ARD-Teamchef zieht Halbzeitbilanz

ARD-Teamchef Bertram Bittel

Gespräch mit Bertram Bittel

ARD-Teamchef zieht Halbzeitbilanz

Bertram Bittel ist wie schon 2010 Teamchef der ARD bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Im Gespräch mit sportschau.de zieht er eine Zwischenbilanz vor den K.o.-Runden beim "größten Medienereignis der Welt".

Herr Bittel, mehr als drei Wochen Weltmeisterschaft liegen hinter uns. Wie sind Ihre Erlebnisse in Brasilien?

Bertram Bittel: Nehmen wir das jüngste Beispiel. Die Anreise in Recife ins Stadion war mit großen Schwierigkeiten verbunden. Insofern war das gleich ein Beispiel bezüglich der Logistik, die wir hier bei dem Großprojekt WM 2014 bedenken müssen. Allein, was heftiger Regen verursachen kann, haben wir dort gesehen. Ich bin bei der Fahrt in die Arena mit einem Kleinbus in den Wassermassen steckengeblieben. Dann haben sie uns mit 20 jungen Leuten da rausgezogen, aber der Bus war defekt. Danach haben wir gesehen, was es heißt, in Brasilien zu sein. Wir haben einen großen Bus von der FIFA gesehen, in dem niemand saß. Obwohl wir der Sprache nicht mächtig waren, haben wir den Busfahrer überzeugt, dass er uns ins Stadion fährt. Dann hat er den großen Gang reingehauen - und los. So kamen wir noch gerade pünktlich zum Spiel.

Sie sprechen vom Großprojekt WM 2014. Welcher Aufwand ist zu betreiben?

Bittel: Wir haben schon vor etwa zwei Jahren mit den Planungen angefangen. Bei der Auslosung im vergangenen Dezember haben wir das Logistikkonzept noch mal geändert und es den Dimensionen des Landes angepasst. Brasilien ist 24 mal so groß wie Deutschland. Die Verkehrsinfrastruktur ist hier nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Was sich jetzt zeigt: Durch das veränderte Konzept haben wir die Gruppenphase hervorragend bewältigt. Alle Kolleginnen und Kollegen haben hervorragend mitgezogen, deshalb haben wir auch tolle Ergebnisse eingefahren. Die Quoten sprechen für sich, egal ob im Fernsehen oder beim Hörfunk, die Zugriffszahlen sind ebenfalls bemerkenswert. Das motiviert uns ganz gewaltig, dieses Großprojekt sehr gut zu Ende zu bringen.

Wo gab es größere Probleme?

Interview mit Bittel, Regen in Recife Autopanne

Erschwerte Bedingungen: Land unter in Recife.

Bittel: Ganz klar in Recife, der heftige Regen und Megastaus. Ein Bus mit den Kollegen der Presse hat es sogar nicht rechtzeitig zum Flughafen geschafft. Hier im ARD/ZDF-Quartier bei der deutschen Mannschaft war gerade am Anfang die Stromversorgung ein großes Thema. Aber das haben wir jetzt auch im Griff.

Es gab Klagen über Tonprobleme.

Bittel: Beim Eröffnungsspiel gab es Tonprobleme für das ZDF, das lag an einem defekten Headset. Wir in der ARD hatten einen kurzen Tonausfall durch Geräteausfall, der aber schnell durch die Havariemaßnahmen behoben werden konnte.

Was gefällt Ihnen besonders?

Bittel: Die Verbindung des inhaltlichen Konzepts mit innovativer Technologie. Wir haben neue virtuelle Technik eingesetzt, das sehen die Zuschauerinnen und Zuschauer an den Grafiken. Auch die Analysetechnik, mit der Moderator und Experte in Rio arbeiten, hat bislang sehr gut funktioniert. Die Bildqualität ist hervorragend. Das Tüpfelchen auf dem i ist die Plattform an der Copacabana. Das ist die echte Kulisse, und die in Verbindung mit der virtuellen Grafik kommt hervorragend an, das bestätigt die Resonanz aus Deutschland. Das Allerwichtigste, um sicherzustellen, dass alles funktioniert, ist die professionelle Arbeit aller Kolleginnen und Kollegen, sei es vor der Kamera, dahinter oder auch in der Logistik.

Eine Fußball-WM ist eine teure Angelegenheit, auch in der Produktion.

Bittel: Klar, aber wir sollten auch bedenken, dass sie das größte Medienereignis ist. Eines ist mir als Teamchef auch ganz wichtig zu sagen: Die unterschiedlichen Orte – DFB-Quartier, Heimatredaktion in Baden-Baden, Internationales Sendezentrum in Rio und Plattform – spielen alle hervorragend zusammen. Wir haben Hightech im Bereich der Fernsteuerung eingesetzt, das gilt auch für den Hörfunk. Dort steuern wir auch von Rio aus eine Regie in Baden-Baden fern, um kostengünstiger zu produzieren. Was uns auch einiges an Kosten erspart, ist die Zusammenarbeit mit dem ZDF, die noch nie so eng war. Der Kameramann der ARD nimmt den Oliver Kahn auf, und die Maskenbildnerin vom ZDF schminkt den Mehmet Scholl. Dadurch sind wir auch 20 Prozent weniger an Personal als noch bei der WM 2010 in Südafrika.

Im Vorfeld hieß es häufig, in Brasilien müsse sich darauf eingestellt werden, dass es mit dem Telefonieren und dem Internet sehr schwierig sei. Davon ist kaum etwas zu spüren.

Bittel: In dem Maße hätte ich das auch nicht erwartet. Gerade in den WM-Städten haben die Brasilianer in den vergangenen Monaten noch mal sehr viel getan. Meine ersten Erfahrungen waren noch andere. Wovon wir überrascht sind, ist der bislang sehr stabile Flugverkehr. Es gibt kaum Verspätungen. Wir hatten uns da auf etwas ganz Anderes eingestellt.

Haben Sie noch Wünsche?

Bittel: Ja, dass die deutsche Mannschaft ins Endspiel nach Rio kommt. Dann müssen die Kolleginnen und Kollegen hier im DFB-Quartier nicht frühzeitig nach Hause reisen.

Stand: 28.06.2014, 15:46

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