Football Leaks - Fußball und Wahrheit

Fußballfan mit Geldschein

Enthüllungsplattform

Football Leaks - Fußball und Wahrheit

Von Christian Steigels

Die Whistleblower von Football Leaks sorgen seit Monaten für Aufsehen - mit Enthüllungen über das Gehalt von Spitzenfußballern, aber auch über illegale Machenschaften von Spielerberatern und Investoren.

Wer ist der teuerste Spieler aller Zeiten - Cristiano Ronaldo oder Gareth Bale? Wie viel hat Arsenal für Mesut Özil bezahlt? Und wie viel verdient Real Madrids Toni Kroos im Jahr?

Auf diese publikumswirksamen Fragen gibt es nun Antworten - zumindest behaupten das die Macher der Plattform Football Leaks. Seit September 2015 sorgt die geheimnisvolle Enthüllergruppe für Aufsehen. Auf ihrer Website veröffentlichen sie Details aus Verträgen internationaler Fußballer und vermitteln einen Einblick in den bislang undurchsichtigen Transfermarkt.

Macht von Spielerberatern und Investmentfonds einschränken

Über die Identität der Enthüllergruppe ist wenig bekannt. Dem Magazin "11 Freunde" und dem "Spiegel" zufolge stammen die Macher aus Portugal. Tatsächlich kommt ein Großteil der veröffentlichten Verträge aus dem portugiesischen und spanischen Fußball, darunter auffallend viele von Real Madrid und Benfica Lissabon.

Es gehe ihnen um Transparenz, sagt der Mann, der sich im Interview mit den Magazinen "Spiegel" und "11 Freunde" als "John" bezeichnet. Ziel sei, das Transfersystem zu säubern und die Macht von Spielerberatern und Investmentfonds einzuschränken. Man wolle jenen das Handwerk legen, die sich zu Unrecht bereichern am Volkssport Fußball, so "John".

Third-Party-Ownership im Fokus

Tatsächlich geht es nicht nur um voyeuristische Sensationsmeldungen wie jene von Gareth Bale als dem teuersten Spieler aller Zeiten. Die Macher haben auch schon Brisantes zutage gefördert. Zentraler Aspekt ist die Beteiligung von Investoren an Transferrechten, die seit Mai 2015 von der FIFA verbotene Third-Party-Ownership. Dieses Modell, bei dem ein Investor einen Teil oder gar die kompletten Transferkosten übernimmt, öffnet den Fußball für Geldströme von außen und entzieht ihn der Kontrolle von Verbänden und Ligen.

So soll der niederländische Erstligist Twente Enschede einen Deal mit der in Malta ansässigen Sportrechte-Agentur Doyen eingegangen sein. Die Agentur gewährte dem Verein ein millionenschweres Darlehen, und erhielt dafür Anteile an fünf Spielern. Der Präsident von Twente musste wegen der Affäre zurücktreten, der Verein wurde für drei Jahre von allen Europacup- Wettbewerben ausgeschlossen.

Ein weiteres Beispiel der Sprengkraft der Enthüllungen sind Hinweise auf mögliche Steuervermeidung von Spielerberatern und Vereinen. So muss sich laut "Spiegel" ein Spieleragent, ebenfalls aus den Niederlanden, die Frage gefallen lassen, warum sein Honorar für einen Transfer in Italien laut Football Leaks weiter an eine Firma in Panama überwiesen wurde.

DFB und DFL wollen mehr Transparenz bei Spielerberatern

Interessant vor diesem Hintergrund ist eine Vereinbarung, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Deutsche Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV) am Mittwoch unterzeichneten. Es geht darum, "die Qualität und die Transparenz der Spielervermittlung und -beratung in Deutschland nachhaltig zu erhöhen."

Gut möglich, dass es bei den internen Beratungen auch um die Enthüllungen von Football Leaks ging. Schon bei der Vorstellung des Ligareports 2016 wurde festgestellt, dass mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr bei Spielern und Beratern landen. Und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zufolge brauche man sich keinerlei Illusionen hinzugeben, dass beinahe alle Zuwächse aus einem neuen TV-Vertrag am Ende zu Spielern und Beratern wandern werden.

Sportrechte-Agentur beschuldigt Football Leaks als Hacker

Eine wichtige Frage bleibt: Sind die Dokumente echt? Vereine und Verbände äußerten sich bislang nicht dazu. Football Leaks zufolge stammen die Verträge aus unterschiedlichen Quellen, man habe ein sehr gutes Netzwerk und obendrein keine finanziellen Interessen und Agenda.

Als einen Hinweis für die Echtheit der Enthüllungen könnte man die Tatsache anführen, dass die Sportrechte-Agentur Doyen schwere Vorwürfe gegen die Plattform erhebt. Die Vertragsdokumente seien "definitiv durch einen Hacker-Angriff" in den Besitz von Football Leaks gekommen. Zudem hätten die Macher von Football Leaks versucht, die Agentur mit der Veröffentlichung der Dokumente zu erpressen.

Bundesliga wohl nicht betroffen

Die Internetseite wird in Russland gehostet, da die dortigen Behörden aufgrund der politischen Lage kaum mit westlichen Kollegen zusammenarbeiten. In Portugal wird bereits gegen die Plattform ermittelt. Wegen Verleumdung und Verstoßes gegen das Bankgeheimnis. Trotzdem wollen die Whistleblower weitermachen. Nach eigenen Angaben besitzen sie noch 500 Gigabyte an Dokumenten. Man kann und darf also mit weiteren Enthüllungen rechnen.

Allerdings ist nicht zu erwarten, dass auch die Vertragsdetails von Bundesligaspielern auffliegen. Diese Ansicht vertritt zumindest die Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV). "Nach unseren aktuellen Infos ist es so, dass die noch nicht veröffentlichten Datensätze keine Verträge von Bundesliga-Profis enthalten", sagte VdV-Geschäftführer Ulf Baranowsky der "Bild".

Stand: 11.02.2016, 12:47

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