Italien-Aus: Konsequenzen und Reaktionen

WM-Qualifikation - Play-offs

Italien-Aus: Konsequenzen und Reaktionen

Italien wird bei der WM Endrunde 2018 in Russland nach der Play-off-Pleite gegen Schweden definitiv zuschauen. Einige Spieler hören auf, die Zukunft des Trainers entscheidet sich noch in dieser Woche, und die Presse ist entsetzt.

Giorgio Chiellini (l.) und Gianluigi Buffon nach dem Spiel

Giorgio Chiellini (l.) und Gianluigi Buffon nach dem Spiel

"Ich habe noch nicht mit dem Verbandspräsidenten gesprochen. Es kommt nicht auf mich an, ich bin nicht die Person, die diese Entscheidung zu treffen hat", sagte der 69-Jährige Nationaltrainer Gian Piero Ventura am Montagabend direkt nach dem 0:0 in den Play-offs gegen Schweden, das nach dem 0:1 im Hinspiel die erste Nicht-Qualifikation des viermaligen Weltmeisters seit 60 Jahren bedeutete. Am Mittwoch (14.11.2017) soll in einer von FIGC-Präsident Carlo Tavecchio einberufenen Versammlung über die Zukunft des Trainers entschieden werden.

Rücktritt der "Granden"

Während der Coach also voraussichtlich (nur) noch bis dahin im Amt sein wird, beendeten einige Weltmeister von 2006 ihre internationale Karriere sofort nach der Partie. Allen voran Star-Torhüter und Rekordnationalspieler Gianluigi Buffon (39 Jahre), aber auch die Verteidiger Andrea Barzagli (36) und Giorgio Chiellini (33) sowie Mittelfeldspieler Daniele De Rossi (34) werden nicht mehr für Italien auflaufen. "Die Ära einiger Veteranen geht zu Ende, die von hungrigen, jungen Spielern beginnt. So sollte das auch sein", meinte Ventura dazu - selbst Trainer-Veteran.

"Ich glaube, das ist die größte Enttäuschung meines Lebens", sagte Barzagli. "Es ist ein schwarzer Moment für unseren Fußball, und ein tiefschwarzer für uns Spieler", kommentierte De Rossi. Nach dem Spiel habe eine Atmosphäre wie bei einem Begräbnis geherrscht.

Buffon applaudiert den Schweden

Gianluigi Buffon winkt unter Tränen

Untröstlich: Gianluigi Buffon

Die meisten Blicke zog aber Buffon auf sich, der vor der Partie noch einmal seinen Ruf als Sportsmann unterstrichen hatte: Als einige italienische Fans bei der schwedischen Nationalhymne pfiffen, applaudierte die Torwart-Ikone demonstrativ und forderte mehr Respekt für die Skandinavier. Im anschließenden Interview flossen beim Weltmeister, Welttorhüter und achtfachen italienischen Meister die Tränen: "Das ist für das ganze Land eine Katastrophe. Ich bin traurig, dass meine Nationalmannschaftskarriere so endet." Obwohl der Keeper von Juventus Turin, der wahrscheinlich auch nach der Saison seine Vereinskarriere beenden wird, seinen Kasten sauber hielt und im Hinspiel beim Gegentor chancenlos war, reichte es nicht für eine ideenlose "Squadra Azzurra".

Dementsprechend hart ging auch die ansässige Presse mit der Mannschaft ins Gericht: Die "Corriere dello Sport" nannte die verpasste Qualifikation eine "unerträglichen Fußball-Schande" und einen "unauslöschlichen Fleck". Die "Gazzetta dello Sport" sprach von "Apokalypse, Tragödie, Katastrophe".

"Azurblaues Desaster"

Beinahe poetisch war "La Stampa" - die Tageszeitung forderte außerdem die Absetzung von Trainer Ventura: "Das azurblaue Desaster ist Wirklichkeit. So viel Enttäuschung und so viel Ärger. Der Heilige Syrus hat kein Wunder gebracht, dabei war die Nationalmannschaft nicht mal weit entfernt davon (...). Die Aufregung ist vorbei, jetzt ist es besser, die Dinge beim Namen zu nennen. Nach Russland fährt Schweden und das verdient. Der Rest zählt nicht. (...)

Es ist die Zeit gekommen - ohne sich in Panik versetzen zu lassen -, zu verstehen, von wo aus man neu anfangen will und vor allem mit wem. Die erste Unternehmung muss sein: Gian Piero Ventura verabschieden, ihm für sein Engagement danken, aber schnellstmöglich vergessen, wie er [die Mannschaft] geführt hat. (...) Die Nacht von San Siro ist schwarz wie Kohle. Es wird viel Zeit vergehen, bis der nächste Morgen graut."

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Montag, 13.11., 22.50 Uhr

sid/dpa/red | Stand: 14.11.2017, 09:48

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