Unter Druck - "Oranje" bangt um WM-Ticket

Hatte schon mal bessere Laune: Arjen Robben

Qualifikation zur WM in Russland

Unter Druck - "Oranje" bangt um WM-Ticket

Von Tim Beyer

Verpassen die Niederlande erneut ein großes Turnier? Zwei Spieltage vor Ende der Qualifikation sieht es für "Oranje" nicht gut aus, man ist auf Mithilfe aus Luxemburg angewiesen. Das zeigt, wie es um die Nationalmannschaft der Niederlande steht.

Wer sich vor Augen rufen möchte, wie es um die niederländische Nationalmannschaft bestellt ist, dem sei der Blick auf die Qualifikationsgruppe A empfohlen. Die weist "Oranje" als Dritten aus, hinter Frankreich und Schweden. Bliebe es dabei, dann wären die Niederlande im Sommer nur Zuschauer, wie schon bei der EM 2016. Alternativ könnte man sich auch mit der Rolle des neuen Trainers Dick Advocaat beschäftigen, auch diese Personalie sagt einiges aus.

Die Rückkehr des Generals

Als Advocaat, 70, im Juni sein Autogramm unter den Vertrag als Bondscoach setzte, tat er das zum dritten Mal in seinem Leben. Von 1992 bis 1994 coachte er die Niederlande und dann noch einmal von 2002 bis 2004. Er war auch dreimal Co-Trainer seines Heimatlandes, zuletzt für drei Monate im Sommer 2016. Davor und danach reiste Advocaat durch die Weltgeschichte, er trainierte die Glasgow Rangers, Südkorea, Belgien, Russland und ein halbes Jahr recht erfolglos Borussia Mönchengladbach - um nur einige seiner vielen Stationen zu nennen.

Nach seiner Entlassung bei Fenerbahce Istanbul im Juni hatten nicht wenige Experten gemutmaßt, der General, wie Advocaat genannt wird, werde so schnell keine Mannschaft mehr befehligen. Doch es kam anders. Jetzt soll ausgerechnet Advocaat retten, was wahrscheinlich gar nicht mehr zu retten ist. Wenn die Niederlande am Samstag (07.10.2017) gegen Weißrussland antreten, wird das die vierte Begegnung der neuen Ära-Advocaat. Zweimal gewann sein Team, 3:1 gegen Bulgarien und 5:0 gegen Luxemburg, im wichtigsten Spiel aber verloren die Niederlande mit 0:4 gegen Frankreich. Hoffnung macht das nicht.

Hoffnung auf ein Wunder

Denn die Ausgangslage ist klar. Siege gegen Weißrussland und am Dienstag gegen den Zweiten Schweden sind Pflicht, wenn man im nächsten Sommer doch noch nach Russland möchte. Und nicht mal dann ist klar, ob es reicht. Frankreich ist schon vier Punkte enteilt, Schweden drei. Die stolze Fußballnation Niederlande muss hoffen, dass sich Luxemburg gegen Schweden wacker schlägt und nur wenige Gegentore kassiert - ein Armutszeugnis. Zudem hat "Oranje" weniger Tore erzielt als die Schweden und mehr kassiert. "Weiß Oranje, dass am Samstag ein weiterer Akt der Zauberei beginnt und Borissow vielleicht das Ende aller Hoffnungen ist?", titelte die Zeitung "De Telegraaf" bissig.

Nun ist Weißrussland Letzter der Gruppe, noch hinter dem Fußball-Zwerg Luxemburg. Da dürfte ein Sieg auch für angeschlagene Niederländer möglich sein, findet auch Kapitän Arjen Robben. "Wir gehen davon aus, dass wir in Weißrussland gewinnen", sagte Robben, der auch mit 33 noch unverzichtbar ist, auf dessen Schultern mitunter sogar noch immer die Hoffnung einer ganzen Nation liegt. Auf ihn wird es ankommen, aber wer kann ihm helfen? Die Niederlande hatten ihren Kader zu Beginn der Qualifikation bewusst verjüngt, doch genau das könnte nun ein Problem werden.

Robben und wer sonst noch?

Denn nun stehen in der vermeintlich besten Elf noch immer illustre Namen wie Daley Blind, Georginio Wijnaldum oder Stefan de Vrij, doch Superstars wie in der Vorgängergeneration sucht man vergeblich. Sie alle und vor allem die zahlreichen Youngster wie den 18-jährigen Matthijs de Ligt eint die Tatsache, dass sie ihre Klasse im Dress der Niederlande noch nicht auf höchstem Niveau nachweisen konnten.

Und so ruhen die Hoffnungen weiter auf dem ewigen Arjen Robben. Umso härter trifft es die "Oranje"-Unterstützer, dass in den Niederlanden schon munter darüber diskutiert wird, Robben könne seine Nationalmannschaftskarriere im Falle eines Scheiterns in der Gruppe umgehend beenden. Zumal er selbst wenig tut, um diese Spekulationen zu entkräften. "Alles kann passieren", sagte Robben kryptisch. Dabei brauchen ihn die Niederlande dringender denn je.

mit sid | Stand: 07.10.2017, 10:15

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