Englischer Verbandspräsident schlägt gemeinsames Coming-Out vor

Der englische Fußballverbandspräsident Greg Clarke

Premier League

Englischer Verbandspräsident schlägt gemeinsames Coming-Out vor

Der englische Verbandspräsident Greg Clarke hat ein gemeinschaftliches Coming-Out mehrerer schwuler Premier-League-Fußballer zur neuen Saison vorgeschlagen.

In einem Gespräch mit der Tageszeitung "Times" erklärte Clarke, er habe in den vergangenen Wochen mit mehreren schwulen Top-Fußballern gesprochen und ihnen empfohlen, sich gemeinsam zu outen. "Warum wählen wir nicht einen gemeinsamen Weg", so Clarke. So müssten nicht Einzelpersonen den schweren Schritt gehen.

Ein guter Termin wäre nach Clarkes Meinung der Saisonstart im Sommer. "Zum Saisonstart sind alle optimistisch, die Massen sind glücklich und die Sonne scheint."

Netzwerk der queeren Fußballfans begrüßt die Idee

Kurz nach seinem Amtsantritt vor wenigen Monaten hatte Clarke schwulen Spielern aus Angst vor homophoben Reaktionen noch davon abgeraten, sich zu outen. Er betonte weiterhin, dass niemand zu einem Coming-out gezwungen werden solle, so Clarke. "Das wäre nicht richtig. Die Leute sind vorsichtig. Sobald es raus ist, gibt es kein Zurück mehr."

Beim Netzwerk der queeren Fußball-Fanclubs in Europa steht man dem Vorschlag generell positiv gegenüber: "Dass die Initiative vom Präsidenten der FA ausgeht, ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung", so Sprecher Sven Kistner zu sportschau.de. Ob das nun in einer gemeinschaftlichen Aktion passieren soll oder auf anderem Wege, sei zweitrangig: "Wichtig ist, dass ein Umfeld geschaffen wird, in dem ein Spieler zu seiner Sexualität stehen kann", so Kistner weiter.

Kaum Coming-Outs bei Fußballprofis

In Großbritannien hat sich bislang nur ein Profi während seiner aktiven Karriere geoutet. Justin Fashanu machte 1990 seine Homosexualität öffentlich bekannt. Seine Karriere beschädigte das nachhaltig, in englischen Profiteams kam der hochtalentierte Fußballer nicht mehr zum Zuge. 1998 beging er nach nie bestätigten Missbrauchsvorwürfen Selbstmord.

In Deutschland outete sich Anfang 2014 der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Allerdings hatte er seine Karriere zu diesem Zeitpunkt bereits beendet.

Stand: 11.01.2017, 14:07

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