China dreht im Fußball das große Rad

Fans bei einem Spiel der Chinese Super League

Millionentransfers, irrsinnige Gehälter und große Pläne

China dreht im Fußball das große Rad

Von Marcus Bark

Irrsinnige Gehälter, hohe Ablösesummen und große Pläne: China will zu einer großen Fußballnation werden. Vielleicht auch mit Lukas Podolski? Unterstützung des DFB gäbe es auch ohne den Weltmeister.

Die Internetpräsenz der Chinese Super League ist nur Usern zu empfehlen, die des Chinesischen mächtig sind. Allen anderen bleibt ein Rätsel, was in dem Video zu erfahren ist, in dem Lukas Podolski die Hauptrolle spielt. Es gibt ja Gerüchte, dass auch der deutsche Weltmeister mit einem irrsinnigen Gehalt nach China gelockt werden soll.

Wenn es stimmt, was so geschrieben wird, verdient Carlos Tévez in den kommenden beiden Jahren etwa 80 Millionen Euro bei seinem neuen Klub Shanghai Shenhua. Der Argentinier wechselt von den Boca Juniors in den Fernen Osten, der sich in den vergangenen Tagen, Wochen, Monaten und Jahren schon mit einigen Fußballern schmückte, die als Stars gelten, bisweilen sogar als Topstars.

Galatasaray bestätigt Angebot für Podolski

Lukas Podolski wäre der erste prominente deutsche Spieler in der CSL. Sein aktueller Verein Galatasaray bestätigte einer türkischen Nachrichtenagentur, dass Beijing Guoan ein Angebot abgegeben habe, das der Verein aus Istanbul prüfen wolle, falls Podolski wechseln wolle. Ob der Weltmeister das will, fragte sportschau.de bei seinem Berater nach. Eine Antwort steht aus.

Hulk, Tévez, Podolski, auch Ezequiel Lavezzi - es sieht so aus, als schütteten chinesische Großkonzerne, ob staatlich oder privat, ihr Füllhorn aus, um Stars anzulocken, die ihre besten Jahre hinter sich haben. Doch es gibt auch Oscar, den 25 Jahre alten Brasilianer, für den Shanghai IPG angeblich mehr als 70 Millionen Euro an den FC Chelsea überwies.

Interesse in Europa tendiert gegen Null

Die Mittel sind nahezu grenzenlos in China, allerdings sind die Plätze im Kader für ausländische Spieler begrenzt. Nur fünf dürfen es derzeit bei jedem der 16 Klubs in der höchsten Liga sein. Das Interesse in Europa an der Chinese Super League tendiert gegen Null, wenn nicht gerade wieder spektakuläre Transfers anstehen. Der Guangzhou Evergrande FC ist in den vergangenen sechs Jahren - die Saison beginnt etwa Ende Februar und endet im Oktober - Meister geworden.

Felix Magath

Felix Magath trainiert den Shandong Luneng Taishan FC.

Schon die Namen der Trainer zeigen, welche Ambitionen der Klub hat. Auf Marcello Lippi, den Weltmeistertrainer Italiens von 2006, folgte Fabio Cannavaro, der als Lippis Kapitän in Deutschland den Titel gewann. Aktuell ist Luiz Felipe Scolari Trainer in Guangzhou, Weltmeister mit Brasilien 2002. Er hat weitere prominente Kollegen, etwa André Villas-Boas und Felix Magath, der beim Shandong Luneng Taishan FC arbeitet.

Marcello Lippi trainiert inzwischen die chinesische Nationalmannschaft. Der Erfolg ist sehr bescheiden. Ohne Sieg nach fünf Spielen belegt die Mannschaft den letzten Tabellenplatz in ihrer Qualifikationsgruppe. Theoretisch könnte es noch gelingen an der Weltmeisterschaft 2018 in Russland teilzunehmen. Aber die Chance ist gering.

Geduld ist jedoch ohnehin gefragt auf dem Weg zu einer starken Fußballnation. Dazu gehört eine starke Liga im eigenen Land, eine konkurrenzfähige Nationalmannschaft und vor allem das Bestreben, selbst mal eine Weltmeisterschaft auszurichten. Frühestens 2030 könnte es so weit sein, denn für 2026 ist ein asiatischer Verband ohne Chance, da die WM vier Jahre zuvor in Katar ausgetragen wird. China hat schon angekündigt, sich für 2030 zu bewerben. Im Raum steht auch, dass Argentinien und Uruguay gemeinsam ins Rennen gehen. Sie setzen dabei auf die Romantik im Exekutivkomitee der FIFA. Die erste WM 1930 wurde in Uruguay ausgetragen.

Romantik oder Megamarkt?

Wenn es um das Turnier 100 Jahre später geht, dürfte also die Wahl zwischen Romantik und einem Megamarkt bestehen. Der Deutsche Fußball-Bund hat sich schon entschieden. "Wir werden China bei einer WM-Bewerbung unterstützen", sagte Generalsekretär Friedrich Curtius. Der DFB und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) haben im November 2016 mehrere Abkommen mit China unterschrieben. Nicht in Frankfurt, wo die Verbände ihren Sitz haben, sondern im Bundeskanzleramt. Die Regierungen der beiden Staaten sind an den Abkommen beteiligt. Es wird am großen Rad gedreht.

Stand: 29.12.2016, 11:10

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