Petzelberger - bescheidener Jungstar
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Deutsche Spielführerin bei der U20-WM in Japan
Petzelberger - bescheidener Jungstar
Von Frank van der Velden
Trainerin Maren Meinert nennt sie "eine großartige Spielerin", Experten prophezeien der zweimaligen Europameisterin eine steile Karriere. Sie selbst will von dem all dem nichts wissen und einfach nur Fußball spielen. Die Rede ist von Ramona Petzelberger. Die 19 Jährige gilt bei der U20-Weltmeisterschaft in Japan (19. August bis 8. September) als das wohl größte Talent.
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"Ich freue mich riesig auf meine erste WM, da geht ein Traum in Erfüllung", sagt die Essenerin. Vor zwei Jahren musste sie das Turnier im eigenen Land nämlich wegen einer Verletzung absagen, in Fernost wird sie nun das deutsche Team sogar mit der Kapitänsbinde am Arm aufs Feld führen. .
Petzelberger fährt selbstbewusst nach Japan. "Wir wollen den Titel holen. Unsere Mannschaft ist richtig stark, das hat man jetzt auch in den Vorbereitungsspielen gesehen", sagt sie forsch. "Wir haben gute Einzelspielerinnen, sind eine geschlossene Einheit und vor allem in der Breite sehr gut aufgestellt", erklärt Petzelberger: "Die Qualität im Team ist enorm hoch. Mit Dzsenifer Marozsan, Luisa Wensing und Lena Lotzen sind zudem drei A-Nationalspielerinnen dabei. Die bringen zusätzliche Erfahrung." Das deutsche Team geht als Favorit und als Titelverteidiger ins Turnier in Fernost. In der Vorrunde trifft die Mannschaft von Trainerin Maren Meinert am Montag (20.08.12) zunächst auf China, danach geht es gegen Ghana und die USA.
In der neuen Saison für Leverkusen
Petzelberger begann ihre Karriere beim Polizei-Sportverein Essen, spielte danach für den FCR Duisburg, die SG Wattenscheid und den SC Bad Neuenahr. Dort kam sie auch im September 2009 als 16-Jährige zu ihrem Bundesligadebüt. In der neuen Saison läuft sie für den Bundesligisten Bayer Leverkusen auf. "Ich beginne in Köln ein Psychologiestudium, da lag der Wechsel zu Leverkusen nahe", sagt Petzelberger, die in bisher 61 Bundesligapartien sechs Tore erzielte.
Beste Spielerin der U19-EM 2011
Ramona Petzelberger (Mi.) mit dem EM-Pokal 2011
Die internationale Karriere ließ nicht lange auf sich warten. Petzelberger gewann mit der U17-Nationalmannschaft die Europameisterschaft 2009 in der Schweiz. Zwei Jahre später holte sie mit der U19 in Italien den EM-Titel und wurde von der UEFA als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet - ein kleiner Trost für die verpasste WM 2010.
Sich selbst bezeichnet Petzelberger als "sehr ehrgeizig, sehr zielstrebig und deshalb auch sehr diszipliniert." Das ist auch auf dem Feld zu sehen, wo sie das deutsche Spiel lenkt. Auf dem Platz würde sie gerne unfehlbar sein - ein anspruchsvolles Denken und ein Perfektionismus, den sie als Schwäche und Stärke zugleich ansieht. In Technik, Taktik und Spielübersicht macht ihr aus ihrem Jahrgang kaum jemand etwas vor, an ihren Schwächen arbeitet sie permanent.
Takt- und Rhythmus-Geberin
Akrobatisch: Ramona Petzelberger
Im Team von Maren Meinert nimmt Petzelberger eine zentrale Rolle ein. Sie spielt auf der Sechser-Position, der Schaltstelle zwischen Abwehr und Angriff. Sie ist Takt- und Rhythmus-Geberin, soll das deutsche Spiel aufziehen und das des Gegners zerstören.
Die Spielführer-Binde sieht sie nicht nur als Ehre, sondern auch als zusätzliche Motivation - auch wenn sie weiß, dass von einer Spielführerin Besonderes erwartet wird. "Das ist keine Last, sondern ein Anreiz, noch mal eine Schippe draufzulegen", sagt die angehende Studentin: "Deutschland bei einer WM als Spielführerin aufs Feld zu führen, davon hätte ich vor Jahren nicht zu träumen gewagt."
"Teil der Mannschaft"
Will in Japan den Titel: Die deutsche U20
Bei allem Ehrgeiz bleibt Ramona Petzelberger bescheiden. Als einen Teil der Mannschaft sieht sie sich und nicht als ein großes Talent, das Deutschland nun zum Titel führen soll. Druck versucht sie von sich fernzuhalten. "Über all das mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Ich will einfach ein gutes Turnier spielen. Das wird dann auch der Mannschaft helfen", sagt Petzelberger.
Die WM sieht sie auch nicht als Sprungbrett ins A-Team. "Daran denke ich nicht, ich konzentriere mich voll und ganz auf Japan", sagt sie. Doch wenn sie dort ähnlich auftrumpft wie bei der EM 2011, dann ist der erste Auftritt im Team von Bundestrainerin Silvia Neid nur noch eine Frage der Zeit.
Stand: 17.08.2012, 18:45