WM-Auslosungen - eine Zeitreise

WM-Auslosungen - eine Zeitreise

Am Freitag werden in Moskau die Gruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland ausgelost. Wie sah so eine Auslosung eigentlich früher aus? Eine Zeitreise.

Der Lostopf bei der Auslosung der Quali-Playoffs 2018

Auf der einen Seite irgendwie durchchoreografiert und steril, auf der anderen Seite unheimlich spannend. Die Auslosung der WM-Endrunde hat über die Jahre nichts von ihrem Reiz verloren, ihr Erscheinungsbild aber ziemlich stark verändert.

Auf der einen Seite irgendwie durchchoreografiert und steril, auf der anderen Seite unheimlich spannend. Die Auslosung der WM-Endrunde hat über die Jahre nichts von ihrem Reiz verloren, ihr Erscheinungsbild aber ziemlich stark verändert.

Fotoarchive bieten Bilder ab 1962. Vor dem Turnier in Chile sehen die Funktionäre der FIFA zufrieden mit den Losen aus.

Der Pokal spielte schon immer eine Rolle, so auch 1970. FIFA-Vizepräsident Guillermo Caneda hält ihn aber eher gelangweilt hoch. Nach dem Motto: "Um den hier geht es übrigens." Das Interesse seiner Kollegen wirkt mäßig.

Detlef Lange (r.) ist bei der Auslosung 1974 derjenige, der unter anderem die Gruppe auslost...

...in der letztendlich das Duell zwischen BRD und DDR stattfindet.

UFOs? Nein, nur Lostrommeln. FIFA-Generalsekretär Helmut Käser hat 1978 alles im Blick.

Kinder an die Macht: FIFA-Präsident Joao Havelange hilft seinem Enkel bei der Auslosung der Endrunde 1978 an den Lostopf.

Offenbar zufrieden ist Fan-Original Kenneth Bailey mit der Auslosung der Endrunde 1982 in Spanien.

Zeitgleich trifft Holger Obermann vom Hessischen Rundfunk einen offenbar skeptischen Bundestrainer Jupp Derwall nach der Auslosung zur WM 1982. Mögliche Frage: "Algerien? Kein Problem, oder?" Dem Los folgte eine der peinlichsten deutschen WM-Niederlagen.

Siegessicher gibt sich dagegen hier Sepp Piontek. Er hofft mit Dänemark auf ein großes Turnier 1986.

In den 90er Jahren sind Kinder bei Auslosungen offenbar nicht mehr gefragt, als Losfeen müssen Prominente her. 1990 gibt Schauspielerin Sophia Loren die Lose ab...

...1994 ist es Boxer Evander Holyfield. Immer mehr entwickelt sich die Auslosung zu einer Show.

Gefürchtet bei vielen Fans: Tanz- und Musikeinlagen, die die Auslosung in die Länge ziehen. Hier vor dem Turnier in Südkorea und Japan 2002...

...oder hier mit James Brown bei der Auslosung der Endrunde 1994 in den USA.

Die überbrückenden Dialoge zwischen zwei Lostöpfen gelingen nicht immer. Unvergessen das Gespräch bei der Auslosung zur WM 2006 zwischen Heidi Klum und Bundespräsident Horst Köhler: "Herr Bundespräsident, die ganze Welt schaut auf Deutschland. Was bedeutet das?" - "Das bedeutet, dass die ganze Welt auf uns schaut." - "Mir zittern auch schon die Knie, wenn ich denke, dass die Welt auf uns schaut ..." - "Und die ganze Welt schaut auf uns." Nur wenige Stunden später stehen die Gruppen fest.

Frankreich in Südafrikas Gruppe - ob Schauspielerin Charlize Theron da schon ahnt, dass ihre Landsleute die Franzosen besiegen werden? Wie auch immer: Südafrika scheidet 2010 trotz des Sieges genau wie die Franzosen aus.

Ahnt Sepp Blatter hier schon, dass er bei der nächsten Auslosung in vier Jahren keine Rolle mehr spielen wird? Sein Gesichtsausdruck lässt bei der Auslosung für das Turnier 2014 jedenfalls darauf schließen.

Oder wusste er da schon, dass diese Auslosung ein gefundenes Fressen für alle werden sollte, die an den großen Schwindel bei dieser Veranstaltung glauben? Die seriöse argentinische Zeitung "La Nacion" wurde laut "Süddeutscher Zeitung" jedenfalls schon vor der Auslosung darüber informiert, dass Argentinien in Gruppe F spielen würde - und damit in den Spielorten, die nahe der argentinischen Grenze und auch des bereits Monate zuvor gebuchten Mannschaftshotels lagen. Die gesamte Besetzung der Gruppe F mit den "Gauchos", Iran, Bosnien-Herzegowina und Nigeria wurde Stunden zuvor auf Twitter verbreitet - Ursprung war dabei auch ein argentinischer Journalist. Auch dass der damalige FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke die Kugeln hinter dem Pult, geschützt von einer Sichtblende, öffnete, rief nicht nur Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Der FIFA waren die Gerüchte dann zumindest eine Stellungnahme wert - Wortlaut: "Diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage."

Stand: 29.11.2017, 08:30 Uhr

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