Mario Götze - zwischen Genie und Ersatzbank

Mario Götze mit WM Pokal

Der Weltmeistermacher im Porträt

Mario Götze - zwischen Genie und Ersatzbank

Von Peter Mühlfeit

Ein Moment für die Ewigkeit: Mit einem Geniestreich entscheidet Mario Götze das WM-Finale. Ausgerechnet der Mann, der als die große Enttäuschung von Brasilien galt.

Helmut Rahn, Gerd Müller, Andreas Brehme und nun Mario Götze: Diese Männer haben Deutschland zum WM-Titel geschossen. Doch keiner hatte einen so wechselhaften Turnierverlauf wie der 22-Jährige, um sich seinen Platz in der Ahnengalerie zu verdienen. Vor dem Finale waren sich alle Experten einig: Götze hat angesichts seines unglaublichen fußballerischen Potenzials enttäuscht, sein Ruf als kommender Weltstar schwer gelitten, überholt beispielsweise von seinem Noch-Teamkollegen Toni Kroos.

Doch Bundestrainer Joachim Löw hatte das Vertrauen in Götze nie ganz verloren, auch wenn er ihn im grandiosen Halbfinale gegen Brasilien auf der Bank ließ. Und nur im Auftaktspiel gegen Portugal durfte Götze bei insgesamt sechs Einsätzen einmal ganz durchspielen. Lediglich zwei Mal stand er in der Startelf. Aber Löw fand vor der Einwechslung in der 88. Minute im Finale die richtigen Worte: "Ich habe ihm gesagt: Zeige der Welt, dass Du besser bist als Messi."

Es werden Geniestreiche erwartet

Mario Goetze, Dortmund 2008/2009, gegen Freiburg

Ein noch sehr junger Mario Götze im Borussen-Trikot

Und wie es Götze seinem Coach und der Welt zeigte: Er stoppte die Flanke von André Schürrle mit erstaunlicher Leichtigkeit mit der Brust und hämmerte den Ball volley mit links ins Netz. Es sind diese Geniestreiche, die man von Götze erwartet, seit er bei Borussia Dortmund auf die große Fußballbühne trat. Es ist dieses überbordende Ballgefühl, das Bayern München tief in die Festgeldkasse greifen ließ, um das Talent dem Rivalen abspenstig zu machen.

Im oberschwäbischen Memmingen geboren, zog die Familie Götze 1998 nach Dortmund. Auf den Jugendspieler des FC Eintracht Hombruch wurden die Talentscouts von Borussia Dortmund aufmerksam und holten ihn 2001 zum BVB. Bereits im Alter von 17 Jahren machte er im November 2009 gegen den 1. FSV Mainz sein Debüt in der Bundesliga. Das erste Tor schoss er zu Beginn der nächsten Saison gegen den VfB Stuttgart. Bei der Nationalmannschaft durchlief er alle Stationen von der U 15 an, mit der U 17 Europameister wurde er sogar Europameister.

Schnöselig bis arrogant?

Das Debüt in der A-Nationalmannschaft ließ nicht lange auf sich warten - im November 2010 gegen Schweden. 2011 gelang ihm gegen Brasilien sein erstes Tor im DFB-Trikot. Der vorläufig wichtigste Treffer seiner Karriere - sein zweites WM-Tor - fiel nun in Brasilien. Dabei wirkte Götze bis dahin oftmals eher verloren, er kapselte sich ab. Sein Auftreten - auf und neben dem Platz - galt vielen als schnöselig bis arrogant. Es passte zu seiner Saison bei Bayern München, wo die häufig lauwarmen Darbietungen des Supertalents Trainer Pep Guardiola wenig erfreute.

Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer nahm Götze in Schutz: "Es ist unglaublich viel auf den Jungen eingeprasselt. Man muss einfach akzeptieren, dass es im Leben eines jungen Menschen auch mal eine Zwischenphase gibt." Die wurde nun von einem überraschenden Hoch abgelöst. In der Sympathie-Skala dürfte Götze nun weit nach oben geklettert sein - auch durch die Aktion, das Trikot des verletzt zu Hause gebliebenen Borussen Marco Reus zu zeigen. Das könnte selbst die Dortmunder Fans, die Götze den Wechsel zu Bayern so übel nahmen, etwas milder stimmen.

Stand: 14.07.2014, 12:07

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