"Voller Wut" - Löw verurteilt hetzende Fans

WM-Qualifikation

"Voller Wut" - Löw verurteilt hetzende Fans

Um Fußball ging es bei der Pressekonferenz vor dem Norwegen-Spiel (Montag, ab 20.40 Uhr im Live-Ticker bei sportschau.de) nur am Rande. Bundestrainer Joachim Löw distanzierte sich vom Verhalten einiger deutscher Fußball-Anhänger in Prag und forderte Konsequenzen.

Löw nahm die Pressekonferenz vor dem Norwegen-Spiel zum Anlass, um die Hetze und die Beleidigungen deutscher Fußball-Anhänger in Prag in scharfer Form zu kritisieren und Sanktionen zu fordern. "Ich bin voller Wut und sehr, sehr angefressen über das, was passiert ist. Dass einige sogenannte Fans die Bühne des Fußballs und eines Länderspiels benutzen, um mit ihrem oberpeinlichen Auftreten viel Schande über unser Land zu bringen", sagte der Bundestrainer am Sonntag (03.09.2017) in Stuttgart.

Löw ist für "harte Sanktionen"

Er selbst habe im Stadion nicht viel von den Vorfällen mitbekommen und sei erst nach dem Abpfiff über das Ausmaß aufgeklärt worden, so Löw. Dass die Mannschaft nach den Vorkommnissen beim 2:1 in der WM-Qualifikation in Tschechien den Weg vor die deutsche Fankurve verweigert hatte, sei das "absolut richtige Zeichen" gewesen, betonte Löw. "Ich bin klar auf der Seite, die absolut harte Sanktionen fordert", sagte der 57-Jährige. "Jeder von diesen Leuten, der nicht ins Stadion kann und darf, ist ein absoluter Gewinn."

Bei aller Rivalität müsse im Stadion alles auf vertretbarem Niveau ablaufen, sagte Löw weiter: "Diese Chaoten wollen wir nicht, das ist auch nicht deren Nationalmannschaft und das sind auch nicht unsere Fans. Das ist unterste Schublade und zutiefst verachtenswert."

Das gelte auch für die Beleidigungen gegenüber Angreifer Timo Werner. Die seien respektlos und vollkommen unangemessen, sagte Löw. "Er hat mal einen Fehler gemacht und ihn eingestanden, er hat eine unglaublich professionelle Einstellung und spielt mit größter Freude für sein Land."

Löw hofft auf Vernunft des Stuttgarter Publikums

Sportschau | 03.09.2017 | 02:14 Min.

Gegen Norwegen mit Draxler

Anschließend sprach Löw natürlich auch noch über das anstehende Spiel gegen Norwegen, das zunächst in den Hintergrund getreten war. Denn mit einem Sieg kann die DFB-Elf, die nach sieben Spielen eine makellose Bilanz hat, vorzeitig das Ticket zur WM 2018 in Russland lösen. Er werde diese Situation auch dazu nutzen, einige Veränderungen in der Startelf vorzunehmen, deutete Löw an: "Es wird auf jeden Fall zwei, drei Wechsel geben." Eine Einsatzgarantie sprach er Torhüter Marc-André ter Stegen aus, der weiterhin Stammkeeper Manuel Neuer ersetzen wird.

Zu rechnen ist auch damit, dass Julian Draxler, gegen Tschechien zunächst nur Ersatz, in die Startelf zurückkehren wird. Daneben gebe es noch "zwei, drei Fragezeichen", erklärte der Bundestrainer. Eines betrifft den Einsatz von Sami Khedira, der in Prag noch wegen einer Kniereizung gefehlt hatte.

Noch sei dessen Einsatz gegen Norwegen offen, so Löw. Khedira selbst sagte, es gehe ihm wieder gut und er sei sicher, "dass das Knie wieder erholt ist." Dennoch ist es nicht unwahrscheinlich, dass Löw sich angesichts der beinahe schon sicheren Qualifikation gegen einen Einsatz seines Leaders entscheidet.

Löw übt leise Kritik

Ohnehin sei es gar nicht so wichtig, wer letztlich auflaufe, sondern wie die taktische Marschroute umgesetzt werde, sagte Löw. Und genau daran hatte es seiner Meinung nach gegen Tschechien gehapert. "Flexibilität ja, aber die Mannschaft muss erkennen, welche Räume sind offen, welche muss ich besetzen. In Tschechien haben wir das schlecht gemacht, das können wir besser", sagte Löw.

Gegen Norwegen komme es vor allem darauf an, diese Fehler abzustellen. Über Stärken und Schwächen des Gegners wollte Löw deshalb auch nicht lange diskutieren. "Mich interessiert Norwegen bei allem Respekt nur bedingt", sagte Löw. Ihm sei aber bewusst, dass Norwegen eine körperlich starke Mannschaft stelle und nicht nur durch die Bundesliga-Achse um Hoffenheims Håvard Nordtveit und Berlins Rune Jarstein auch individuelle Klasse vorhanden sei.

Stand: 03.09.2017, 14:17

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