Syriens Konflikt zwischen Politik, Krieg und Fußball

Syrische Fans unterstützen ihre Mannschaft beim Duell gegen den Iran

Hochpolitisch und nicht sportlich

Syriens Konflikt zwischen Politik, Krieg und Fußball

Erstmals könnte sich die syrische Nationalmannschaft für eine Fußball-WM qualifizieren. Eine Teilnahme Syriens würde aber nicht von allen unterstützt. Die Politik und nicht der Fußball stünden im Vordergrund.

Ausgerechnet Omar al-Soma: Fünf Jahre lange durfte der Stürmerstar wegen seiner Sympathien zur Opposition nicht mehr in der syrischen Nationalmannschaft spielen. Durch seinen entscheidenden Treffer gegen den Iran hält er die WM-Hoffnungen am Leben. Das Spiel heute (14:30 Uhr) gegen Australien ist das erste von vier, das die Syrer noch davon trennt, im kommenden Jahr tatsächlich bei der Endrunde in Russland dabei zu sein.

Gespaltene Meinungen in Syrien

Eine mögliche Teilnahme an der WM in Russland empfinden allerdings keineswegs alle Syrer als gut. Der fußballverrückte Flüchtling Ajaz Ali sieht bei der syrischen Nationalmannschaft die Politik und nicht den Fußball im Vordergrund. "Unter den Syrern sagen viele: Das ist nicht meine Mannschaft, sondern das sind die Spieler des Regimes."

Es gebe nicht wenige, die hofften, dass Syrien ausscheidet. Denn der Fußball sei in Syrien hochpolitisch und wäre es immer schon gewesen. Jahrelang machten die Mannschaften des Militärs und der Polizei die Meistertitel unter sich aus.

Spieler stehen unter Druck

Politik und Fußball konnten viele syrische Nationalspieler nicht miteinander vereinbaren. Die meisten spielen heute im Ausland: in Kuwait, den Emiraten oder in Katar. Auch die beiden Spieler al-Soma und Firas al-Khatib haben Syrien verlassen und waren lange nicht für die Nationalmannschaft aktiv. Sie galten als Helden der Opposition - bis sie zurückkamen, um ihre Mannschaft zur WM zu bringen.

In der Öffentlichkeit allerdings loben die Spieler - im Sinne der Regierung - ihre Nationalmannschaft. "Syriens Mannschaft ist großartig, weil sie um die Verantwortung wissen, den Traum von 23 Millionen Syrern zu erfüllen", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur "Sana" kurz vor dem Spiel Mannschaftskapitän Ahmed al-Saleh. Dagegen sprechen Berichte, die davon handeln, dass Spieler und deren Familien in Syrien unter Druck gesetzt werden.

Keine politische Meinungsfreiheit für Syrier

Vor zwei Jahren reichte der ehemalige syrische Spieler Aiman Kaschiet ein Dosier bei der FIFA ein. In dem Bericht wirft er der syrischen Regierung Kriegsverbrechen gegen Akteure und Stadien vor. Damit wollte Kaschiet den Ausschluss Syriens aus dem Weltverband erreichen, da politische Einflussnahme unter den FIFA-Statuten verboten ist. Die FIFA aber feiert die Erfolgsgeschichte des syrischen Teams mit.

Ausgerechnet gegen die USA

Im Falle eines Erfolgs gegen Australien ist die Mannschaft in der letzten Qualifikationsrunde. Als Gegner könnten dann ausgerechnet die USA warten, die in Syrien die Opposition gegen Baschar al-Assad unterstützen.

dpa | Stand: 04.10.2017, 15:37

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