Fall Hüseynow - DFB-Boss fordert Aufklärung

Nach WDR-Bericht

Fall Hüseynow - DFB-Boss fordert Aufklärung

Wenn Deutschland am Sonntag gegen Aserbaidschan (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei sportschau.de) spielt, wird auch Jawid Hüseynow zum Einsatz kommen. Der saß wegen der Beteiligung an einem Gewaltverbrechen im Gefängnis, wurde aber frühzeitig freigelassen. DFB-Präsident Reinhard Grindel nimmt nun Aserbaidschans Regierung in die Pflicht.

Fordert Aufklärung: Reinhard Grindel

Fordert Aufklärung: Reinhard Grindel

Jawid Hüseynow wird vorgeworfen, am Tod des kritischen Journalisten Rasim Alijew beteiligt gewesen zu sein. Der Nationalspieler Aserbaidschans wurde daraufhin zu vier Jahren Haft verurteilt, im März aber ohne Angabe von Gründen freigelassen. So könne es nicht weitergehen, fordert Grindel.

"Ohne gesicherte Erkenntnisse ist eine Bewertung dieses Falles sehr schwierig", sagte Grindel am Samstag (07.10.2017) in Mainz. "Deshalb fordern wir die Regierung Aserbaidschans auf, für rückhaltlose Aufklärung zu sorgen und nachvollziehbare Gründe zu nennen, die für die Haftentlassung gesorgt haben." Am vergangenen Sonntag (01.10.2017) hatte das WDR-Magazin "Sport Inside" zuerst über den Fall Hüseynow berichtet.

Der traurige Hintergrund

Es ist eine ungeheuerliche Geschichte, die den Fußballer wegen Beteiligung am Totschlag von Alijew ins Gefängnis gebracht hatte. Ausgangspunkt war ein Spiel des FK Qäbälä gegen ein Team aus Zypern. Hüseynow provozierte die Gäste mit einer türkischen Flagge - auf dem Platz! Auf entsprechende Fragen nach der Partie reagierte er beleidigend. Alijew, einer der renommiertesten und kritischsten Journalisten in Aserbaidschan, schrieb daraufhin bei Facebook: "Ich möchte nicht, dass so ein unverschämter und schlecht erzogener Fußballer mich auf den Fußball-Plätzen Europas repräsentiert." Ein tödlicher Kommentar.

Hüseynow und Alijew verabredeten sich dann, so viel weiß man heute, zu einer angeblichen Versöhnung. Doch zum Treffpunkt am Stadtrand von Baku kam nicht Hüseynow, sondern eine Gruppe von Schlägern, unter anderem auch Hüseynows Cousin. Eine Kamera hielt die brutalen Tritte gegen den Journalisten fest. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte zunächst nur gebrochene Rippen. Alijew gab vom Krankenbett aus sogar noch ein Interview - ein paar Stunden später war er tot.

Warum wurde Hüseynow freigelassen?

Hüseynow wurde von einem Gericht zu vier Jahren Haft verurteilt, der Haupttäter zu 13 Jahren. Nach 14 Monaten kam Hüseynow überraschend frei und spielte im März gegen Deutschland erstmals wieder Fußball. DFB-Präsident Grindel forderte die Regierung Aserbaidschans am Samstag auf, "für rückhaltlose Aufklärung zu sorgen und nachvollziehbare Gründe zu nennen, die für die Haftentlassung gesorgt haben".

Sport als Propaganda-Vehikel

Denn eine Erklärung gebe es bisher nicht, erzählt Menschenrechtsaktivist Anar Mammadli bei "Sport Inside". Er glaube aber, dass Hüseynow Unterstützung von wichtigen Oligarchen bekommen habe. Aserbaidschan ist ein autokratisch geführtes Land zwischen Kaspischem Meer und Kaukasus. In der Pressefreiheits-Rangliste von "Reporter ohne Grenzen" steht das Land auf Platz 162 - hinter Staaten wie Myanmar, den Philippinen oder dem Irak.

In der Hauptstadt Baku startet dennoch die Formel 1, 2015 fanden dort die so genannten Europaspiele statt. Baku wird 2020 auch einer der Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft sein - Sport als Propaganda-Vehikel.

dpa/sid | Stand: 07.10.2017, 16:06

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