Campo Bahia - zehn Meter in eine andere Welt

Friseurin Joselumi bei der Arbeit

Deutsches Quartier

Campo Bahia - zehn Meter in eine andere Welt

Von Marcus Bark (Santo André)

Ein traumhafter Strand und ein Luxusresort warten auf die deutsche Nationalmannschaft. Zehn Meter vom Eingang zum Campo Bahia wartet der andere Teil von Santo André, eine andere Welt.

Mit einer Schüppe kratzt der alte Mann die Steine zusammen. Auf der anderen Seite der staubigen Straße werden schwarze Müllsäcke gefüllt. Ein Stückchen weiter kleben am Friseursalon zwei selbstgebastelte kleine Fahnen, die brasilianische und die deutsche. Joselumi hat gerade eine Kundin, aber die wartet gerne, bis ihre Friseurin die Fragen beantwortet hat. Die Deutschen, sagt sie, seien ihr herzlich willkommen. Sie freue sich auf die Mannschaft, die am Sonntag (08.06.14) gegen Mittag erwartet wird, auch wenn sie dadurch Geld verliere. "Die Straße ist für viele gesperrt. Das kostet mich Kunden", sagt Joselumi.

Schmach in der Volleyball-Weltliga

Edmilson: "Ich gucke alles an Sport"

Edmilson: "Ich gucke alles an Sport"

Victor Canedo übersetzt. Er ist Reporter bei Globo, einem großen brasilianischen Sportsender. "Sie gucken unser Programm", sagt er, als Canedo die Wohnung von Edmilson betritt. Volleyball-Weltliga, Brasilien verliert 0:3 gegen den Iran, eine Schmach. "Ich gucke alles an Sport", sagt Edmilson auf seiner durchgesessenen roten Couch, die auf dem Betonboden des ärmlichen Hauses steht.

Die staubige Straße in Santo André

Die staubige Straße in Santo André

Wenn er aus der Haustür hinausgeht, nur ein paar Meter nach links und über die staubige Straße, dann steht Edmilson vor einem gut bewachten Holztor. Seit seiner Geburt vor 36 Jahren wohnt Edmilson in Santo André. Lange standen hinter der Straße bis zum traumhaften Sandstrand nur Palmen. Jetzt stehen dort Luxus-Bungalows inmitten der Palmen. "Es war ganz schön laut hier in den vergangenen Monaten. Es wurde ja Tag und Nacht gebaut", sagt Edmilson. Aber auch er ist stolz, dass die deutsche Mannschaft in das kleine Dorf kommt.

Der Blick auf den Strand ist nun verbaut

Das Holztor zum Campo Bahia

Das Holztor zum Campo Bahia

Das Holztor ist gut bewacht, das ganze Campo Bahia ist gut bewacht. Der wundervolle Blick auf das Meer ist mit einem Holzzaun verbaut. Vorne bietet sich aber immer wieder die Möglichkeit, einen Blick zu erhaschen. Das Holztor öffnet im Minutentakt. Mal schleppt ein Arbeiter einen Sack Zement ins Campo, mal kommt einer mit einer Schubkarre Bauschutt heraus. Blumen werden gepflanzt, ein Bungalow wird geweißelt, einen Tag vor der Ankunft ist noch ein bisschen zu tun.

300 Meter sind es von der Straße zum Strand

300 Meter sind es von der Straße zum Strand

Der Weg ins Campo Bahia ist für Nationalspieler ein guter Vorgeschmack auf eine andere Welt. Am Flughafen Porto Seguro quietschen die Gepäckbänder, von denen es nur zwei gibt. Im Bus geht es dann am kilometerlangen Traumstrand vorbei, an dem sich nur ein paar Menschen verirren. Es geht auf den Winter zu. Die Autos werden immer von quebra-molas gebremst, frei übersetzt aus dem Portugiesischen heißt das Achsenbrecher. Auf der linken Seite in Richtung Santo André liegt das Quartier der Schweizer Nationalmannschaft, direkt an der Straße, fast mitten im Leben, auch wenn das Leben hier mehr ruht als pulsiert.

Eine Fähre nur für den DFB

Fähre über den João de Tiba

Fähre über den João de Tiba

Die Straße endet in Santa Cruz Cabrália. Dort geht es auf die Fähre. Wer das nicht möchte, muss einen Umweg von mehreren Stunden fahren, um ins Campo Bahia zu kommen. Die Fähre kostet einen Real pro Person, das sind etwa 30 Cent, für ein Auto muss das Zehnfache bezahlt werden. Für den Deutschen Fußball-Bund steht eine renovierte Fähre immer exklusiv zur Verfügung. Wer von den Journalisten auf dem Weg zur Pressekonferenz zu spät kommt, muss eine halbe Stunde warten. Das Medienzelt steht etwa 300 Meter vom Holztor des Campo Bahia entfernt. Von der anderen Welt ist auch hier nichts zu spüren. Zu Joselumi und Edmilson geht es die staubige Straße entlang, an der Rezeption links.

Stand: 07.06.2014, 21:54

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