Bundesliga international zu selten konkurrenzfähig

Der 1. FC Köln, Timo Werner, Sandro Wagner und Borussia Dortmund

Rückschläge in Champions League und Europa League

Bundesliga international zu selten konkurrenzfähig

Von Jörg Strohschein

Die Bundesliga sieht sich gerne als eine der führenden Ligen in Europa. Auf dem internationalen Parkett bewegen sich die Klubs aber allzu häufig auf Glatteis. Die aktuelle und die Bilanz der vergangenen Jahre ist ernüchternd. Ein Kommentar.

Es war nicht nur die Niederlage an sich, die für Ernüchterung bei den Beteiligten von Borussia Dortmund sorgte. Das 1:3 gegen Real Madrid war deshalb so einschneidend, weil die Überlegenheit der Spanier phasenweise überdeutlich war und die erste Heimniederlage des BVB gegen die "Königlichen" noch deutlich höher hätte ausfallen können.

Die derzeitige Bilanz der deutschen Teilnehmer an den europäischen Wettbewerben ist vor allem eines: ernüchternd. Ein Sieg, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen. Dazu das Freiburg-Aus in der Qualifikation gegen das slowenische Team NK Domzale.

Die Bundesliga, die sich selbst zu den Top-Ligen und mindestens als Nummer drei hinter Spanien und England zählt, lässt weiter Federn und ist in der Uefa-Fünfjahreswertung mittlerweile auf Rang drei abgerutscht. Tendenz weiter fallend.

Rekord bei den Sommertransfers

"Mich bedrückt, dass wir immer häufiger auch gegen Mannschaften aus Ländern verlieren, die viel geringere finanzielle Möglichkeiten haben als wir. Das ist ein Riesenproblem für die Fünf-Jahres-Wertung", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke unlängst. Dabei haben die deutschen Klubs einen neuen Transferrekord in diesem Sommer aufgestellt und rund 547 Millionen Euro in neue Spieler investiert.

Im Vergleich zu England (rund 1,5 Milliarden Euro) bewegen sich die deutschen Transfer-Ausgaben zwar noch im Rahmen - sind aber dennoch eindrucksvoll. Selbst der für hiesige Verhältnisse wenig finanzkräftige SC Freiburg hat bei entsprechenden Einnahmen über 19 Millionen Euro investiert. Gegner Domzale hat gerade einmal 150.000 Euro für neues kickendes Personal ausgegeben.

Und so stellt sich nicht allein in Freiburg die Frage, ob die finanzielle Finanzkraft der deutschen Vertreter sich in zwei Partien (Hin- und Rückspiele) nicht auch regelmäßiger auf dem Fußballplatz Ausdruck verschaffen müsste.

Allein Leidenschaft und Kampfkraft reichen nicht mehr aus

Während der FC Bayern das einzige deutsche Team ist, das sich überhaupt noch Chancen auf einen internationalen Titelgewinn ausrechnen kann, sind alle weiteren Bundesligisten stets nur darum bemüht, die Gruppenphasen zu überstehen - und geben sich meistens damit auch zu zufrieden. Dass die Bayern in Paris ebenfalls eine herbe Pleite kassierten, passt allerdings ins Bild der unerfreulichen Entwicklung.

Nicht vorhandenes Spielglück, viel Pech, mangelnde Chancenauswertung oder auch unzureichende internationale Erfahrung werden im Nachklang häufig als Gründe und auch Ausreden für das Scheitern genannt.

Bei genauerer Betrachtungweise sind es aber zumeist individuell technische und spielerische Mängel, die die deutschen Teams in Schwierigkeiten bringen. Passspiel und die Fähigkeit, Dribblings in höchstem Tempo erfolgreich zu beenden, sind seit längerer Zeit nicht gerade ausgeprägt in der Bundesliga.

Leidenschaft und Kampfkraft allein sind, anders als in früheren Jahren, nicht mehr ausreichend, um auf internationalem Niveau nachhaltig erfolgreich zu sein. Gerade die äußerst erfolgreichen spanischen Teams machen seit geraumer Zeit vor, wie sich fußballerische Elemente mit körperlicher Leistungsfähigkeit vereinen müssen.

Gehöriger Nachholbedarf

Es ist deshalb auch kein Zufall, dass in den letzten 20 Jahren die deutschen Europa-League-Teilnehmer keinen Titel mehr holen konnten. 1997 war es dem FC Schalke 04 letztmals gelungen, im Vorgängerwettbewerb den Cup zu gewinnen.

Die rasante Entwicklung, die die deutschen Klubs in den vergangenen Jahren in ihrer finanziellen Ausstattung auf die Überholspur geführt haben, schlägt sich noch nicht auf dem Rasen nieder. Dort haben die Bundesligaklubs noch gehörigen Nachholbedarf.

Stand: 27.09.2017, 11:32

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