Boxing Day in der Premier League - aus Tradition ein volles Programm

Jürgen Klopp

Fußball in England

Boxing Day in der Premier League - aus Tradition ein volles Programm

Der "Boxing Day" ist eine in der Premier League liebgewonnene Tradition, die für volle Stadien, Trainer-Ärger und große Belastungen der Mannschaften sorgt. In diesem Jahr haben die Spitzenteams allesamt machbare Aufgaben vor sich.

Ganz so schlimm wie im Jahr 1888, als Everton am so genannten "Boxing Day" innerhalb von 30 Stunden gleich drei Partien in Folge absolvieren musste, wird es in diesem Jahr keinen der 20 Premier-League-Klubs treffen.

Doch wie schon seit rund 130 Jahren, seitdem es diesen in Europa einmaligen Spieltag gibt, ist das Programm straff. Ohnehin ist die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel eine anspruchsvolle Zeit für die Profis von der Insel. Zwischen dem 22. Dezember und dem 3. Januar werden in der Premier League gleich vier Spieltage absolviert.

Menschliche Geste am 2. Weihnachtstag

Lange stand der 25. Dezember in England im Fußball-Fokus, der familiäre Geschenke-Tag, ehe der Verband ab 1966 komplett auf den 26. Dezember umschwenkte. Als sich das Fernsehen durchsetzte und die Ansprache der Queen das wichtigste Ereignis dieses weihnachtlichen Tages wurde, musste der Fußball einen Tag weiter ziehen. Und dieser ist stets ein besonderer (Fußball-)Tag auf der Insel: Die Stadien sind immer voll, dazu sitzen viele Millionen Anhänger in den Pubs oder vor dem heimischen Fernseher.

Die Bezeichnung "Boxing Day" entspringt allerdings keineswegs einer anderen, handfesten Sportart. Vielmehr ist der Hintergrund eine menschliche Geste: Einst wurden die Bediensteten in den Commonwealth-Ländern von ihrem Arbeitgeber am Tag nach dem 1. Weihnachtstag traditionell beschenkt, mit Hilfe einer Geschenkschachtel oder auch einer "Christmas Box".

Für Ausländer eine gewöhnungsbedürftige Regelung

Deshalb heißt der 2. Weihnachtstag im allgemeinen britischen Sprachgebrauch "Boxing Day". Das gilt auch in Australien, Neuseeland oder ehemaligen britischen Kolonien in Afrika und der Karibik.

Gerade für die vielen ausländischen Spieler und Trainer in der Premier League ist dieser Rhythmus rund um die Feiertage gewöhnungsbedürftig. "Jeder fragt sich, warum England bei großen Turnieren nicht so erfolgreich ist. Fragt lieber, was andere große Nationen in dieser Zeit machen - sie legen sich auf die Couch und schauen Premier League", schimpfte Jürgen Klopp bereits im vergangenen Jahr über das Fehlen einer Winterpause in England.

Liverpool gegen den Tabellenletzten

Der Trainer des FC Liverpool, derzeit Tabellenvierter, kann diesen ungeliebten Termin aber auch in dieser Saison nicht umgehen und muss mit seinem Team an der Anfield Road gegen Schlusslicht Swansea City (18.30 Uhr) antreten.

Den Auftakt des Spieltags machen aber Tottenham Hotspur und der FC Southampton (13.30 Uhr). Während die "Spurs" um die Champions-League-Qualifikation kämpfen, geht es bei Southampton darum, nicht in noch tiefere Tabellenregionen abzurutschen.

Der Tabellenzweite Manchester United von Trainer José Mourinho muss im "Theater der Träume" gegen das Überraschungsteam und den Tabellensiebten FC Burnley nachweisen, dass es auch weiterhin ein ernst zu nehmender Verfolger von Stadtrivale Manchester City sein kann.

Das jüngste Remis bei Leicester City am vergangenen Samstag (2:2) hat daran zumindest leichte Zweifel aufkommen lassen. Weitere Punkte darf das Mourinho-Team nun nicht mehr abgeben.

Die "Gunners" haben viel Zeit

Tabellenprimus Manchester City scheint eine machbare Aufgabe - allerdings erst eine Tag später - vor sich zu haben. Die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola tritt erst am Mittwoch (20.45 Uhr) bei Aufsteiger Newcastle United an und hat sich nicht weniger als den 18. Sieg in Folge vorgenommen.

Die größte Zeit zur Regeneration hat der FC Arsenal. Die "Gunners", die am vergangenen Freitag ein spektakuläres Spiel gegen Liverpool zeigten (3:3), müssen erst am Donnerstag (21 Uhr) bei Crystal Palace ran.

Stand: 25.12.2017, 08:30

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