Deutschland gewinnt den vierten WM-Titel

Sieg für Deutschland

Dramatisches Finale in Rio de Janeiro gegen Argentinien

Deutschland gewinnt den vierten WM-Titel

Von Christian Hornung

In einem dramatischen Finale gegen Argentinien hat Deutschland seinen vierten WM-Titel gewonnen. Joker Mario Götze schrieb mit seinem Tor in der Verlängerung Geschichte.

Es war ein unglaublich harter Kampf für das Team von Joachim Löw, der so gar nichts gemein hatte mit dem 7:1-Spaziergang im Halbfinale gegen Brasilien. Doch letztlich setzte sich im Finale von Rio de Janeiro das DFB-Team glücklich, aber nicht unverdient, mit 1:0 nach Verlängerung durch. Danach kannte der Jubel keine Grenzen - Löw und der überragende Bastian Schweinsteiger lagen sich in den Armen und hatten Tränen in den Augen.

Manuel Neuer, der als überragender Torhüter des Turnier mit dem "Goldenen Handschuh" ausgezeichnet wurde,, fasste seine Emotionen kurz nach dem Abpfiff so zusammen: "Überragend. Wir sind als Team sensationell zusammengewachsen, haben auch Rückschläge wie die Verletzung von Marco Reus weggesteckt. Ab jetzt werden wir jeden Morgen mit einem Grinsen aufwachen."

"Die beste Mannschaft"

Auch Kapitän Philipp Lahm war überglücklich: "Wir sind unseren Weg gegangen, haben uns durch keinerlei Störfeuer davon abbringen lassen. Es war immer mein Traum, einmal diesen Pokal in den Händen zu halten. Ob wir die besten Einzelspieler hatten, ist zweitrangig. Wir waren die beste Mannschaft."

Dabei musste die Deutschen schon ein paar Minuten vor dem Anpfiff den ersten Schock verkraften. Ausgerechnet Sami Khedira, der sich nach seinem Kreuzbandriss vor sieben Monaten wieder in sensationelle Form gebracht hatte, meldete sich nach dem Aufwärmen mit Wadenproblemen ab. Für ihn sprang der Gladbacher Christoph Kramer ein, der ursprünglich nicht mal im 30er-Kader gestanden hatte und als Letzter auf den WM-Zug gesprungen war. Aber auch die Argentinier hatten Verletzungsprobleme. Angel Di Maria war nach seiner Muskelverletzung nicht rechtzeitig wieder fit geworden, auch der angeschlagene Sergio Agüero saß zunächst nur auf der Bank.

Foul an Kramer übersehen

Doch nervöser begannen die Deutschen. Aus einem missglückten Freistoß in der vierten Minute entsprang die erste Konterchance der Argentinier, doch Gonzalo Higuain verzog seinen Schuss von halbrechts. Ihre Defensive verriegelten die Südamerikaner zunächst konsequent mit zwei Viererketten, gegen die das DFB-Team kaum Lücken fand. Erstmals halbwegs gefährlich wurde es in der 13. Minute, als Miroslav Klose nur knapp eine Rechtsflanke von Philipp Lahm verpasste. Kurz danach rammte Ezequiel Garay im Strafraum Kramer um - doch Schiedsrichter Nicola Rizzoli ahndete das Foul nicht.

In der 21. Minute hätte es dann nach einem krassen Blackout von Toni Kroos beinahe 0:1 gestanden. Der bei diesem Turnier bislang überragende Mittelfeld-Regisseur köpfte in der eigenen Hälfte ohne Not einen Ball zurück in Richtung Manuel Neuer, Higuain erlief den Fehlpass und ging frei aufs Tor zu - schloss aber viel zu überhastet ab. Zehn Minuten später traf der Mittelstürmer dann doch, stand zum Glück für die weit aufgerückte deutsche Abwehr aber knapp im Abseits. Zu diesem Zeitpunkt taumelte das Team von Joachim Löw. Schweinsteiger und Benedikt Höwedes holten sich Gelbe Karten, Kramer musste mit einer Gehirnerschütterung vom Platz und wurde durch André Schürrle ersetzt.

Höwedes trifft den Innenpfosten

Benedikt Höwedes köpft den Ball Richtung Tor

Riesenpech: Benedikt Höwedes köpft den Ball an den Innenpfosten.

Diese mutige Einwechslung hätte sich in der 36. Minute beinahe schon rentiert. Thomas Müller legte bei einem Konter den Ball zurück an den Elfmeterpunkt, Schürrle schloss direkt ab - Sergio Romero reagierte aber glänzend. Im Gegenzug lief Lionel Messi Höwedes davon, Neuer war bereits geschlagen, doch der an diesem Abend herausragende Jerome Boateng klärte in höchster Not kurz vor der Torlinie. In der Nachspielzeit dieser unglaublich intensiven ersten Hälfte musste dann eigentlich das 1:0 für Deutschland fallen. Eine Ecke von Kroos landete auf dem Kopf des völlig freistehenden Höwedes - doch der wuchtete die Kugel aus sechs Metern an den rechten Innenpfosten.

Im zweiten Durchgang verstärkte Argentinien mit der Hereinnahme von Agüero die Offensive, prompt wankte die deutsche Abwehr wieder. Messi lief in der 47. Minute Boateng davon, schoss den Ball aber ganz knapp am rechten Pfosten vorbei. Auch nach knapp einer Stunde wurde es wieder gefährlich, doch Neuer räumte bei einem seiner bekannten Ausflüge aus dem Strafraum erst den Ball und dann Higuain ab - und hatte Riesendusel, dass sein rüdes Einsteigen auch noch mit einem Freistoß für Deutschland belohnt wurde.

Erlösung durch Götze

Danach wogte die Partie hin und her, es ging weiter hochintensiv zur Sache, klare Torchancen gab es aber kaum noch. Erst in der 80. Minute spielten die Deutschen mal wieder konsequent und zielgerichtet nach vorne, doch Kroos platzierte seinen Flachschuss nach schönem Rückpass von Özil rechts neben das Tor. Das Spiel ging in die Verlängerung - mit dem besseren Start für die Löw-Elf. Der kurz zuvor eingewechselte Mario Götze setzte Schürrle in Szene, doch dessen Direktabnahme ging genau auf Keeper Romero. In der 97. Minute leistete sich dann der unsichere Mats Hummels einen Aussetzer - doch Rodrigo Palacio lupfte den Ball frei vor Neuer knapp über das Tor.

Nationalelf bekommt WM-Pokal.

Philipp Lahm durfte den Pokal als erster in den Himmel von Rio stemmen.

In der zweiten Hälfte der Verlängerung leistete sich dann der bis dahin gut leitende Rizzoli einen schweren Aussetzer. Agüero schlug bei einem Kopfballduell mit der Faust Schweinsteiger das Jochbein blutig - doch der Schiedsrichter verpasste den fälligen Platzverweis für den bereits verwarnten Argentinier. Die Deutschen gaben die Antwort aber auf sportlichem Weg: Schürrle setzt sich in der 113. Minute auf der linken Seite großartig durch, passte auf Götze - der den Ball technisch überragend mitnahm und ins lange Eck vollstreckte. Danach machte Argentinien zwar noch einmal enormen Druck, konnte Neuer und die deutsche Abwehr aber nicht mehr in Verlegenheit bringen. Als Messi in der vierten Minute der Nachspielzeit einen Freistoß über das Tor jagte, war der WM-Pokal ein Deutscher. Dass Messi schließlich noch als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde, war seiner Mimik nach zu urteilen allenfalls ein Trostpreis.

Statistik

Fußball · Weltmeisterschaft2014

Sonntag, 13.07.2014 | 21.00 Uhr

Deutschland

Neuer – Lahm, J. Boateng, M. Hummels, Höwedes – Kramer (31. Schürrle), B. Schweinsteiger – T. Müller, T. Kroos, Özil (120. Mertesacker) – M. Klose (88. M. Götze)

1

Argentinien

Romero – Zabaleta, Demichelis, Garay, Rojo – E. Pérez (86. Gago), Mascherano, Biglia, Lavezzi (46. Kun Agüero) – Messi, Higuain (78. Palacio)

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 M. Götze (113.)

Strafen:

  • gelbe Karte Höwedes
  • gelbe Karte B. Schweinsteiger
  • gelbe Karte Mascherano
  • gelbe Karte Kun Agüero

Zuschauer:

  • 74738

Schiedsrichter:

  • Nicola Rizzoli (Italien)

Stand: 14.07.2014, 02:43

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