Nazi-Eklat - Grindel erwartet "Reihe von Strafverfahren"

DFB-Präsident Reinhard Grindel

Rechte Parolen bei Fans der Nationalmannschaft

Nazi-Eklat - Grindel erwartet "Reihe von Strafverfahren"

DFB-Präsident Reinhard Grindel erwartet nach dem Nazi-Eklat von Prag eine harte Bestrafung der Rechtsextremisten unter den deutschen Fußballfans.

"Wir werden eine ganze Reihe von Strafverfahren sehen", sagte das Oberhaupt des Deutschen Fußball-Bundes am Montag (04.09.2017) am Rande einer Ehrenamtler-Auszeichnung in Stuttgart.

"Die zuständigen Stellen der Polizei sichten Material, sie arbeiten auch mit den zuständigen Dienststellen der Länder zusammen", berichtete Grindel, der die Problemfans erstmals "Neonazis" und "Rechtsextremisten" nannte. "Wir werden auch Sanktionen im Bereich der Vereine sehen. Ich denke, wir haben gute Chancen, dass der eine oder andere nicht mehr rassistisch mit Neonazi-Sprüchen auffallen kann."

Grindel fordert schärfere Zugangsbestimmungen in Stadien

Eine direkte Verantwortung des DFB wies er zurück. Auf die Frage, ob Sanktionen für den Verband zu erwarten seien, antwortete Grindel: "Das gilt es abzuwarten. Wo wir selbst Verantwortung getragen haben, haben wir unser Ticketing-System durchgesetzt. Die Probleme sind durch den völlig freien Verkauf in Tschechien entstanden."

Im Fachmagazin "Kicker" (Montag) hatte der DFB-Chef zuvor bereits schärfere Zugangsbestimmungen in europäischen Fußball-Stadien gefordert. "Wir müssen gemeinsam mit den europäischen Verbänden über die Ticketvergabe diskutieren und Wege finden, die europaweit mehr Kontrolle gewährleisten", sagte Grindel. Er wolle bei der Exekutivsitzung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am 20. September einen entsprechenden Vorstoß unternehmen.

Probleme entstehen laut Grindel und Bierhoff durch freien Verkauf im Ausland

Rund 200 Pöbel-Fans hatten am Freitag unter anderem mit Nazi-Parolen gehetzt. "Sieg"-Rufe nach dem Siegtreffer zum 2:1 durch Mats Hummels wurden auf der Tribüne mit "Heil"-Rufen beantwortet.

Die Hooligans in der Prager Eden-Arena hatten ihre Eintrittskarten nach Angaben von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff nicht über den offiziellen Verkaufsweg des DFB bezogen.

"Wir haben bei uns eine nachvollziehbare Abgabe unserer Kontingente über den Fanclub Nationalmannschaft. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es in Ländern wie San Marino oder Tschechien keine absolute Sicherheit gibt, weil dort zum Beispiel von Einheimischen unkontrolliert Tickets weitergegeben werden und in den freien Verkauf gelangen", sagte Grindel.

Geldstrafe durch die FIFA droht

Offen ist, ob der DFB wegen der Ausfälle bestraft wird. Diskriminierung - und rassistische Äußerungen erfüllen diesen Tatbestand - ist im FIFA-Reglement verboten. Wenn Anhänger dagegen verstoßen, "wird der betreffende Verband oder Club, ohne dass ihn ein schuldhaftes Verhalten oder ein schuldhaftes Unterlassen trifft, mit einer Geldstrafe von mindestens 30 000 Schweizer Franken belegt", heißt es bei der FIFA. Auch wenn Täter nicht ermittelt werden, können stattdessen Sanktionen gegen Vereine oder Verbände ausgesprochen werden.

sid/dpa | Stand: 04.09.2017, 18:22

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