Gianni Infantino ist neuer FIFA-Präsident

Gianni Infantino nach seiner Wahl zum FIFA-Präsidenten

Kongress in Zürich

Gianni Infantino ist neuer FIFA-Präsident

Der Schweizer Gianni Infantino ist zum Präsidenten des Fußball-Weltverbands FIFA gewählt worden. Der bisherige Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (UEFA) beerbt damit den gesperrten Joseph S. Blatter, der 17 Jahre lang an der FIFA-Spitze gestanden hatte.

Der 45-jährige Infantino setzte sich während des FIFA-Kongresses im Zürcher Hallenstadion im zweiten Wahlgang mit 115 der abgegebenen Stimmen gegen Asiens Verbandschef Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (Bahrain), Prinz Ali bin Al Hussein (Jordanien) und Jerome Champagne (Frankreich) durch. Der Südafrikaner Tokyo Sexwale hatte in letzter Minute zurückgezogen.

Infantino, der die FIFA aus der tiefsten Krise ihrer 112-jährigen Geschichte führen soll, sagte: "Die FIFA hat harte Momente hinter sich, Krisenmoment. Aber das ist jetzt vorbei. Wir möchten den Respekt der ganzen Welt. Wir werden mit Hingabe arbeiten, so dass wir uns wieder auf dieses wundervolle Spiel konzentrieren können."

Nur 88 Delegierte für Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa

Der bisherige Generalsekretär der UEFA, der nur wegen der Sperre gegen UEFA-Boss Michel Platini für das höchste FIFA-Amt angetreten war, setzte sich im Kopf-an-Kopf-Rennen gegen seinen größten Konkurrenten Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa im zweiten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von 115 der insgesamt 207 Stimmen durch. Für Scheich Salman votierten nur 88 Delegierte.

Der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein mit vier Stimmen und Jerome Champagne aus Frankreich ohne jegliche Unterstützung in der zweiten Runde waren chancenlos.

Infantino "will das Richtige tun"

Im ersten Durchgang Runde hatte keiner der insgesamt vier verbliebenen Kandidaten die für einen Sieg zunächst nötige Zweidrittelmehrheit erreicht. Der 62-jährige Südafrikaner Tokyo Sexwale hatte seine Kandidatur bereits vor dem ersten Urnengang zurückgezogen.

Infantino bestätigte in seiner Rede vor der Wahl allerdings auch viele seiner Kritiker. "Das Geld der FIFA gehört Ihnen", rief der Jurist in Richtung der Delegierten. Das war schon in den vergangenen Jahren die Taktik seines tief gefallenen Vorgängers Blatter: Gebt mir die Stimme, ich gebe Euch Geld. Aber Infantino "will das Richtige tun, das Richtige für die FIFA und den Fußball". Mit 89 Prozent der gültigen Stimmen wurde das dafür nötige Reformpaket abgesegnet. Unter anderem eine Gewaltenteilung, mehr Transparenz und Integrität sowie eine Frauenquote werden nun in die FIFA-Statuten implementiert. Die Veränderungen treten in 60 Tagen in Kraft.

Rainer Koch begrüßt Infantinos Wahl

DFB-Interimspräsident Rainer Koch hat die Wahl von Gianni Infantino ausdrücklich begrüßt. "Wir sind froh und erleichtert, dass Gianni Infantino gewonnen hat und der europäische Fußball weiter starken Einfluss nehmen kann", sagte Koch: "Zusammen mit dem Reformpaket macht das Mut und gibt Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Aber es gibt viel zu tun."

Blatter: "Würdiger Nachfolger"

Für Blatter ist Infantino ein "würdiger Nachfolger". Der neue Chef des Weltverbandes habe "alle Qualitäten, meine Arbeit fortzusetzen und die FIFA wieder zu stabilisieren", erklärte Blatter am Freitag. Infantino zeichne sich durch seine "Erfahrung, Kompetenz, strategische und diplomatische Fähigkeiten" aus. Eine Empfehlung für die Wahl seines Nachfolgers hatte der Schweizer Blatter nicht abgegeben.

Englischer Verband sieht Kulturwandel

Die Wahl Infantinos läutet nach Ansicht des englischen Fußballverbands FA einen Kulturwandel im Weltverband ein. "Es ist ein gutes Reformpaket", sagte FA-Chef Greg Dyke am Freitag dem BBC Radio 5. Zwar liefen noch strafrechtliche Ermittlungen, aber nun könne man einen Schlussstrich ziehen. "Was uns Sorgen gemacht hat, war, dass man nicht sehen konnte, dass sich die Kultur dieser Organisation wandelt. Jetzt, nach heute, gibt es einen Wandel."

Stand: 26.02.2016, 19:39

Darstellung: