Funktionäre der FIFA - Verhaftet, verdächtig, verwarnt

Funktionäre der FIFA - Verhaftet, verdächtig, verwarnt

Der Weltfußballverband FIFA ist für die US-Justiz eine kriminelle Organisation. Tatsächlich gilt kaum noch jemand aus der Riege der meist alten Herren als unbescholten.

Sepp Blatter

Vorne links Michel Platini, Vizepräsident der FIFA und derzeit provisorisch gesperrt. Rechts daneben Issa Hayatou, kommissarischer Präsident der FIFA. Nach Informationen der ARD soll er eine Millionenzahlung dafür erhalten haben, Katar seine Stimme bei der Vergabe der WM 2022 gegeben zu haben. Das IOC hatte ihm 2011 nach Bestechungsvorwürfen einen Verweis erteilt. Rechts vorne dann Joseph S. Blatter, derzeit gesperrter Präsident der FIFA. Er beteuert weiter seine Unschuld. Nun gut. Warum sollte der jahrelange Chef des Ganzen sauber sein?

Vorne links Michel Platini, Vizepräsident der FIFA und derzeit provisorisch gesperrt. Rechts daneben Issa Hayatou, kommissarischer Präsident der FIFA. Nach Informationen der ARD soll er eine Millionenzahlung dafür erhalten haben, Katar seine Stimme bei der Vergabe der WM 2022 gegeben zu haben. Das IOC hatte ihm 2011 nach Bestechungsvorwürfen einen Verweis erteilt. Rechts vorne dann Joseph S. Blatter, derzeit gesperrter Präsident der FIFA. Er beteuert weiter seine Unschuld. Nun gut. Warum sollte der jahrelange Chef des Ganzen sauber sein?

Am 2. Dezember 2010 traf das Exekutivkomitee die heftig kritisierte Entscheidung, die Weltmeisterschaft 2018 an Russland und die 2022 an Katar zu vergeben. Dem Gremium gehörten 24 Männer an. Kaum einer von ihnen ist unbescholten, auch in der aktuellen Besetzung finden sich fragwürdige Herren. Es folgt ein Überblick, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Name: Joseph S. Blatter (Schweiz)

Status: gesperrt

Die Ethikkommission der FIFA zog Blatter wegen einer Millionenzahlung an UEFA-Boss und FIFA-Vize Michel Platini für zunächst 90 Tage aus dem Verkehr. Mittlerweile befasst sich bereits die rechtsprechende Kammer mit seinem Fall, im für ihn schlimmsten Fall droht Blatter ein lebenslanger Ausschluss aus dem Fußball. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt zudem gegen Blatter wegen des Verkaufs von TV-Rechten zu Dumping-Preisen.

Name: Michel Platini (Frankreich)

Status: gesperrt

Platini war lange Zeit Favorit auf die Nachfolge von Blatter als FIFA-Präsident. Die dubiose Millionen-Zahlung des Schweizers wurde jedoch auch dem Franzosen zum Verhängnis. Dem früheren Weltklassefußballer droht eine lebenslange Sperre.

Name: Franz Beckenbauer (Deutschland)

Status: verdächtig

Beckenbauer steht im Mittelpunkt der Affäre um die WM 2006, gab sich in einigen Interviews aber hartnäckig ahnungslos. Auch in Bezug auf die Entscheidungen von 2010 steht Beckenbauer weiter im Fokus, sein Fall liegt der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission zur Entscheidung vor. Schied 2011 aus der Exekutive der FIFA aus, wurde im Sommer 2014 kurzzeitig ebenfalls von der Ethikkommission gesperrt.

Name: Issa Hayatou (Kamerun)

Status: umstritten

Hayatou steht dem Weltverband zunächst bis zum Ablauf von Blatters Sperre am 5. Januar 2016 vor. Der Kameruner soll nach ARD-Berichten eine Millionen-Zahlung erhalten haben, um bei der fraglichen Wahl für Katar zu stimmen. Das Internationale Olympische Komitee erteilte nach Bestechungsvorwürfen 2011 ein Verweis.

Name: Jack Warner (Trinidad & Tobago)

Status: angeklagt

Warner ist eine der Schlüsselfiguren des korrupten Systems, das fiel auch der FIFA irgendwann auf. Die Ethikkommission sperrte den Funktionär aus der Karibik lebenslang, er habe eine Hauptrolle beim Anbieten, Annehmen und Akzeptieren von illegalen Zahlungen gespielt. Weiterhin kämpft er in seinem Heimatland gegen eine Auslieferung in die USA. Warner gehört dort zu den angezeigten FIFA-Funktionären, denen ein Strafverfahren droht.

Name: Mohamed bin Hammam (Katar)

Status: gesperrt

Bin Hammam spielte eine Schlüsselrolle bei der erfolgreichen Bewerbung Katars. Der Unternehmer soll neben Schmiergeldzahlungen an zahlreiche Funktionäre auch seine wirtschaftlichen und politischen Kontakte missbraucht haben. Er verließ die Exekutive 2012 und ist mittlerweile lebenslang gesperrt.

Name: Reynald Temarri (Tahiti)

Status: gesperrt

Temarii war schon vor der Entscheidung 2010 gesperrt - wegen vermeintlichen Stimmenkaufs. Sitzt aktuell eine achtjährige Sperre ab, weil er Geld von Bin Hammam angenommen hat.

Name: Amos Ademu (Nigeria)

Status: gesperrt

Ademu war vor 2010 in Stimmenkauf verstrickt, wurde für drei Jahre gesperrt und konnte an der damaligen Wahl nicht teilnehmen. Nun steht auch er im Zentrum neuer FIFA-Ermittlungen.

Name: Chuck Blazer (USA)

Status: angeklagt

Als Kronzeuge gab Blazer den US-Behörden ausführlich Auskunft über korrupte Machenschaften der anderen FIFA-Funktionäre. Der Amerikaner hat die Annahme von Schmiergeldern eingeräumt und zahlreiche Verdächtige beim Namen genannt.

Name: Nicolas Leoz (Paraguay)

Status: angeklagt

Leoz, der frühere Präsident der Südamerika-Konföderation Conmebol, steht vor einer Auslieferung in die USA im Rahmen der Schmiergeld-Ermittlungen. Er steht unter Hausarrest.

Name: Ricardo Teixeira (Brasilien)

Status: verstrickt

Teixeira ist nachweislich in die ISL-Korruptionsaffäre beim Weltverband verstrickt, soll in diesem Zusammenhang Millionen-Zahlungen angenommen haben. Der Ex-Schwiegersohn des ehemaligen FIFA-Bosses und hochgradig korrupten Joao Havelange verabschiedete sich 2012 aus dem Exekutivkomitee und legte sein Amt als Chef des brasilianischen Verbandes nieder. Seit Jahren wird gegen ihn auch in Brasilien wegen korrupter Machenschaften ermittelt.


Name: Angel Maria Villar Llona (Spanien)

Status: verwarnt

Der spanische Verbandspräsident und zugleich geschäftsführende Interimschef der Europäischen Fußball-Union (UEFA) wurde von der Ethikkommission verwarnt. Zudem muss er eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Schweizer Franken zahlen. Dem Exekutivmitglied der UEFA und FIFA wird laut Mitteilung der Ethikkommission ein "Fehlverhalten" in Verbindung mit der Untersuchung der WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) vorgeworfen.

Name: Alfredo Hawit (Honduras)

Status: verhaftet

Das Exekutivkomitee der FIFA tagte am 3. Dezember 2015 in Zürich, um über dringend notwendige Reformen zu sprechen. Hawit fehlte dann, weil er am frühen Morgen in einem Luxushotel verhaftet wurde. Vorwurf: Bestechung. Der Präsident des Kontinentalverbandes Concacaf (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik) sitzt in Auslieferungshaft. Hawit widersetzt sich der Auslieferung. Er ist der Nachfolger des im Mai 2015 ebenfalls in Zürich verhafteten ehemaligen Concacaf-Bosses Jeffrey Webb (Kaimaninseln), der seiner Auslieferung in die USA bereits zugestimmt hatte und seitdem als möglicher Kronzeuge gilt.

Name: Juan Angel Napout (Paraguay)

Status: verhaftet

Auch bei Napout schlugen die Behörden am 3. Dezember 2015 zu. Auch er wurde verhaftet. Napout, Präsident des südamerikanischen Verbandes Conmebol lehnt eine Auslieferung an die USA ab.

Name: Witali Mutko (Russland)

Status: bisher unbescholten

Mutko hat ein großes Problem mit dem Dopingskandal in der russischen Leichtathletik. Er gibt dabei wahrlich keine gute Figur ab. Bezeichnend, dass er als aktuelles Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees dennoch als unbescholten gilt.

Name: Wolfgang Niersbach (Deutschland)

Status: geduldet

Als Vertreter des DFB sitzt Niersbach im Exekutivkomitee der FIFA, obwohl er wegen seiner zwielichtigen Rolle in der Affäre um die Vergabe der WM 2006 als Präsident des deutschen Verbandes zurück trat. Sollte sich die Etikkommission der FIFA des Falles annehmen, könnte es für ihn eng werden.

Stand: 03.12.2015, 12:20 Uhr

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