Brasilien beim Elfmeterkrimi im Glück

Brasilien - Chile 4:3 nach Elfmeterschießen

Brasilien beim Elfmeterkrimi im Glück

Brasilien hat Chile in einem dramatischen Elfmeterschießen besiegt - und braucht dafür eine menge Glück. Der Gastgeber steht damit aber im Viertelfinale der WM.

Dieser Stoßseufzer dürfte in ganz Brasilien zu hören gewesen sein: Der WM-Gastgeber hat sich am Samstag in einem dramatischen Spiel gegen Chile mit 4:3 nach Elfmeterschießen ins Viertelfinale gerettet. Brasiliens Keeper Julio Cesar wurde dabei zum Helden der Selecao als er gegen Mauricio Pinella und Alexis Sanchez parierte. Zudem traf Chiles Gonzalo Jara im Elfmeterkrimi nur den Pfosten. Der Verteidiger war insgesamt der Unglücksrabe der Partie, hatte er die Selecao doch bereits mit einem Eigentor in Führung gebracht (18.).

Sanchez war nach einem Patzer von Hulk der Ausgleich gelungen (32.). "Das ist mehr als Glück, was ich gerade verspüre", sagte ein in Freudentränen aufgelöster Cesar: "Jetzt fehlen noch drei Stufen. Mein großer Traum ist es, Brasilien in einem großen Fest vereint zu sehen." Am Boden zerstört waren dagegen die Chilenen. "Das ist so hart , wir waren großartig, aber wir haben verloren. Wir haben für unseren Traum gekämpft, einfach alles gegeben", sagte der Ex-Leverkusener Arturo Vidal, der das Spiel lange mit seiner hohen Präsenz geprägt hatte.

Brasilien hält dagegen

Mancher Experte hatte sich vor der Partie gefragt, wie die Brasilianer mit der aggressiven Spielweise Chiles zurecht kommen würden. Die Partie in Belo Horizonte war noch keine drei Minuten alt, da gab Fernandinho mit einem mehr als robusten Tackling gegen Charles Aranguiz bereits die Antwort. Es sollte deutlich machen: Brasilien hat keine Angst vor der intensiven, knochenharten Spielweise der Chilenen. Und es war ein Trendsetter für den Rest der Partie. So sehr die Chilenen rannten, pressten und ihre Körper reinstellten, der WM-Gastgeber hielt mit derselben Leidenschaft dagegen, spielte dabei zunächst einen Tick besser und ging so verdient in Führung. Nach einem Eckball verlängerte Thiago Silva den Ball in Richtung langer Pfosten, wo sein Abwehrkollege David Luiz Chiles Jara zum Eigentor zwang (18.) .

Doch das 1:0 währte nicht lange. Denn während die Abwehr der Brasilianer fürs Tor sorgte, war es ausgerechnet ein Angreifer der Selecao, der den Gegentreffer verschuldete. Hulk spielte nach einem Einwurf der Brasilianer einen Alibi-Pass, Chiles Eduardo Vargas spritzte dazwischen und bediente Sanchez, der souverän traf (32.). La Roja war zurück im Spiel und Brasilien erhöhte – eigentlich kaum vorstellbar – noch einmal die Intensität. Wütend rollte Angriff um Angriff aufs Tor der Mannschaft von Trainer Jorge Sampaoli. Neymar (36.) per Kopf, Fred aus kurzer Distanz (39.) und Dani Alves mit einem Distanzschuss (42.) sorgten aber nur für Chancen, nicht für Tore. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde es dann noch einmal vor Julio Cesars Tor ungemütlich, als Aranguiz aus kurzer Distanz vergab.

Hulks Treffer wird abgepfiffen

Nach dem Seitenwechsel ging es mit viel Herz, aber weniger Tempo weiter. Hulk brachte den Ball zwar im Tor von Claudio Bravo unter, doch Schiedsrichter Howard Webb ließ den Treffer wegen Handspiels nicht gelten (54.). Eine ganz knappe Entscheidung, die nicht unbedingt zur Beruhigung der Gemüter auf und abseits des Rasens beitrug.

So bestimmten Kampf und Einsatz weiter das Geschehen, unterbrochen von einzelnen spielerischen Akzenten wie etwa der schönen Kombination von Mauricio Isla und Aranguiz, bei der sich Brasiliens Altmeister im Tor, Julio Cesar, auszeichnen konnte (64.). Beim Gastgeber  war es erneut Hulk, der mit einem schönen Pass auf Joker Jo (74.) und einem Solo (84.) für Gefahr sorgte. Doch Bravo und seine Abwehr waren auf dem Posten. Superstar Neymar war quasi abgetaucht, sinnbildhaft seine einzige Chance nach der Pause: Ein völlig freistehender Kopfball, den er kläglich ungenau zentral aufs Tor brachte (81.).

Spiel wird in der Verlängerung langsamer

In der Verlängerung forderten Tempo und Temperaturen zunehmend ihren Tribut. Die Partie wurde zerfahrener, die Fehlpässe und Ungenauigkeiten häuften sich, was zumindest bei Chile auch an der Auswechslung von Taktgeber Vidal lag. Auch in der Verlängerung war es übrigens Hulk, der das einzige Ausrufezeichen setzte: Doch erneut war Bravo bei einem Kracher des bulligen Stürmers aus 20 Metern zur Stelle (104.). Auf der Gegenseite konnte Chile bis zur 120. Minute eigentlich nichts mehr zulegen, bevor Pinilla das Leder an die Latte donnerte. Mit diesem Paukenschlag ging es ins Elfmeterschießen, in dem Brasilien die besseren Nerven hatte.

Statistik

Fußball · Weltmeisterschaft2014

Samstag, 28.06.2014 | 18.00 Uhr

Brasilien

Julio Cesar – Dani Alves, Thiago Silva, David Luiz, Marcelo – Fernandinho (72. Ramires), Luiz Gustavo – Hulk, Oscar (106. Willian), Neymar – Fred (64. Jo)

4

Chile

Bravo – Isla, Medel (108. Rojas), F. Silva, Jara, Mena – Aránguiz, M. Diaz – Vidal (87. Pinilla) – Sánchez, E. Vargas (57. F. Gutiérrez)

3

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 David Luiz (18.)
  • 1:1 Sánchez (32.)

Strafen:

  • gelbe Karte Dani Alves
  • gelbe Karte Luiz Gustavo
  • gelbe Karte Hulk
  • gelbe Karte Jo
  • gelbe Karte F. Silva
  • gelbe Karte Mena
  • gelbe Karte Pinilla

Zuschauer:

  • 62254

Schiedsrichter:

  • Howard Webb (England)

Vorkommnisse:

  • Brasilien gewinnt 4:3 nach Elfmeterschießen. Elfmeterschießen: David Luiz 2:1, Pinilla verschießt - Willian verschießt, Sánchez verschießt - Marcelo 3:1, Aránguiz 3:2 - Hulk verschießt, M. Diaz 3:3 - Neymar 4:3, Jara verschießt

phsc | Stand: 28.06.2014, 20:55

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