FIFA-Ethikkommission sperrt Warner lebenslang

Jack Warner (l.), Sepp Blatter

Korruptionsskandal bei der FIFA

FIFA-Ethikkommission sperrt Warner lebenslang

Im Zuge des FIFA-Skandals möchte die verbandseigene Ethik-Kommission offenbar ein Zeichen setzen. Jack Warner, einer der Hauptdarsteller im Korruptionssumpf und langjähriger Intimus von Präsident Joseph Blatter, ist lebenslang gesperrt worden. Michael Platini hat unterdessen erklärt, weiterhin FIFA-Präsident werden zu wollen.

"Jack Warner verübte fortwährend und wiederholt verschiedene Vergehen, während er bei der FIFA und der CONCACAF als Funktionär verschiedene hochrangige und einflussreiche Ämter bekleidete", teilte die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert am Dienstag (29.09.2015) mit. Der frühere Chef der Karibischen Fußball-Union sei "ein Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten, sowie anderer Systeme zur Bereicherung" gewesen.

An dieser Einschätzung bestand schon länger kein Zweifel. Warner war bereits im Juni 2011 nach Vorwürfen der Bestechung bei den umstrittenen WM-Vergaben für 2018 (Russland) und 2022 (Katar) von allen Ämtern zurückgetreten. Zuletzt hatte zudem im Zuge der Ermittlungen gegen FIFA-Chef Joseph Blatter ein Vorgang aus dem Jahr 2005 für Brisanz gesorgt. Blatter soll damals mit Warner einen für die FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen haben. Warner gehört zu den in den USA angezeigten FIFA-Funktionären, denen ein Strafverfahren droht. Er ist derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß. Die Justiz in Trinidad und Tobago wird im Dezember über seine mögliche Auslieferung an die USA entscheiden.

Nächste Nebelkerze für Blatter?

Dass die FIFA-Ethikkommission nun eine lebenslange Sperre ausspricht, der ohnehin schon länge aus dem Verkehr gezogen ist, erweckt den Eindruck einer Nebelkerze. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Schweizer Ermittlungsbehörden seit vergangenem Freitag auch gegen FIFA-Präsident Blatter, Warners langjährigem Intimus im Weltverband, ermitteln. "Ich glaube nicht, dass dieser Schritt von den gegenwärtigen Problemen der FIFA ablenkt, so, wie sich die FIFA es wünscht", schrieb Warner bei Twitter: "Wenn ich sehe, was gerade in Zürich mit Sepp Blatter passiert, glaube ich nicht an einen Zufall."

Warners Name tauchte auch in der Strafanzeige gegen FIFA-Präsident Joseph Blatter auf. Dem Schweizer wird vorgeworfen, mit Warner, damals Präsident des karibischen Verbandes KFU, im Jahr 2005 einen für die FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen zu haben. Nach Chuck Blazer ist Warner, der bis 2011 im FIFA-Exekutivkomitee saß, der zweite CONCACAF-Funktionär, der lebenslang gesperrt wurde.

Umstrittene WM-Vergaben an Russland und Katar

FIFA-Chefermittler Cornel Borbely ermittelte seit Januar 2015 gegen den früheren CONCACAF-Präsidenten. Die Entscheidung, Warner lebenslang zu sperren, sei auf Basis der Untersuchungen der WM-Vergaben an Russland und Katar erfolgt, ließ die Ethikkommission außerdem mitteilen. In ihrem umstrittenen Fazit der Untersuchungen der WM-Vergaben hatten die Ethikrichter unter Eckerts Vorsitz allerdings keine groben Unregelmäßigkeiten feststellen können.

Die Kommission monierte zwar praktisch bei allen untersuchten Bewerbungen konkrete Verstöße und Verdachtsmomente. Kein Vergehen wurden aber als so gravierend eingestuft, dass es den Ausgang der WM-Vergabe an Russland und Katar im Dezember 2010 entscheidend beeinflusst hätte.

Platini hält an Kandidatur fest

UEFA-Präsident Michel Platini rückt derweil trotz der umstrittenen Annahme einer Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken durch die FIFA nicht von seiner Kandidatur für das Präsidenten-Amt des Fußball-Weltverbandes ab. "Ich bin immer noch entschlossen, für das Präsidentenamt der FIFA zu kandidieren", sagte der Franzose der Nachrichtenagentur AFP und betonte: "An meiner Integrität besteht kein Zweifel."

Bei der Eröffnung des Strafverfahrens gegen Blatter war Platini durch die Schweizer Bundesanwaltschaft als "Auskunftsperson" vernommen worden. Dabei ging es um eine Zahlung aus dem Jahr 2011. Platini erklärte, die Summe rechtmäßig als Honorar für eine frühere FIFA-Tätigkeit erhalten zu haben. Die ausgezahlte Summe sei der Restbetrag des vereinbarten Honorars gewesen, nachdem erste Teilbeträge gezahlt worden waren.

red/dpa/sid | Stand: 29.09.2015, 21:15

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