Die Ausgangslage vor der Wahl bei der FIFA

Vorbereitungen in Zürich für den außerordentlichen FIFA-Kongress

FIFA sucht Blatter-Nachfolger

Die Ausgangslage vor der Wahl bei der FIFA

Am Freitag wird der neue Präsident der FIFA gewählt. Am Ende des Wahlkampfes läuft alles auf zwei Favoriten hinaus.

Fünf Kandidaten wollen sich am Freitag (26.02.2016) - so der aktuelle Stand - zur Wahl stellen. Der neue FIFA-Präsident wird allerdings wohl nur zwischen zwei von ihnen ausgemacht: Gianni Infantino und Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa haben die mit Abstand besten Aussichten, die drei anderen gelten als chancenlos. Wer von den beiden Favoriten am Ende gewinnt und damit die Nachfolge des Interimspräsidenten Issa Hayatou antreten wird, ist allerdings völlig offen. Die Ausgangslage vor der Wahl im Überblick:

Diese Stimmen gibt es zu holen

209 Verbände sind in der FIFA organisiert, mindestens 207 von ihnen sind am Freitag bei dem außerordentlichen FIFA-Kongress in Zürich stimmberechtigt - je nachdem, ob die Suspendierungen von Kuwait und Indonesien noch aufgehoben werden. Danach sieht es allerdings eher nicht aus - das Exekutivkomitee empfahl gestern, die Sperren aufrechtzuerhalten. Für einen Sieg sind ab dem zweiten Wahlgang also 105 bzw. 104 Stimmen notwendig.

Die Verbände und Stimmen teilen sich wie folgt auf die sechs Konföderationen auf: Europa (UEFA) hat 53 Stimmen, Afrika (CAF) 54, Asien (AFC) 44, Nord-/Mittelamerika (CONCACAF) 35, Ozeanien (OFC) 11, Südamerika (CONMEBOL) 10.

Jeder Verband kann selbst bestimmen, wen er wählt. Doch die Konföderationen geben Empfehlungen an ihre Verbände aus. Und die große Frage ist: Wer kann mit der Unterstützung aus welcher Konföderationen rechnen? Und gibt es dort Ausreißer?

Gianni Infantino

Gianni Infantino

Gianni Infantino

Der UEFA-Generalsekretär darf auf eine überwältigende Mehrheit aus Europa setzen, knapp 50 der 53 UEFA-Vertreter wähnt er bereits fix auf seiner Seite, dazu gehört auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Wie der DFB mitteilte, wird designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel wird bei der Präsidentschaftswahl die deutsche Stimme abgeben. Für Infantino sprachen sich zudem sieben FIFA-Mitglieder aus Zentralamerika aus. Die zehn Vertreter Südamerikas hatten ebenfalls ihre Unterstützung signalisiert, später galt das wieder wackelig. Infantino präsentierte zudem Stimmzusagen von vier weiteren Mitgliedern aus der 35-köpfigen Delegation des CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik). Infantino beruft sich zudem nach eigenen Angaben auf eine Mehrheit in Afrika - was allerdings nicht als sicher gilt.

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa

Denn auch der Kandidat aus Bahrain macht sich die Hoffnung auf zahlreiche Stimmen in Afrika. Er wird zudem vom afrikanischen Dachverband offen unterstützt. Der CAF sprach an seine 54 Mitglieder eine klare Wahlempfehlung für Scheich Salman aus. Die asiatische Heimat-Konföderation des AFC-Präsidenten forderte seine aktuell stimmberechtigten 44 Verbände ebenfalls zu einer Wahl des Scheichs auf.

Salman warb am Tag vor der Wahl noch um Stimmen bei den Verbänden der CONCACAF und machte ihnen überraschende Wahlversprechen. In den Reformen, die beim Kongress vor der Wahl des Präsidenten verabschiedet werden sollen, ist aus Kosten- und Strukturgründen eine Reduzierung der 26 Komitees auf künftig nur noch neun vorgesehen. "Ich verspreche, dass sich die Zahlen nicht ändern", sagte Salman. Die Sitzvergabe in den Komitees galt unter dem gesperrten FIFA-Präsidenten Blatter als Möglichkeit für Vetternwirtschaft.

Die Unentschiedenen

Es zeichnet sich also ein enger Verlauf ab. Und so könnten neben den offenbar wankelmütigen Afrikanern und Amerikanern auch die bislang offiziell unentschlossenen elf Verbände aus Ozeanien mitentscheidende Faktoren werden. Die Konföderation hat für Donnerstag alle fünf Kandidaten zu einem Gespräch eingeladen.

Die anderen Kandidaten

Prinz Ali bin al-Hussein hatte im vergangenen Jahr als einziger Gegenkandidat Blatters viele Stimmen bekommen, die nun auf die beiden Favoriten entfallen werden. Diesmal gibt es bislang nur einzelne Zusagen aus Malta oder Irak. Jérôme Champagne und Tokyo Sexwale sind noch größere Außenseiter.

Seine Kandidatur zurückziehen will bislang keiner von ihnen, Sexwale verwies auf das Rederecht, das nur Kandidaten zusteht und das er nutzen will. Darüber hinaus haben diese drei Kandidaten wohl nur noch ein Wörtchen bei der künftigen Besetzung des FIFA-Throns mitzureden, wenn sie sich zurückziehen oder im Laufe der Wahl ausscheiden. Die Frage, welchen der zwei Favoriten sie im Anschluss unterstützen, könnte dann am Ende womöglich entscheidend für den Ausgang der Wahl sein.

Der Zeitplan

Nicht vor 13 Uhr soll das Wahlprozedere beginnen. Der Vormittag steht nach der Begrüßung um 9.30 Uhr im Zeichen der Abstimmung über das Reformpaket, für das eine Dreiviertelmehrheit benötigt wird. Alle fünf Präsidentschaftskandidaten dürfen 15 Minuten vor dem Kongress reden. Für einen Wahlgang kalkuliert die FIFA rund 80 Minuten. Bei fünf möglichen Wahlgängen könnte sich der Kongress also bis in die Abendstunden ziehen.

nch | Stand: 25.02.2016, 13:00

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