Neymar verlässt Teamquartier

Neymar wird verletzt vom Platz getragen.

WM-Aus für Brasiliens Hoffnungsträger

Neymar verlässt Teamquartier

Das WM-Aus von Neymar schockte Brasilien. Inzwischen hat der 22-Jährige das Trainingscamp verlassen, für Gegenspieler Zuniga könnte es ein Nachspiel geben. Kritik gibt es zudem an der Schiedsrichterleistung. Auch von Mehmet Scholl.

Neymar flog am Samstag (05.07.14) per Helikopter aus dem Trainingscamp der Seleção. Trotz seiner Lage machte er der Mannschaft und den Fans Mut: "Man hat mir den Traum genommen, ein WM-Finale zu spielen, aber der Traum, Weltmeister zu werden, ist noch nicht zu Ende. Es fehlen noch zwei Spiele und ich bin mir sicher, dass meine Kumpels alles dransetzen werden, den Pokal in die Höhe zu halten", wurde er auf der Homepage des brasilianischen Fußballverbandes CBF zitiert.

Vier bis sechs Wochen Pause

Neymar muss nach seiner Wirbelverletzung einige Wochen pausieren. Bei dem 22-Jährigen sei ein Bruch des dritten Lendenwirbels festgestellt worden, sagte Rodrigo Lasmar, einer der Mannschaftsärzte. Es sei keine ernsthafte Fraktur und auch keine schwierige Behandlung. Aber es werde einige Wochen dauern, bis Neymar seine volle Bewegungsfähigkeit wiedererlangt habe. "Er wird nicht binnen einer Woche genesen", sagte der Mediziner. Die Diagnose wurde nach Untersuchungen in einer Privatklinik gestellt.

Zúñiga: "Habe an nichts Böses gedacht"

Neymar wird von Camilo Zuniga gefoult

Camilo Zúñiga springt Neymar mit dem Knie in den Rücken.

Damit fehlt Neymar auch im Halbfinale am nächsten Dienstag in Belo Horizonte gegen Deutschland. Beim 2:1-Sieg am Freitagabend in Fortaleza gegen Kolumbien war Neymar vom Kolumbianer Juan Zúñiga verletzt worden. Zúñiga traf ihn mit voller Wucht am Rücken. "Als ich da reingegangen bin, habe ich an nichts Böses gedacht. Ich hoffe, dass er mit Gottes Hilfe sich wieder erholt", sagte Zúñiga. Neymar hatte vor Schmerzen geweint und war auf einer Trage aus dem Innenraum gebracht worden.

"Wir holen für ihn die Hexa"

Brasilien-Kolumbien, Thiago Silva, Jubel

Thiago Silva verteidigte Zúñiga: "Ist kein schlechter Kerl"

Die Sportzeitung "Lance!" schrieb nach der Nachricht über Neymars WM-Aus: "Eine traurige Nachricht für die gesamte brasilianische Nation. Wir haben unsere Nummer 10 verloren. Lasst uns für Neymar spielen. Wir werden für ihn den Hexa holen!" "Meia Hora" hofft: "Der Titel als Hommage für Neymar." "O Dia" schaute schon auf das Halbfinale: "Der schwierigste Schritt für die Scolari-Familie. Einen Ersatz für Neymar zu finden, ist die größte Herausforderung auf dem Weg zum sechsten Titel. Neymar kann die Selecao gegen Deutschland nicht mehr mit seinen Toren und Dribblings retten."

Auf dem Weg zum erhofften sechsten WM-Titel ist das Aus des vierfachen Torschützen ein bitterer Rückschlag für Brasilien. Zumal gegen Deutschland auch Kapitän Thiago Silva wegen seiner zweiten Gelben Karte fehlt. "Zúñiga ist kein schlechter Kerl, ich kenne ihn aus der italienischen Meisterschaft. Was ich aber glaube ist, dass es leichtfertig war", sagte Silva und räumte ein: "Wir sind sehr von Neymar abhängig. Er macht den Unterschied bei uns aus."

54 Fouls - Schiedsrichter Velasco in der Kritik

Carlos Velasco beim Spiel Brasilien gegen Kolumbien

Schiedsrichter Carlos Velasco

Der spanische Schiedsrichter Carlos Velasco hatte bei der Attacke in der 86. Minute zunächst auf Vorteil entschieden, weil die Brasilianer einen vielversprechenden Konter einleiteten. Eine persönliche Strafe gab es danach nicht. Damit blieb er bei seiner Linie. Das Spiel war von Beginn an geprägt von einer Härte, die oft an der Grenze des Erlaubten war. Velasco zückte erst in der 64. Minute die erste Gelbe Karte. Für viele Beobachter viel zu spät. Am Ende gab es mit 54 Fouls so viele wie bei keinem Spiel zuvor. Aber nur vier Gelbe Karten. Auch ARD-Fußballexperte Mehmet Scholl kritisierte den Referee: "Ich bin richtig sauer und richtig enttäuscht. Das kommt dabei raus, wenn die Schiedsrichter nicht in der Lage sind oder die Vorgabe haben, brutale Fouls nicht zu stoppen", wetterte Scholl. Englands Experte Gary Lineker sagte zur Leistung von Velasco: "Was für ein absoluter Mist!"

Bei Kolumbien wurde Regisseur Rodriguez immer wieder hart angegangen. Auch hier blieb es bei Freistoßpfiffen. Erstmals Gelb zog er, als Brasiliens Kapitän Thiago Silva Torwart David Ospina beim Abschlag behinderte. Brasiliens bekanntester TV-Kommentator Galvão Bueno stellte Zúñiga an den Pranger und sprach von einer "Aggression"und einem "kriminellen Vorgang". Auch Staatschefin Dilma Rousseff zeigte sich besorgt über den Gesundheitszustand des Stürmers des FC Barcelona gezeigt. Dessen "Barca"-Mitspieler Lionel Messi (Argentinien) sagte: "Werd' schnell gesund mein Freund." Zwiegespalten war Lukas Podolski: "Glücklich über unseren Sieg, kann das Duell mit Brasilien gar nicht abwarten, traurig wegen Neymar. Hoffe, dir geht es schnell besser."

FIFA untersucht Szene

Der Fußball-Weltverband FIFA wird die Szene, die zum WM-Aus von Neymar geführt hat, unter die Lupe nehmen. Die Disziplinarkommission wird das Ganze analysieren, teilte die FIFA mit. Die Untersuchung soll klären, ob es sich bei dem Vorfall um ein Foul oder ein Versehen gehandelt hat. Unterdessen kündigte der brasilianische Fußball-Verband CBF an, die Möglichkeit einer juristischen Klage gegen Zúñiga zu prüfen.

cke/dpa | Stand: 05.07.2014, 10:50

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