Fan-Aufstand in der Premier League

Fans in Liverpool

Premier League

Fan-Aufstand in der Premier League

Englische Fans begehren gegen die hohen Eintrittspreise und die zunehmende Kommerzialisierung in der Premier League auf.

Der Löwe sieht stolz und entschlossen aus, und, natürlich: Eine Krone ziert sein Haupt. Das neue Logo, das die englische Premier League am Dienstag präsentierte, passt perfekt zum Image, das die selbsternannte "beste Liga der Welt" von sich zeichnen möchte.

Doch die Glitzerfassade bröckelt - trotz des neuen, milliardenschweren TV-Deals. Oder gerade deswegen. Viele Fans im Mutterland des Fußballs wollen angesichts der Unsummen, die die Klubs verdienen, nicht mehr hinnehmen, dass sie für ihren Lieblingssport mehr bezahlen sollen als Zuschauer in der Bundesliga oder der spanischen Primera Division.

Was am vergangenen Samstag bei Jürgen Klopps FC Liverpool mit einem "walkout" der Anhänger eine gute Viertelstunde vor Spielschluss begann, soll eine landesweite Bewegung werden. Für akzeptable Kartenpreise und Fußballkultur, gegen Kommerz. Kevin Miles, Vorsitzender der Football Supporters' Federation (FSF), kündigte am Dienstag in der Zeitung "The Telegraph" ein Treffen von Fanvertretern aller 20 Premier-League-Vereine an, auf dem mögliche weitere Schritte diskutiert werden sollen.

Tausende Anhänger protestierten in Liverpool

"Es gibt viele Optionen", sagte Miles, "der Liverpooler Protest hat sehr erfolgreich auf die Probleme aufmerksam gemacht - die Klubs müssen gezwungen werden, zuzuhören." Beim Heimspiel der Reds gegen den AFC Sunderland (2:2) hatten Tausende Anhänger das Stadion in der 77. Minute verlassen, um gegen die angekündigte Erhöhung von Ticketpreisen zu demonstrieren.

Klopp war "not amused" über diesen in der traditionsreichen Geschichte des ruhmreichen LFC beispiellosen Liebesentzug, an dem sich sogar Vereinslegende Jamie Carragher beteiligte. Er sei "enttäuscht" gewesen, als er davon hörte, sagte Klopp, "das ist auch für mich ein Problem. Jeder in diesem Klub hat ein großes Interesse, eine Lösung zu finden."

Klubvertreter gegen die von Fans geforderte Preissenkung

Bislang zeigen die Vereine den Zuschauern allerdings die kalte Schulter. Liverpool sagte ein für Montag geplantes Treffen zwischen Fans und Vorstandschef Ian Ayre kurzfristig ab. Bei ihrer jüngsten Zusammenkunft vergangene Woche sprachen sich die Klubvertreter gegen die von den Fans geforderte Preissenkung für Auswärtstickets aus. Laut Telegraph sind vor allem die Spitzenteams FC Arsenal, FC Chelsea, Liverpool, Manchester City und United sowie Tottenham Hotspur und West Ham United dagegen.

Arsenal und die Hammers verlangen von ihren Fans am meisten. Wer Per Mertesacker und Mesut Özil im Emirates Stadium sehen will, muss bis zu 97 Pfund (126 Euro) bezahlen, Jahreskarten sind ab 1014 Pfund (1315 Euro) zu haben. Bei West Ham werden bis zu 95 Pfund (123 Euro) fällig. In Liverpool hatte die Ankündigung, künftig bis zu 77 Pfund (100 Euro) zu verlangen, zu den Protesten geführt. "Der normale Arbeiter kann sich das nicht mehr leisten, das ist nicht fair", klagte Carragher in der Daily Mail. Gerade in der Arbeiterstadt Liverpool sei das ein verheerendes Signal.

Zum Vergleich: Die teuerste Karte für ein Heimspiel von Bayern München in der Bundesliga kostet 70 Euro. Der Telegraph rechnete am Beispiel von Bastian Schweinsteigers ManUnited vor, dass die Ticketpreise dort seit 1990 (inflationsbereinigt) um 350 Prozent gestiegen seien. Und das, obwohl die Klubs viel weniger als damals von Zuschauereinnahmen abhängig sind - in der vergangenen Saison erzielten sie weniger als 20 Prozent ihres Umsatzes im Bereich Ticketing. Kein Wunder, dass viele nun "enough is enough" (genug ist genug) rufen. Und zwar nicht mehr nur an Liverpools Anfield Road.

Stand: 09.02.2016, 15:07

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