Klose rettet Deutschland einen Punkt

Klose beim Salto.

Deutschland - Ghana 2:2

Klose rettet Deutschland einen Punkt

Die Souveränität aus dem Portugal-Spiel war wie weggeblasen. Doch Miroslav Klose rettete Deutschland gegen Ghana einen sehr glücklichen Punkt - und hatte gleich noch einen Grund zum Feiern.

Es war ein hartes Stück Arbeit. Doch der spät eingewechselte Miroslav Klose rettete Deutschland gegen Ghana noch einen glücklichen Punkt - und hatte nach dem 2:2 gleich noch einen Grund zum Feiern. Bis dahin hatten sich die Afrikaner als unerbittlicher Gegner erwiesen, das Team von Joachim Löw versuchte es aber unerklärlicherweise zu oft mit Standfußball. Kapitän Philipp Lahm gab hinterher zu: "Wir waren nicht aggressiv genug zu Beginn, haben zu viele Räume offengelassen. Wir hatten zwar über 90 Minuten die besseren Torchancen, können aber insgesamt nicht zufrieden sein." Joachim Löw analysierte das Geschehen so: "Die erste Halbzeit war taktisch geprägt, im zweiten Durchgang war es dann ein offener Schlagabtausch, den wir eigentlich vermeiden wollten. Aus dem Nichts fielen zwei Tore, danach ist unsere Mannschaft aber sehr gut zurückgekommen."

Ghana-Coach Kwesi Appiah hatte nach der Auftaktpleite gegen die USA zumindest teilweise auf den Druck der Öffentlichkeit reagiert. Kevin-Prince Boateng stand diesmal in der Startelf, der andere Leitwolf hingegen nicht: Michael Essien musste zunächst erneut draußen bleiben. Noch überraschender war der Wechsel im Tor. Statt des gegen die Amerikaner starken Adam Kwarasey baute Appiah auf Fatawu Dauda. Der musste nach vier Minuten noch nicht eingreifen, als Benedikt Höwedes plötzlich in der Spitze auftauchte - sich den Ball aber zu weit vorlegte. Kurz danach fehlte Höwedes hinten, als Ghana erstmals schnell über seine linke Abwehrseite angriff - Asamoah Gyan den Direktschuss aber über das Tor jagte.

Ungenaue Pässe auf Müller

Bis zur ersten richtig starken deutschen Kombination dauerte es knapp zwölf Minuten. Über Mesut Özil und Thomas Müller landete der Ball bei Toni Kroos, der aber aus 18 Metern Jonathan Mensah anschoss. Ghana brachte die Angriffe zielgerichteter zum Abschluss, nach einer knappen Viertelstunde zwang Atsu Manuel Neuer von der Strafraumgrenze zu einer Faustabwehr. 15 Minuten später hätte es dann gut 1:0 für Deutschland stehen können. Jerome Boateng schickte rechts Mario Götze auf die Reise, der hatte freie Bahn zum Tor, wollte aber unbedingt nochmal auf Müller querspielen - John Boye blockte das ungenaue Zuspiel. Die Partie blieb offen, allerdings verpassten es die Deutschen, mit schnellen Angriffen den Druck auf die Abwehr der Ghanaer hoch zu halten.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit war das Brüder-Duell zwischen Jerome und dem bis dahin komplett abgetauchten Kevin-Prince Boateng plötzlich beendet, noch bevor es so richtig begonnen hatte. Joachim Löw nahm seinen Rechtsverteidiger wegen muskulärer Probleme aus der Partie und setzte auf den auf dieser Position wenig erfahrenen Shkodran Mustafi. Aus dem Nichts gingen die Deutschen dennoch in der 51. Minute in Führung. Müller schlug von halbrechts eine geniale Flanke, Götze startete in die Mittelstürmer-Position, köpfte sich den Ball aufs eigene Knie - und ließ so Dauda keine Abwehrchance. Appiah reagierte sofort und strafte erneut Kevin-Prince Boateng ab, indem er ihn zwei Minuten nach dem Rückstand vom Platz holte. Doch die Maßnahme zeigte sofort Wirkung. Die deutsche Abwehr hatte sich noch nicht auf das neue Personal beim Gegner eingestellt, und ausgerechnet der eben erst eingewechselte Mustafi musste so richtig Lehrgeld bezahlen. Im Kopfballduell gegen den acht Zentimeter kleineren Andrew Ayew sah er ganz schlecht aus, duckte sich förmlich weg und ermöglichte so den Ausgleich (54.).

Lahms schlimmer Fehlpass

Die Deutschen ließen sich davon komplett verunsichern, sogar der sonst so zuverlässige Philipp Lahm wirkte fahrig. Als Löw gerade Bastian Schweinsteiger ins Spiel bringen wollte, leistete sich Lahm einen schlimmen Fehlpass. Muntari erlief den Ball, schickte Gyan auf die Reise, der noch Mats Hummels aussteigen ließ und dann eiskalt gegen Neuer ins linke Eck vollstreckte. Ghana nutzte nun die inzwischen miserable Laufleistung der Deutschen zu einer Reihe von Schnellangriffen - die aber Ayew und Gyan nicht nutzen konnten. Das rächte sich. Löw brachte nach knapp 70 Minuten Schweinsteiger und Klose - und wurde Sekunden später belohnt. Schweinsteiger holte eine Ecke heraus, die Höwedes per Kopf verlängerte. Klose stand am zweiten Pfosten genau richtig, grätschte die Kugel über die Linie - und zog mit seinem 15. WM-Tor mit dem bisherigen Rekordschützen Ronaldo gleich. "15 Buden in 20 Spielen sind nicht schlecht", freute sich der Oldie hinterher, gab aber zu: "Wir müssen uns gegen die USA ganz klar steigern."

Dieses verrückte Spiel mit vielen Wendungen kippte nach dem Ausgleich wieder auf die deutsche Seite, doch Müller wartete bei seiner Großchance einen Tick zu lange und ließ sich von Kwandwo Asamoah noch abgrätschen. Ghana kam auch nochmal zurück, ehe wiederum Klose den Matchball hatte. Sein Flachschuss aus 20 Metern strich aber ganz knapp am linken Pfosten vorbei - ein Sieg wäre angesichts dieser Leistung aber auch wirklich des Guten zuviel gewesen. Eine Schrecksekunde gab es noch unmittelbar vor dem Schlusspfiff: Müller versuchte nach Kroos-Freistoß einen Kopfball zum Siegtreffer zu verwerten, rasselte aber mit Boye zusammen und brach blutend zusammen. Immerhin konnte er wenig später das Spielfeld selbstständig verlassen.

Statistik

Fußball · Weltmeisterschaft · 2. Spieltag 2014

Samstag, 21.06.2014 | 21.00 Uhr

Deutschland

Neuer – J. Boateng (46. S. Mustafi), Mertesacker, M. Hummels, Höwedes – Lahm – S. Khedira (70. B. Schweinsteiger), T. Kroos – Özil, M. Götze (69. M. Klose) – T. Müller

2

Ghana

Dauda – Afful, Boye, Jon. Mensah, K. Asamoah – Muntari, Rabiu (78. Badu) – K.-P. Boateng (52. J. Ayew) – Atsu (72. Wakaso), A. Ayew – Gyan

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 M. Götze (51.)
  • 1:1 A. Ayew (54.)
  • 1:2 Gyan (63.)
  • 2:2 M. Klose (71.)

Strafen:

  • gelbe Karte Muntari

Zuschauer:

  • 59621

Schiedsrichter:

  • Sandro Ricci (Brasilien)

ch | Stand: 21.06.2014, 22:45

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