Aufdeckung von Korruption im Weltverband waren die Folge. Das Bild in der Öffentlichkeit der FIFA war wohl noch nie so schlecht wie heute. Die Imagekatastrophe erreichte durch die WM-Vergabe 2018/2022 ihren Tiefpunkt, die Vergabe 2026 soll für die FIFA der Teil einer Wende sein.

Der Verband veröffentlichte jetzt die Richtlinien für das Bewerbungsverfahren zur WM 2026. In ihrem Vorwort geben sich Präsident Gianni Infantino und Generalsekretärin Fatma Samoura pflichtbewusst: "Das Verfahren zur Wahl des Veranstalters - oder der Veranstalter - der ersten WM mit 48 Teams muss über jeden Zweifel erhaben sein, denn die FIFA ist der Fußballwelt ein ethisches, transparentes, objektives und einwandfreies Bewerbungs- und Vergabeverfahren schuldig." Jeder Fan soll die Gründe bei der Vergabe nachvollziehen können.

Kein Exekutivkomitee, keine "unangemessenen Geschenke"

Die wichtigsten Änderungen: Das berüchtigte Exekutivkomitee, bei dem es immer wieder deutliche Hinweise auf die Käuflichkeit von Stimmen gab, ist im FIFA-Rat aufgegangen und darf nur noch eine Vor-Auswahl der Kandidaten treffen. Die vom Rat zugelassenen Bewerbungen werden dann dem FIFA-Kongress mit seinen 211 Vertretern zur Wahl gestellt. "Jede einzelne Stimmabgabe im Verfahren wird offengelegt", schreibt die FIFA. Sollte sich der kommende Kongress am 13. Juni 2018 nicht einig werden oder qualitativ ausreichende Bewerber fehlen, könnte der Ausrichter auch erst beim Kongress im Mai 2020 festgelegt werden.

In einem Kapitel spricht die FIFA auch das Thema Korruption an und verbietet beispielsweise "unangemessene Geschenke" und fordert Offenheit bei der Zuteilung von Förderprogrammen. Diese waren in der Vergangenheit oft Teil von fadenscheinigen Geldbewegungen bei WM-Vergaben.

"Bekenntnis zu Menschenrechten" - für Arbeiter in Katar zu spät

Zudem spricht die FIFA nach der Kritik an den unerträglichen Zuständen in Katar von einem "Bekenntnis zu Menschenrechten" und fairen Arbeitsbedingungen. Alle Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Turnier sollen bezüglich der Menschenrechte und Arbeitsbedingungen den Maßgaben der Vereinten Nationen gerecht werden. Auch alle beteiligten Regierungen und weiteren Akteure sollten beispielsweise beim Bau von Stadien dazu verpflichtet werden.

Für die Arbeiter in Katar, die teils unter erbärmlichsten Bedingungen die Stadien für die WM 2022 errichten, kommen diese Richtlinien natürlich zu spät. Fraglich ist auch, welche Substanz das Bekenntnis zu den fairen Arbeitsbedingungen hat, denn an anderer Stelle zu staatlicher Unterstützung des Ausrichterlandes heißt es: Die Regierung müsse "Unternehmen und Personen, die direkt an der WM beteiligt sind, arbeitsrechtliche und sonstige Ausnahmeregelungen gewähren, solange die Menschenrechte dabei weiterhin gewahrt und eingehalten werden." Damit könnten beispielsweise Regelungen zu Mindestlöhnen oder zur Sozialversicherung gemeint sein, die Formulierung lässt viele Interpretationen zu - die Hintertür.

Die Vergabe der WM 2026 ist vorentschieden

Sunil Gulati (l.), Präsident US-amerikanischen Fußballverbandes, Decio de Maria (M.), Präsident des mexikanischen Fußballverbandes und Victor Montagliani (r.), Präsident des kanadischen Fußballverbandes

Sunil Gulati (l.), Präsident US-amerikanischen Fußballverbandes, Decio de Maria (M.), Präsident des mexikanischen Fußballverbandes und Victor Montagliani (r.), Präsident des kanadischen Fußballverbandes

Die Richtlinien sind auch ein wenig Kosmetik für ein Verfahren, dessen Sieger fast schon feststeht. Zwei Bewerbungen sind noch im Rennen: Die gemeinsame Ausrichtung des Turniers durch die USA, Kanada und Mexiko ist dabei turmhoher Favorit gegenüber Marokko, das sich bereits 1994, 1998, 2006 und 2010 vergeblich beworben hatte - und mit der Ausrichtung eines Turniers, an dem erstmals 48 Mannschaften teilnehmen sollen, durchaus Schwierigkeiten haben dürfte. Auch die Vorgabe der Einhaltung der Menschenrechte ist in Marokko wohl eher schwierig einzuhalten, beispielsweise ist Homosexualität dort strafbar.

Gegen die andere Bewerbung spricht derzeit wohl nur ein Punkt: Die FIFA verlangt für beteiltigte Mitarbeiter ein "visumsfreies Umfeld", das Visumsverfahren dürfe "Personen keinesfalls diskriminieren". Das steht im Widerspruch mit dem Gesetzesvorhaben von US-Präsident Donald Trump, Menschen aus ausgewählten muslimisch geprägten Ländern nicht mehr einreisen zu lassen.

Spannender wird es 2030

Gianni Infantino beim Confed Cup in Russland

FIFA-Präsident Gianni Infantino

Die große Transparenz braucht es für 2026 nach jetzigem Stand also nicht, diese könnte nach jetzigem Stand für das Jubiläumsturnier 2030, also 100 Jahre nach der ersten WM, wichtiger werden. Denn für dieses Turnier wurde Interesse von mehreren ähnlich starken Ausrichtern bekundet: China hat genau wie England Ansprüche angemeldet, Australien beabsichtigt mit Neuseeland eine Kandidatur, zudem haben Uruguay, Argentinien und Paraguay bereits offiziell eine gemeinsame Bewerbung eingereicht.

Stand: 10.11.2017, 13:38

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