Österreich - Bundesliga-Auswahl mit Perspektive

Österreich fühlt sich vor dem Duell gegen Deutschland in der WM-Qualifikation so stark wie lange nicht mehr.

Österreichs Team nach dem Sieg gegen die Türkei

Vor dem Duell mit dem großen Nachbarn fühlt sich Österreich so stark wie lange nicht. Nach Testspielerfolgen gegen die Türkei und zuvor gegen die Ukraine haben die Österreicher in der FIFA-Weltrangliste gleich elf Plätze gut gemacht und werden mit Rang 49 erstmals nach eineinhalb Jahren  wieder unter den besten 50 Nationen der Welt geführt.

Vor dem Duell mit dem großen Nachbarn fühlt sich Österreich so stark wie lange nicht. Nach Testspielerfolgen gegen die Türkei und zuvor gegen die Ukraine haben die Österreicher in der FIFA-Weltrangliste gleich elf Plätze gut gemacht und werden mit Rang 49 erstmals nach eineinhalb Jahren  wieder unter den besten 50 Nationen der Welt geführt.

Teamchef Marcel Koller hat es in den elf Monaten seit seinem Amtsantritt geschafft, dem am Boden liegenden österreichischen Fußball neues Leben einzuhauchen. Von den fünf Partien unter Koller hat Österreich nur eine verloren. Der erfahrene Koller hat einen überfälligen Umbruch im Team eingeleitet und vor allem taktische Grundlagenarbeit geleistet. Die Handschrift des Schweizers, aggressives Pressing und schnelles Umschalten, war zuletzt immer deutlicher zu erkennen. Kollers Spielverständnis soll künftig auch durchgängig bei den Juniorenteams des österreichischen Verbands praktiziert werden.

Auch sein Ziel, jede Position im Nationalteam doppelt zu besetzen und für mehr Konkurrenzkampf zu sorgen, hat Koller erreicht. Streithähne wie Hamburgs Paul Scharner, der einen Stammplatz forderte, hat Koller konsequent verbannt und bekam dafür auch das Lob der anfangs skeptischen Presse: "Er hat das Team umgekrempelt und die Zügel angezogen", schrieb der "Kurier".

Ein weiteres Zeichen für den zaghaften Aufschwung: Gegen die DFB-Elf wird Koller wohl erstmals in der österreichischen Geschichte eine Startelf aufbieten, die komplett mit Spielern aus ausländischen Ligen besetzt ist. Torhüter Robert Almer sitzt bei Fortuna Düsseldorf momentan zwar nur auf der Ersatzbank, gibt sich aber selbstbewusst: "Mangelnde Spielpraxis ist für mich kein Problem. Ich habe in den letzten Jahren oft nicht regelmäßig gespielt und trotzdem immer meine Leistungen gebracht", sagte der 28-Jährige, der zuletzt beim 2:0-Sieg gegen die Türkei seinen Kasten sauber hielt.

Auch das Herzstück von Österreichs Abwehr kommt aus der Bundesliga. Wolfsburgs Emanuel Pogatetz und Sebastian Prödl vom SV Werder (hier im Bild) bilden die Innenverteidigung. Die hochgewachsenen Defensivspieler haben die Deckung stabilisiert, haben aber noch Schwächen bei der Abstimmung. Vor allem bei schnellen Gegenstößen wirkt Österreichs Abwehrzentrale anfällig.

Pogatetz und Prödl sind Teil des insgesamt neun Mann starken Bundesliga-Blocks. Beim Duell mit den besten Kickern aus der deutschen Eliteklasse müssen sie jedoch auf einen wichtigen Nebenmann verzichten: Der verletzte David Alaba, wie beim FC Bayern der Hoffnungsträger auf der linken Abwehrseite, wird auch im österreichischen Nationalteam schmerzlich vermisst.

Christian Fuchs, einen Weggefährten aus seiner Zeit beim VfL Bochum, hat Teamchef Koller zum Kapitän gemacht. Der Schalker sorgt auf der linken Seite mit seinen auch aus der Bundesliga bekannten Vorstößen für die dringend benötigten Impulse im Spiel nach vorne. Bei Bedarf übernimmt Fuchs auch defensivere Aufgaben, er ist der Anführer des Teams.

Der andere Taktgeber im Mittelfeld und erster Mann für die Standards ist Andreas Ivanschitz. Ivanschitz kommt wie Defensiv-Abräumer Julian Baumgartlinger vom 1. FSV Mainz 05 und freut sich über die wachsende Zahl an österreichischen Nationalspielern: "Dies zeigt die gute Entwicklung, die wir gemacht haben."

In der Offensive setzt Koller auf zwei Bremer: Neben Zlatko Juzunovic, der zuletzt zentral aufgeboten wurde, baut Österreich vor allem auf die Torgefährlichkeit von Marko Arnautovic, der in Österreichs Nationalmannschaft zumeist über die rechte Seite Dampf macht. Der Stürmer, der in Bremen immer wieder seinen schwierigen Charakter offenbart hat, wirkte zuletzt etwas gereifter. Vor dem großen Duell mit der DFB-Elf übernahm Arnautovic aber gerne den Einheizer und machte im "Standard" Hoffnung auf eine mögliche Sensation: "Wir können ihnen wehtun. Wir dürfen nicht darauf schauen, wie die Deutschen drauf sind, sondern nur auf uns. Die ganze Nation steht hinter uns, und wir wollen die Nation glücklich machen."

Als Sturmspitze ist Martin Harnik gesetzt, der sich in Stuttgart zu einem der gefährlichsten Stürmer der Bundesliga entwickelt hat. Österreichs Offensive ist es dann auch, die dem Bundestrainer Anlass zur Warnung gibt: "Sie haben Spieler mit Selbstbewusstsein wie Harnik und Arnautovic, die in der Bundesliga und anderen Ligen zu den Leistungsträgern gehören, die auch viele Tore erzielen", meinte Joachim Löw vor der Abreise nach Wien. "Die Österreicher sind im Moment so stark wie seit Jahren nicht mehr."

Nach zuletzt klaren Niederlagen gegen die DFB-Elf träumt Österreichs Presse nun sogar wieder von einem möglichen zweiten Cordoba. "Wir dürfen uns nicht kleiner machen, als wir sind. Wenn wir einen perfekten Tag erwischen, ist ein Sieg möglich", meinte Hans Krankl, Siegtorschütze beim legendären 3:2-Erfolg über die deutsche Mannschaft bei der WM 1978. Nationalcoach Koller dämpfte die neue Euphorie: "Man soll die Erwartungen nicht in den Himmel schrauben, damit die Welt danach nicht untergeht", sagte Koller, sieht sein Team aber gut gerüstet. "Der Feinschliff ist erledigt. Jetzt geht es nur noch darum, keine Nervosität aufkommen zu lassen. Wir brauchen vor dem Spiel eine Lockerheit."