FIFA - Die letzte Party vor der Wahl

Die Wahlurne bei der Präsidentenwahl 2015

Der Fußball-Weltverband sucht einen neuen Präsidenten

FIFA - Die letzte Party vor der Wahl

Die FIFA feiert sich bei der Kür des Weltfußballers in Zürich selbst. Eine deutlich spannendere Zeremonie ist im Februar mit der Wahl des neuen Präsidenten zu erwarten - die Hoffnungen auf einen echten Neuanfang sind angesichts der Kandidaten aber gering.

Wenn am Montagabend (11.01.2016) in Zürich beim "Ballon d'Or" alle Preise verliehen worden sind, wird am Ende kaum jemandem aufgefallen sein, das eine kleine Pokalübergabe gefehlt haben wird. Der "Presidential Award" ist ein Preis, den der gesperrte FIFA-Präsident Sepp Blatter 2001 ins Leben rief und seitdem nach eigenem Ermessen vergeben hat. 2012 erhielt beispielsweise Franz Beckenbauer den Preis. Beckenbauer habe bei der WM 2006 "mit Bravour" das Organisationskomitee geleitet. "Er organisierte eine Weltmeisterschaft, die man als perfekt bezeichnen kann", sagte Blatter damals.

Blatter und Beckenbauer 2012

Blatter und Beckenbauer 2012

Auf der WM 2006 liegt mittlerweile genauso ein Schatten der Korruption wie auf der ganzen FIFA, die durch Blatters Sperre derzeit ohne offiziellen Präsidenten auskommen muss. Der mit massiven Korruptionsvorwürfen belegte Vize-Präsident Issa Hayatou aus Kamerun vertritt Blatter zurzeit - der Preis des Präsidenten wird in diesem Jahr jedoch ausgesetzt.

Nach Sperren und Prüfungen bleiben fünf Kandidaten

Die Lücke wird erst am 26. Februar gefüllt, beim außerordentlichen FIFA-Kongress in Zürich soll der neue Präsident gewählt werden. Hayatou, der im Zuge der Affäre um den Sportrechtevermarkte ISL Schmiergeldzahlungen erhalten haben soll, schreibt im Vorwort der Tagesordnung: "Dieser Kongress ist ein Meilenstein in der Geschichte der FIFA - umso mehr, als wir nach schwierigen Zeiten alles daran setzen, unsere Glaubwürdigkeit und Stabilität zurückzugewinnen."

Nach einigen Sperren und nicht bestandenen Integritätsprüfungen sind fünf Männer übrig geblieben, die sich um das Amt bewerben: Scheich Salman bin Ebrahim al-Khalifa, Prinz Ali bin al-Hussein, Gianni Infantino, Tokyo Sexwale und Jérôme Champagne - alle Kandidaturen haben kleinere bis größere Probleme.

Scheich Salman: Die Menschenrechte

Salman Bin Ibrahim Al Khalifa

Salman Bin Ibrahim Al Khalifa

Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa ist Mitglied der Königsfamilie in Bahrain und gilt als der aussichtsreichste Kandidat. Einen Großteil der 209 möglichen Stimmen soll er bereits hinter sich haben - er ist der große Favorit. Seine Kandidatur wird von dem kuwaitischen Strippenzieher Scheich Ahmad Fahad Al-Sabah gefördert, der schon Thomas Bach bei der Wahl zum IOC-Präsidenten behilflich gewesen war.

Scheich Salmans Kandidatur steht auch unter dem Eindruck seiner Rolle bei den Aufständen in Bahrain 2011. Damals behaupteten Oppositionelle aus dem bahrainischen Fußball verhaftet und gefoltert worden zu sein, die bahrainische Menschenrechtsorganisation BIRD beklagte, mit ihren Hinweisen bei der FIFA "auf taube Ohren" gestoßen zu sein. Scheich Salman soll einem Komitee vorgestanden haben, dass die Verhaftungen und die Folter angewiesen haben soll. Salman bestreitet diese Vorwürfe und sagte jüngst in einem Interview bei Al-Jazeera: "Bis jetzt gibt es keine Beweise, nur Anschuldigungen." Die Fußballer zogen ihren Anschuldigungen kürzlich in Interview überraschend zurück. Die FIFA-Ethikkommission, die zuletzt erstaunlich harte Urteile fällte, ist nach Medienberichten in Sachen Scheich Salman aktiv.

Gianni Infantino: Platinis Vertrauter

Gianni Infantino

Gianni Infantino

Der amtierende UEFA-Generalsekretär trat nach einem "einstimmigen Entschluss" des UEFA-Exekutivkomitees in den Kreis der Kandidaten, während die Ermittlungen gegen seinen damaligen Chef und UEFA-Präsidenten Michel Platini noch liefen. Infantino, vor allem bekannt aus seinen fußballjuristischen Referaten vor den Auslosungen der europäischen Wettbewerbe, hat einen großen Vorteil: Zu seiner Person ist bislang kein Korruptionsskandal und keine Menschenrechtsverletzung bekannt. Seine frühere Nähe zu Michel Platini und seine jahrelange Arbeit innerhalb der aktuellen Strukturen sind die größten Probleme.

Außerdem ist unklar, ob er die Unterstützung vom mächtigen DFB erhält. "Das Präsidium wird in seiner nächsten Sitzung am 22. Januar darüber beraten, welchen Kandidaten der deutsche Fußball bei der Wahl unterstützen wird", sagte DFB-Interimspräsident Rauball am Freitag dem Sport-Informationsdienst.

Prinz Alis: der zweite Anlauf

Prinz Ali bin al-Hussein

Prinz Ali bin al-Hussein

Der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein schaffte Bemerkenswertes, als er bei Blatters letzter Wiederwahl am 29. Mai 2015 dem langjährigen Präsidenten einen zweiten Wahlgang abtrotzte. Selbst Platini sagte damals, dass Ali ein "großartiger Präsident" wäre. Damals wie heute hat er seinen asiatischen Kontinentalverband nicht geschlossen hinter sich, was vor allem an der Kandidatur von Scheich Salman liegen dürfte.

Ihm werden auch im zweiten Anlauf wenig Chancen eingeräumt, es diesmal zu schaffen. Prinz Ali sagt dennoch unentwegt: "Ich garantiere, dass ich die richtige Person für diesen Job bin." In einem BBC-Interview behauptet er, bereits 73 der 209 Verbände auf seiner Seite zu haben.

Tokyo Sexwale: unter Korruptionsverdacht

Tokyo Sexwale

Tokyo Sexwale

Der Südafrikaner gilt als Vertrauter von Sepp Blatter, was in der Öffentlichkeit kein Vorteil ist, bei der Wahl zum Präsidenten vielleicht schon. Sexwale war Kampfgenosse Nelson Mandelas, später Minister in seiner Heimat und wurde schließlich ein schwerreicher Geschäftsmann. Franz Beckenbauer lobte ihn: "Er hat zwar eine andere, eine politische Vergangenheit, aber er kennt sich im Sport aus. Er hat den Geruch der Neutralität."

Es gibt aber noch andere Düfte um Sexwale. Schließlich war er Teil des Organisationskomitees der WM 2010, dem im Zuge der Vergabe eine dubiose "Spende" von zehn Millionen US-Dollar an den Nord- und Mittelamerikanischen Verband CONCACAF unter dessen korrupten Präsident Jack Warner vorgeworfen wird. "Wir hatten eine saubere Weltmeisterschaft", sagt Sexwale einen Satz, wie man ihn manchen Austragungsländern gehört hat.

Jerome Champagne: Blatters Vertrauter

Jérôme Champagne

Jérôme Champagne

Champagne wollte schon einmal Präsident werden, weshalb ihn Sepp Blatter 2010 aus dem Paradies verbannte. Champagne war als "Direktor für internationale Beziehungen" lange ein enger Vertrauter Blatters, ehe der Amtsinhaber die Ambitionen Champagnes fürchtete und ihn absägte. Vor der Wahl 2015 bekam Champagne nicht genug Unterstützer für eine Kandidatur Zusammen, diesmal hat er die nötigen fünf Landesverbände hinter sich.

Champagne hatte 2015 als Einziger ein echtes Wahlprogramm, er fordert auch diesmal mehr Transparenz und Entwicklung, hofft unter seiner Führung auf eine "starke, demokratische, respektierte und proaktive FIFA." Seine Chancen sind trotzdem klein.

Kleine Reformen schon vor der Wahl angestoßen

Dass einer dieser Männer, allesamt Teil der kritisierten Strukturen, die FIFA entscheidend verändert, ist also kaum zu hoffen. Der große Neuanfang kommt eher durch noch mehr Druck durch die Justizbehörden aus der Schweiz und den USA zustande, auf die Selbstreinigungskräfte innerhalb der FIFA war bislang kein Verlass.

Immerhin hat die FIFA nun durch ihre Reformkommission selbst einige Änderungen angestoßen, die dem Kongress vorgeschlagen werden sollen. Ein Präsident hat demnach nur noch drei Amtszeiten von jeweils vier Jahren, außerdem sollen unabhängige Kommissionsmitglieder wichtige Finanzbeschlüsse absegnen. Ob der "Presidential Award" 2017 nochmal vergeben wird, muss dann aber der neue mächtige Mann in Zürich entscheiden.

nch | Stand: 11.01.2016, 14:39

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