FIFA-Prozess in New York beginnt

Jose Maria Marin

Verfahren gegen drei Hauptangeklagte

FIFA-Prozess in New York beginnt

Mit der Auswahl der Geschworenen beginnt am Montag (06.11.2017) im FIFA-Korruptionsskandal vor einem Bundesgericht in New York der Prozess gegen drei Hauptangeklagte.

Im Verfahren gegen die früheren Verbandschefs Jose Maria Marin (Brasilien), Juan Angel Napout (Paraguay) und Manuel Burga (Peru) wegen Betrugs, Verschwörung und Geldwäsche könnten die Eröffnungsplädoyers ab dem 13. November gehalten werden. Alle drei Beschuldigten haben sich in allen Anklagepunkten für unschuldig erklärt.

Gesamtvolumen von 200 Millionen Dollar

Im Zuge der Beweisaufnahme will die Staatsanwaltschaft Dokumente in einem Umfang von 350.000 Blatt Papier vorlegen. Außerdem stehen mehrere Dutzend Personen auf der Zeugenliste der Anklage. Das Gesamtvolumen der illegalen Machenschaften soll sich auf 200 Millionen Dollar belaufen. Für die schwerwiegendsten Verbrechen drohen im Falle von Schuldsprüchen bis zu 20 Jahre Haft.

Die Aufdeckung des FIFA-Skandals im Frühsommer 2015 durch eine vor dem Kongress des Verbandes von der US-Justiz veranlasste Razzia der Schweizer Polizei in einem Zürcher Hotel hatte für weltweites Aufsehen gesorgt.

Viele Funktionäre im Fokus

Anschließend erhoben die US-Behörden gegen 42 teilweise hochrangige Funktionäre und Manager hauptsächlich aus dem Bereich der Kontinentalverbände CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik) und CONMEBOL (Südamerika) Anklagen.

24 Beschuldigten bekannten sich im Rahmen von Absprachen zugunsten milderer Strafen, die zum Teil noch ausstehen, schuldig. 15 Verdächtige warten in ihren Heimatländern außerhalb der USA auf Entscheidungen über US-Auslieferungsanträge, darunter auch der in die WM-Affäre in Deutschland verwickelte Strippenzieher Jack Warner (Trinidad und Tobago).

Marin nah dran an Blatter

Von drei verbleibenden Angeklagten ist Marin der prominenteste: Der 85-Jährige gehörte jahrelang zum innersten Führungszirkel des früheren FIFA-Bosses Joseph S. Blatter und fungierte auch als Chef der WM-Endrunde 2014 in seiner brasilianischen Heimat.

In zwei Fällen hat die zuständige Richterin Patricia Chen bereits Urteile gefällt. Dabei erhielt Ex-Generalsekretär Hector Trujillo aus Guatemala eine Haftstrafe von acht Monaten. Trujillos britisch-griechischer Ex-Kollege Costas Takkas von den Kaimaninseln wurde mit 15 Monaten Gefängnis belegt.

Infolge der beispiellosen Affäre verlor auch Blatter sein Amt. Der Schweizer ist wegen einer nicht zu begründenden Millionen-Zahlung an den früheren UEFA-Boss Michel Platini ebenso wie Frankreichs ehemaliger Weltstar von der FIFA-Ethikkommission für mehrere Jahre gesperrt worden.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 05.11., ab 22.45 Uhr

sid | Stand: 05.11.2017, 13:58

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