Blatter und Platini legen Einspruch gegen Sperre ein

FIFA-Präsident Sepp Blatter (l.) und Michel Platini

Korruptionsskandal bei der FIFA

Blatter und Platini legen Einspruch gegen Sperre ein

Die FIFA-Ethikkommission hat Fußball-Weltverbandspräsident Joseph Blatter und UEFA-Chef Michel Platini für jeweils 90 Tage vorläufig gesperrt. Beide haben gegen die Sperre fristgerecht Einspruch eingelegt.

Das gab die rechtsprechende Kammer des Gremiums am Donnerstag bekannt. Auch FIFA-Vizepräsident Michel Platini (Frankreich), in Personalunion Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA), darf zunächst 90 Tage keine Funktionen im Fußball ausüben. Dieser Bann könne noch um maximal 45 Tage ausgedehnt werden, während dieser Zeit seien beide Top-Funktionäre von allen Fußball-Aktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene ausgeschlossen, teilte die rechtsprechende Kammer unter Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert am Donnerstag mit.

Die Kammer begründete ihre Entscheidung mit dem Verdacht auf Verstöße des 79-jährigen Blatter gegen den FIFA-Ethikcode. Bereits Ende September hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren gegen Blatter, der seit 1998 an der FIFA-Spitze gestanden hatte, eingeleitet. Ihr zufolge besteht der Verdacht, dass Blatter im September 2005 mit dem Karibischen Fußballverband einen für die Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat. Außerdem wird Blatter zur Last gelegt, im Jahr 2011 eine Zahlung von zwei Millionen Franken an Platini zulasten des Weltfußballverbands veranlasst zu haben. Anwälte Blatters haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

Platini und Blatter legen Einspruch ein

Platini zeigte sich in einer Mitteilung extrem kämpferisch. "Nichts wird mich dazu bringen, aufzugeben", erklärte er. Die Entscheidung gegen ihn bezeichnete er als eine "Posse", die Vorwürfe seien falsch, "erstaunlich vage" und basierten "auf bloßen Vermutungen". Und so erklärte er: "Ich möchte, dass alle wissen: Mehr als ein Gefühl der Ungerechtigkeit oder der Wunsch nach Rache treibt mich das Gefühl von Trotz an."

Auch Joseph S. Blatter hat Einspruch gegen seine provisorische 90-Tage-Suspendierung eingelegt. Wie Richard Cullen, Anwalt des Präsidenten des Fußball-Weltverbandes, am Freitagmorgen mitteilte, sei der Einspruch bereits am Donnerstag eingereicht worden. Über den Einspruch muss die FIFA-Berufungskommission unter dem Vorsitzenden Larry Mussenden befinden.

Den FIFA-Statuten gemäß übernimmt FIFA-Vizepräsident Issa Hayatou (Kamerun) interimsweise Blatters Amtsgeschäfte. Die UEFA hat den Ersten Vizepräsidenten Angel Maria Villar Llona (Spanien) noch nicht als amtierenden Verbandschef bestätigt.

Blatter-Anwälte beklagen fehlende Anhörung

Blatters Anwälte beklagten, dass der Noch-Präsident vor seiner Sperre durch die FIFA-Ethikkommission nicht angehört wurde. "Präsident Blatter war enttäuscht, dass die Ethikkommission nicht dem Ethik- und Disziplinarcode gefolgt ist, welche die Möglichkeit einer Anhörung beinhalten", teilten Lorenz Erni (Schweiz) und Richard Cullen (USA) mit. Im Ethikcode (Artikel 84.2) steht allerdings ausdrücklich, das eine erste Entscheidung auch ohne Anhörung der Parteien fallen kann. Zudem habe die Kommission ihre Entscheidung auf einem "Missverständnis" der Aktionen der Schweizer Bundesanwaltschaft begründet, die "ein Ermittlungsverfahren eröffnet, aber keine Anklage erhoben haben", schrieben die Anwälte. Blatter sei zuversichtlich, "Beweise" präsentieren zu können, die "demonstrieren, dass er in keinerlei Fehlverhalten und Verbrechen involviert" sei.

Vizepräsident Hayatou übernimmt interimsweise

Platini, der auch seinen Posten als UEFA-Boss vorerst ruhen lassen muss, hatte erst am Donnerstagmorgen die nötigen Unterstützerstimmen für eine Bewerbung eingereicht, wie der Franzose in einem schriftlichen Statement mitteilte - vor der Entscheidung der FIFA-Ethikkommission. Mit der Sanktion ist der 60-Jährige noch nicht automatisch aus dem Rennen als Nachfolger von Joseph Blatter. Allerdings muss Platini eine Prüfung durch die Wahlkommission überstehen. Schwer vorstellbar, dass dies als suspendierter Präsident der Europäischen Fußball-Union gelingen würde. Die schriftliche Unterstützung von mindestens fünf FIFA-Mitgliedsländern muss bis zum 26. Oktober, vier Monate vor dem Wahlkongress, eingereicht werden.

Strafen auch gegen Valcke und Chung

Auch der bereits von der FIFA suspendierte Generalsekretär Jerome Valcke wurde für 90 Tage aus dem Verkehr gezogen. Der ehemalige südkoreanische FIFA-Vize-Präsident Chung Mong-Joon wurde für sechs Jahre suspendiert und muss 100 000 Schweizer Franken zahlen. Die Ermittlungen gegen den Südkoreaner waren im Januar 2015 eröffnet worden, ihm werden Verstöße gegen vier Artikel des FIFA-Ethikcodes im Zusammenhang mit Südkoreas gescheiterter Bewerbung für die WM 2022 zur Last gelegt. Er war bis 2011 auch Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee und strebte wie Platini die Nachfolge Blatters an.

red/dpa/sid | Stand: 09.10.2015, 08:28

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