Top-Manager wieder freigelassen

Raymond Whelan (l.) wird festgenommen

Schwarzmarkt mit WM-Karten

Top-Manager wieder freigelassen

Bei den Ermittlungen im Kartenskandal um Schwarzmarkt-Deals bei der WM hat die Polizei Raymond Whelan, einen Top-Manager des FIFA-Vertragspartners Match Services verhört.

Am Montag (07.07.2014) hatte die Polizei den 64-jährigen Exekutiv-Direktor des FIFA-Vertragspartners Match Services im Luxushotel Copacabana Palace in Rion de Janeiro festgenommen. In diesem Hotel logieren die Spitzenfunktionäre des Fußball-Weltverbandes, darunter auch FIFA-Chef Joseph Blatter.

Im Rahmen der Operation "Jules Rimet" war ein vorläufiger Haftbefehl ausgeführt worden. Über Nacht wurde Whelan verhört und erst am frühen Dienstagmorgen auf Antrag seiner Anwälte wieder auf freien Fuß gesetzt. Whelan ist langjähriger Direktor der Match Services AG, dem Vertragspartner der FIFA für den Ticketvertrieb. Grundlage für die Festnahme ist Artikel 41-G der brasilianischen Fan-Statuten, der die Besorgung, die Abzweigung und den Verkauf von Eintrittskarten für einen höheren Preis als dem aufgedruckten ahndet.

Familiäre Verbindungen führen in die FIFA-Spitze

Mehrere Tage hatte die FIFA jeden Verdacht gegen einen eigenen Mitarbeiter abgestritten. Whelan ist auch kein Angestellter des Fußball-Weltverbandes, aber ein Spitzenmann eines ökonomisch enorm wichtigen Partners. Die Verbindungen sind eng zwischen der Match Services AG und Match Hospitality, dem Vertriebspartner für die lukrativen VIP-Pakete. Hier führen familiäre Verbindungen direkt in die FIFA-Spitze. Philippe Blatter, Neffe von FIFA-Boss Joseph Blatter, ist Geschäftsführer der Infront Sports & Media, einem Anteilseigner an Match Hospitality.

82 Tickets in Whelans Luxus-Suite

Copacabana Palace in Rio

Hotel Copacabana Palace in Rio: Hier wohnt die Funktionärselite

Mindestens 82 WM-Karten wurde bei Whelan, der im Luxushotel eine eigene Suite bewohnte, beschlagnahmt. Nach Angaben des ermittelnden Polizeibeamten Fábio Barucke war der Brite ein Mittelsmann. Er soll einer Schieberbande Zugang zu den Tickets verschafft haben. Die Behörden ermitteln seit Tagen wegen des organisierten Schwarzmarkthandels mit WM-Eintrittskarten.

Nach Angaben von Barucke wurden durch das illegale Ticket-System bis zu zwei Millionen Reais (rund 665.000 Euro) pro WM-Spiel eingenommen. Die Polizei hatte zuvor bereits elf Personen festgenommen, darunter auch den Algerier Lamine Fofana, Geschäftsführer von Atlanta Sportif. Die Firma hatte 105 exklusive Ticket-Pakete für sieben Spiele im Wert von 121.000 Dollar erworben. Am Montag veröffentlichte Match Hospitality, das für den Verkauf von 290.000 Paketen verantwortlich war, die Namen von drei weiteren ins Fadenkreuz geratenen Käuferfirmen. "Bis zu weiteren Untersuchungen werden die Pakete von Reliance Industries Limited, Jet Set Sports und Pamodzi geblockt", teilte FIFA-Partner Match Hospitality,mit.

dpa, sid | Stand: 08.07.2014, 15:40

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