US-Fußballer hoffen auf WM-Hintertürchen

Der Amerikaner Christian Pulisic (l.) muss nach der 1:2-Niederlage gegen Trinidad und Tobago getröstet werden

Nach Panamas Phantomtor in der WM-Qualifikation

US-Fußballer hoffen auf WM-Hintertürchen

Von Christian Mixa

Sportlich sind die USA in der WM-Qualifikation gescheitert. Doch Panamas irreguläres Phantomtor beim Sieg gegen Costa Rica öffnet den US-Fußballern womöglich die Chance auf einen Protest.

Zumindest offiziell haben sich die USA in ihr Schicksal gefügt. Während die TV-Experten die US-Fußballer nach dem blamablen Aus in der WM-Qualifikation auf allen Kanälen in der Luft zerrissen, wurde Verbandssprecher Michael Kammarman mit der Frage nach einem möglichen Protest konfrontiert. Panama hatte beim 2:1-Sieg gegen Costa Rica, mit dem sie den USA das WM-Ticket wegschnappten, ein "Phantom-Tor" erzielt. "Soweit ich weiß, haben wir keine Einspruchsmöglichkeit", sagte Kammarman gegenüber dem US-Sender "CBS". "Schiedsrichterentscheidungen sind endgültig."

Da stand er noch frisch unter dem Schock des nie erwarteten Ausscheidens beim Tabellenschlusslicht Trinidad und Tobago. Doch hinter den Kulissen, davon darf ausgegangen werden, wird der US-Verband sich mit der Möglichkeit eines Einspruchs gegen die Wertung des Panama-Spiels befasst haben.

Die Regularien des Nord- und Mittelamerika-Verbandes CONCACAF sehen grundsätzlich vor, dass "Parteien, die unmittelbar von einer Entscheidung betroffen sind", Einspruch dagegen einlegen können. Und zwar innerhalb von 21 Tagen beim Internationalen Sportgerichtshof CAS. Laut Artikel 54 seiner Statuten erkennt der CONCACAF den CAS als Berufungsgericht ausdrücklich an. Zuvor allerdings müssen die durch eine Entscheidung benachteiligten Parteien, in diesem Fall neben der USA auch Honduras, die "internen Verfahren und Urteilsprüche von FIFA und CONCACAF und der FIFA ausschöpfen".

FIFA pocht auf Tatsachenentscheidung

Zuvorderst steht also die spezielle Gerichtsbarkeit des Weltverbands, der eisern an der Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters festhält. Weil in der WM-Qualifikation, anders als bei der Endrunde, auch keine Torlinientechnik zum Einsatz kommt, blieb beim 2:1-Erfolg Panamas der Treffer, der keiner war, bestehen. Bei einem Unentschieden zwischen Panama und Costa Rica hätte sich tatsächlich Honduras, und nicht Panama, direkt für die WM qualifiziert. Die USA hätten noch die Chance über die Play-offs bekommen.

Die FIFA erlaubt die nachträgliche Rücknahme von Schiedsrichterentscheidungen nur in absoluten Ausnahmefällen, die in Artikel 77 des "Disziplinar-Kodex" aufgezählt sind. Dazu gehört die Sanktionierung "ernsthafter Regelverstöße, die der Aufmerksamkeit des Schiedsrichters entgangen sind". In der Tat verrieten die TV-Bilder, dass Panamas Stürmer Gabriel Torres am Boden liegend den Ball mit dem Arm sicherte, bevor er neben dem Pfosten ins Aus rollte - und damit ein mögliches, übersehenes Handspiel vorlag. Außerdem kann das FIFA-Disziplinarkomitee "offensichtliche Fehler des Schiedsrichters bei einer Entscheidung" korrigieren – dazu müsste er aber erst eine Entscheidung getroffen haben.

Zuletzt ordnete die FIFA tatsächlich die Wiederholung eines Qualifikationsspiels zwischen Südafrika und Senegal aus dem Vorjahr an. Auslöser waren jedoch mehrere fragwürdige und vor allem offensichtlichere Fehlentscheidungen des Schiedsrichters, die der Weltverband nach seinem Kodex als "unerlaubte Einflussnahme auf den Ausgang des Spiels" und damit als Manipulationsverdacht wertete.

Erinnerungen an das "Hand-Tor" von Thierry Henry

Der aktuelle Fall erinnert eher an das berühmte Tor von Thierry Henry gegen Irland in den Play-offs zur WM 2010, bei dem der Franzose sich den Ball mit der Hand vorgelegt hatte - was damals alle sahen, bis auf den Schiedsrichter. Auch diese Entscheidung blieb am Ende bestehen, nachdem die FIFA auf die Tatsachenentscheidung pochte und früh signalisierte, dass die Chance auf ein Wiederholungsspiel gering sein dürfte.

Die Iren erhielten nach einer als vertraulich eingestuften Vereinbarung am Ende von der FIFA fünf Millionen Euro – was der Weltverband aber ausdrücklich nicht als Kompensationszahlung für das fragwürdige Ausscheiden der Iren verstanden haben wollte. Womöglich lässt sich auch der US-Verband am Ende auf ein finanzielles Agreement ein - nach dem blamablen Auftritt der US-Auswahl scheinen ein kompletter Neuaufbau und Geld für die Talentförderung in jedem Fall bitter nötig.

Stand: 12.10.2017, 11:45

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