Splitter zum FIFA-Kongress

FIFA-Kongress

Kongress in Zürich

Splitter zum FIFA-Kongress

Der Fußball-Weltverband hat am Freitag (26.02.16) in Zürich den Nachfolger des gesperrten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter gewählt. Die Splitter zum Wahltag.

Infantino der neunte FIFA-Präsident

Gegen 18 Uhr gibt es einen Wahlsieger: Gianni Infantino hat im zweiten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit der Stimmen erhalten. Infantino ist der neunte Präsident in der knapp 112-jährigen Geschichte des Fußball-Weltverbands FIFA.

Kein Sieger in der ersten Runde

In der ersten Runde der Wahl des neuen FIFA-Präsidenten hat es keinen Sieger gegeben. Keiner der vier Kandidaten erreichte beim außerordentlichen Kongress des Fußball-Weltverbands in Zürich die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Damit ist zumindest ein zweiter Wahlgang nötig, in dem dann die einfache Mehrheit der 207 Delegierten zum Sieg genügt. Vom zweiten Wahlgang an scheidet jeweils der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus.

Sexwale zieht Kandidatur zurück

Der Südafrikaner Tokyo Sexwale hat seine Kandidatur für das Amt des neuen FIFA-Präsidenten kurz vor dem ersten Wahlgang zurückzogen. Er beende seine Kampagne, sagte Sexwale am Freitag beim außerordentlichen Kongress des Fußball-Weltverbands in Zürich. "Ich lasse nur vier Leute übrig. Es ist euer Problem jetzt", sagte der Südafrikaner bei seiner Ansprache vor den 207 Wahl-Delegierten. "Es war eine gute Zeit für mich, ich bin bereit zu dienen, meine Kampagne ist zu Ende", fügte der ehemalige Anti-Apartheidskämpfer an.

Infantino verteidigt Finanzpläne

UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino hat seine finanziellen Versprechungen an die FIFA-Mitglieder für den Fall einer Wahl zum neuen Weltverbands-Präsidenten verteidigt. "Ich frage Sie alle: Wenn die FIFA fünf Milliarden einnimmt, können wir dann nicht 1,2 Milliarden reinvestieren", sagte der Schweizer am Freitag beim Wahlkongress in Zürich. "Das Geld der FIFA ist Ihr Geld. Das Geld der FIFA muss der Entwicklung des Fußballs dienen." Für diese Aussage erhielt Infantino Extra-Applaus von Vertretern der Nationalverbände.

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa, größter Kontrahent auf die Nachfolge des gesperrten Amtsinhabers Joseph Blatter, hatte Infantino vorab scharf für seine wirtschaftlichen Pläne kritisiert. Der Schweizer will die Finanzmittel für die FIFA-Mitgliedsverbände mehr als verdoppeln und pro Nation je fünf Millionen Dollar (4,5 Millionen Euro) für vier Jahre auszahlen, sollte er zum FIFA-Präsident gewählt werden.

Champagne gegen WM-Aufblähung auf 40 Teams

FIFA-Präsidentschaftskandidat Jérôme Champagne hat in seiner Ansprache vor den Kongress-Delegierten des Weltverbandes eine Ungleichheit der Fußball-Kontinente beklagt. Das Gefälle zwischen den Ländern der reichen Ligen, und denen, die die jungen Spieler hervorbringen, sei ungerecht. Der Franzose warnte vor einer Entwicklung wie im Basketball, wo die amerikanische Profiliga alles dominiere, aber Nationalverbände hinten anstünden. Zudem sprach er sich gegen eine Aufblähung der WM auf 40 Teams aus. Mit ihm werde die FIFA demokratischer. Der frühere FIFA-Direktor hat allerdings keine Chancen auf einen Wahlerfolg bei der Abstimmung am Nachmittag.

Scheich Salman: Alle Ämter demokratisch erreicht

Top-Favorit Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa hat in seiner letzten Wahlkampfrede vor den Delegierten des FIFA-Kongresses auf die in seiner Konföderation Asien bereits vollzogenen Reformen hingewiesen. Kernelemente der kurz zuvor verabschiedeten Statutenänderung des Weltverbandes seien in seinem Heimatverband schon umgesetzt worden. Der 50-Jährige schlug am Freitag in Zürich die Einrichtung eines Jugend-Rates vor, um dem Fußball-Nachwuchs eine Stimme zu geben.

Scheich Salman betonte, dass er alle seine Fußball-Ämter durch demokratische Wahlen erreicht habe. Der Cousin des Königs von Bahrain war wegen einer angeblichen Denunziation von oppositionellen Fußballern während der Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahr 2011 kritisiert worden. Die Vorwürfe hatte er stets zurückgewiesen.

Prinz Ali will Expertengremium mit Kofi Annan installieren

FIFA-Präsidentschaftskandidat Prinz Ali bin al-Hussein hat für den Fall seiner Wahl an die Spitze des Fußball-Weltverbandes die Einführung eines prominenten, externen Expertengremiums versprochen. Mit dieser Gruppe um den ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan wolle er den Kulturwandel bei der FIFA einleiten. «Wir lassen das Schlimme hinter uns, aber bewahren das Gute», sagte der Jordanier. Der 40-Jährige sprach als erster der fünf Kandidaten zu den Delegierten der 207 stimmberechtigten FIFA-Mitglieder. Al-Hussein werden keine realistischen Siegchancen eingeräumt.

FIFA-Wahl ohne Kuwait und Indonesien

Bei der FIFA-Präsidentschaftswahl sind die Verbände aus Kuwait und Indonesien nicht stimmberechtigt. Die Entscheidung über eine mögliche Aufhebung der Suspendierung beider Nationen wird erst beim ordentlichen Kongress im Mai in Mexiko-Stadt erfolgen. Eine entsprechende Empfehlung des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes nahm der FIFA-Kongress am Freitag mit der großen Mehrheit von 165 von 190 gültigen Stimmen an. Damit werden nur 207 statt 209 Verbände den Nachfolger von FIFA-Chef Joseph Blatter wählen.

FIFA macht Verlust nach Skandalen

Der Fußball-Weltverband FIFA muss die zurückliegenden Skandale nach eigenen Angaben auch finanziell teuer bezahlen. Der Geschäftsführende Generalsekretär Markus Kattner erklärte beim Außerordentlichen Kongress am Freitag in Zürich, dass die FIFA im Jahr 2015 erstmals seit langer Zeit wieder Verlust gemacht hat. Die konkreten Zahlen sollen beim Kongress Mitte Mai in Mexiko vorgelegt werden.

Zuletzt war der Fußball für den Weltverband eine Goldgrube. In der Zeit von 2011 bis 2014 hat die FIFA einen Gewinn von umgerechnet 313,4 Millionen Euro gemacht. Für die vorherige Haushaltsperiode von 2007 bis 2010 waren es sogar 585 Millionen Euro. Die Finanz-Rücklagen des Weltverbandes belaufen sich derzeit noch auf nie dagewesenen 1,412 Milliarden Euro.

Afrika-Vertreter: Kontinent wird geschlossen für al Chalifa stimmen

Die afrikanischen FIFA-Mitglieder wollen nach Angaben eines Verbandsvertreters bei der Präsidentschaftswahl geschlossen für Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa stimmen. "Er ist der Beste für die afrikanischen Bedürfnisse", sagte Simbabwes Verbandschef Phillip Chiyangwa der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vor Beginn des Wahlkongress in Zürich. Er bejahte zweimal die vollständige Unterstützung aus Afrika für al Chalifa.

USA stimmen für Prinz Ali

Der amerikanische Fußball-Verband will bei der Wahl für Außenseiter Prinz Ali bin al-Hussein stimmen. US-Soccer-Chef Sunil Gulati gab die Unterstützung des Jordaniers via Twitter bekannt. Al-Hussein werden hinter den Favoriten Gianni Infantino aus der Schweiz und Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa aus Bahrain keine großen Chancen zugerechnet. "Ich bin stolz, die Unterstützung von US-Soccer zu erhalten", twitterte der 40-jährige Prinz.

Ostasien stimmt für Scheich Salman

Scheich Salman erhält derweil wichtige Unterstützung aus Asien. Die neun Mitglieder der Ostasiatischen Fußball-Föderation (EAFF) erklärten, dass sie für den Chef der asiatischen Konföderation AFC stimmen werden. Zudem bekräftigte das AFC-Exekutivkomitee seine Unterstützung für den Bahrainer. "Scheich Salman ist ein bewährter Anführer, das hat er beim AFC bewiesen. In dieser Zeit braucht die FIFA einen starken Präsidenten", sagte AFC-Vize Praful Patel, der auch den indischen Verband anführt. Insgesamt wird erwartet, dass zahlreiche AFC-Verbände der Wahlempfehlung ihrer Konföderation folgen werden. Zur EAFF gehören die FIFA-Mitglieder China, Guam, Hongkong, Japan, Macau, Mongolei, Nordkorea, Südkorea und Taiwan. Al Chalifa gilt neben UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino als Favorit für die Nachfolge des gesperrten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter.

Niersbach befürchtet Probleme, falls Salman gewählt wird

Wolfgang Niersbach befürchtet bei einer Wahl von Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa zum neuen FIFA-Präsidenten große Probleme für den Fußball-Weltverband. «Wenn die Berichte so stimmen, ist das eine ganz, ganz schwierige Situation, die Zukunft zu planen mit einer Persönlichkeit an der Spitze, die möglicherweise belastet ist», sagte der ehemalige DFB-Präsident. Scheich Salman - ein Kollege Niersbachs im FIFA-Exekutivkomitee - werden Vorwürfe von Menschenrechtsorganisationen wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung der Demokratiebewegung in Bahrain im Jahr 2011 gemacht. Der asiatische Verbandspräsident bestreitet jede Verwicklung.

Grindel wählt für den DFB

Der designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel (54) wird bei der Präsidentschaftswahl die Stimme des DFB abgeben. Das bestätigte Grindel, der aller Voraussicht nach beim Außerordentlichen DFB-Bundestag am 15. April zum Präsidenten gewählt wird. Stimmen wird er dann für Gianni Infantino (45/Schweiz). Der DFB gehört zu den größten Unterstützern des Generalsekretärs der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

Rauball will, dass Infantino gewinnt

Gianni Infantino

Gianni Infantino

DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball befürwortet eine Wahl Gianni Infantinos zum neuen FIFA-Präsidenten. "Wir sind klar gestimmt für die Wahl von Gianni Infantino. Er ist ein verlässlicher Mann, der über ein Jahrzehnt bewiesen hat, dass er eine qualitativ hochstehende Organisation wie die UEFA in einer Weise geführt hat, wie es den Vereinen und Verbänden zu Gute gekommen ist", sagte Rauball im Interview mit Sky Sport News HD in Zürich: "Das Standing der UEFA ist - was diese administrative Angelegenheit angeht - eigentlich so hoch, wie man sich das nur wünschen kann. Das können alle Vereine, die mit der UEFA zusammenarbeiten, und auch die Verbände bestätigen."

Durchsichtige Wahlkabinen abgelehnt

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat auch einen Antrag von Jérôme Champagne auf Nutzung von durchsichtigen Wahlkabinen bei der Präsidentschaftswahl abgelehnt. Der französische Kandidat hatte wie zuvor Prinz Ali bin al-Hussein zudem unabhängige Beobachter gefordert, um "die Integrität des Wahlprozesses zu sichern". Der CAS will in den kommenden Tagen eine Begründung für die Ablehnung liefern. Champagne und der Jordanier al-Hussein hatten sich von durchsichtigen Wahlkabinen geringere Möglichkeiten der Einflussnahme auf die stimmberechtigten Vertreter der FIFA-Mitgliedsverbände versprochen.

Champagne und Sexwale wollen durchhalten

Trotz der mangelnden Unterstützung einer Konföderation will der chancenlose Tokyo Sexwale seine Kandidatur nicht zurückziehen. "Es geht hier um die FIFA. Die FIFA ist ein kaputtes Haus und muss repariert werden. Sie werden morgen mehr hören, wenn ich auf der Bühne spreche", erklärte der Südafrikaner. Nur die Kandidaten dürfen am Freitag noch einmal 15 Minuten vor dem Kongress sprechen.

Auch der fünfte Bewerber Jérôme Champagne denkt nicht an eine vorzeitige Aufgabe. "Natürlich trete ich an. Ich rede nicht über hypothetische Dinge", sagte der Franzose auf die Frage, welchen Kandidaten er nach einem möglichen Aus bei der Wahl unterstützen werde. Im ersten Wahlgang braucht es zwei Drittel der Stimmen für einen Sieg, danach reichen mehr als 50 Prozent. Vom zweiten Wahlgang an scheidet jeweils der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus.

Stand: 26.02.2016, 18:01

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